Shop & Drop - Innenstadt bekommt Lieferdienst für Einkäufe

Der Onlinehandel von Versandriesen wie Amazon & Co ist omnipräsent, schädlich für den Einzelhandel und alles andere als nachhaltig. Viele Städte wollen dem nun entgegenwirken - auch Augsburg.

Shop & Drop - Innenstadt bekommt Lieferdienst für Einkäufe

Es ist so einfach und deshalb so verführerisch: Man macht ein paar Klicks, wartet ein paar Tage und schon bekommt man alles, was man will, bequem nach Hause geliefert. Dass damit aber auch unfaire Arbeitsbedingungen, unglaublich viel Verpackungsmüll und Schädigung des Einzelhandels verbunden sind, wird glücklicherweise immer mehr Menschen bewusst. Viele Städte versuchen jetzt, den Online-Riesen den Kampf anzusagen und die heimischen Läden zu stärken.

Einkaufstüten lagern oder sogar liefern lassen mithilfe von „Shop & Drop“

Im Zuge des städtischen Mobilitätskonzepts ist nun ab September ein ganz besonderer Lieferdienst namens „Shop & Drop“ geplant. Das Konzept: Ihr shoppt gemütlich in den Geschäften der Innenstadt und könnt anschließend die Taschen mit euren Einkäufen im gleichnamigen „Shop & Drop“ abgeben, der im ersten Stock der Bücher Pustet Filiale in der Karolinenstraße 12 entstehen soll. Dort habt ihr dann zwei Optionen: Zum einen könnt ihr eure Errungenschaften für bestimmte Zeit ablagern, falls ihr beispielsweise ohne die ganzen Tüten noch gemütlich in ein Café gehen wollt. Praktisch! Vielen dürfte dieses Konzept ja schon vom Advents-Gepäckbus der Stadtwerke bekannt sein. Noch spannender ist jedoch die Möglichkeit, sich die Einkäufe per Fahrradkurier zum Wunschtermin in die heimischen vier Wände liefern zu lassen - und das kostenlos!

Augsburg Marketing und Boxbote machen’s möglich

Hinter dem cleveren Projekt steckt pure Augsburg-Power. Die Kosten von 20.000 Euro pro Jahr werden in der Anlaufphase (die auf zwei Jahre befristetet ist) vom Augsburg Marketing getragen, über einen Förderverein steuert auch die heimische Wirtschaft einen Teil dazu bei. Außerdem wird für diesen Lieferservice kein extra Kurierdienst ins Leben gerufen, sondern auf das Team des Augsburger Start-Ups Boxbote gesetzt. Die sind mit ihren mittlerweile 30 Fahrern nämlich schon lange nicht mehr nur auf das Ausliefern von Speisen und Getränken lokaler Restaurants spezialisiert, sondern liefern mittlerweile auch Drogerieartikel oder Medikamente - und ab September eben auch eure Einkaufstüten.

Günzburg bietet eigene Online-Plattform

Sollte das Projekt erfolgreich sein, wäre sogar denkbar, die Kuriere die Ware direkt im Geschäft abholen zu lassen, sodass Kunden sich den Weg zum „Shop & Drop“ sparen können. Das wäre ein weiterer Schritt, um die Verbraucher weg von Amazon und wieder hin zum Einzelhandel zu bringen. In Günzburg ist man sogar noch weiter gegangen: Unter dem Namen „Wir in Günzburg“ gibt es seit 2017 eine Online-Plattform, auf der über 50 Anbieter aus den Bereichen Handel, Dienstleistung, Gastronomie & Hotels oder Gesundheit vertreten sind und quasi digitale Schaufenster zum Kennenlernen bieten. Hier gibt es schon die Möglichkeit, Produkte lokaler Läden zu bestellen und innerhalb Günzburgs die Ware ohne Versandkosten noch am selben Tag zu erhalten. Online und doch lokal einkaufen, Klasse!

Pluspunkt des einzigartigen Augsburger „Shop & Drop“-Konzepts ist dafür, dass neben der (erhofften) Reduzierung von Autos in der Innenstadt und damit einhergehend des Schadstoffausstoßes zusätzlich noch die Bürger aus dem Haus in die vielen kleinen und sympathischen Geschäfte gelockt werden, anstatt daheim ein paar Mal auf die Maus zu klicken.

Wir sind gespannt, wie sich der Innenstadt-Lieferdienst entwickeln wird und hoffen, dass noch viele weitere nachhaltige, umweltfreundliche und einzelhandelstärkende Ideen folgen werden. Ein deutlich entspannterer Bummel durch die Einkaufsstraßen ist zumindest schon mal gesichert.

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