Das Shopping der Zukunft – Wie wird es in Augsburg aussehen?

Unser Einkaufsverhalten wandelt sich: Wir shoppen mehr online, aber legen auch wert auf Regionalität. Über die Stadt und das Einkaufen der Zukunft haben wir mit Boxbote-Mitgründer Raimund Seibold gesprochen.

Das Shopping der Zukunft – Wie wird es in Augsburg aussehen?

Raimund Seibold hat 2015 das Unternehmen Boxbote als Start-up aufgebaut. Während es zunächst ein Fahrrad-Lieferdienst war, entwickelte es sich schnell zu einem regionalen und digitalen Marktplatz für Augsburg. Digitale, regionale Markplätze … ist das die Zukunft des Shoppens?

Wie sich das Shoppen verändert hat

Klar, seit der Corona-Pandemie hat sich einiges in unserem Einkaufsverhalten geändert. Zwangsweise. Immerhin müssen Geschäfte immer wieder schließen oder waren nur eingeschränkt geöffnet. Wir bestellen häufiger Essen vom Restaurant nach Hause und halten uns mit Online-Shopping bei Laune. Dabei legen wir immer größeren Wert auf lokale Produkte. Doch Corona ist nicht der alleinige Grund für diese Veränderung. „Das Shoppen verändert sich schon seit Jahren“, meint Raimund Seibold, „die Pandemie hat den Trend nur beschleunigt.“

Online-Shoppen ja, aber vor Ort!

Über Boxbote können wir Essen von lokalen Restaurants, Dinge des täglichen Bedarfs und Waren Augsburger Läden kaufen und uns per CO2-freiem Fahrradkurier vor die Haustüre liefern lassen. Der schnellstmögliche Bringservice sei heute ein „absolutes Muss, wenn man neben den Online-Riesen bestehen möchte“, meint Raimund Seibold. Mit den Online-Riesen meint er Google und eBay, die die Nachfrage nach regionalen Produkten ebenfalls erkannt und ein eigenes System aufgebaut haben, diesem Bedarf gerecht zu werden.

„Es ist schon fast cool, auf regionale Anbieter zu setzen.“

„Wenn wir unsere ambitionierten Klimaziele erreichen möchten, müssen wir meines Erachtens zwangsläufig wieder mehr auf Regionalität setzen“, meint der Boxbote-Mitgründer. Im Bereich Lebensmittel sei es „schon fast cool auf regionale Anbieter zu setzen“. Raimund Seibold ist überzeugt, dass sich diese Entwicklung auch im Einzelhandel vollziehen wird. Allerdings nicht bei allen Arten von Läden: „Der klassische austauschbare Händler mit generischen Produkten und Serviceangeboten hat dann keine Daseinsberechtigung mehr.“ Profitieren werden, seiner Einschätzung nach, ausschließlich besondere Läden.

Ohne Online-Präsenz, gar keine Präsenz?

Dass Läden auch einen Online-Shop besitzen, beziehungsweise sich auch online präsentieren, wird laut Raimund Seibold immer essenzieller. „Ohne Online-Präsenz wird man es zukünftig wahnsinnig schwer haben“, meint er. „Man muss schon ein sehr einzigartiges und exklusives Geschäft haben, um es sich leisten zu können, auf 'online' zu verzichten.“ Gerade die junge Generation sei es gewohnt, online zu vergleichen und sich für ein Produkt zu entscheiden. Dass das Ganze zu einem Aussterben der Innenstädte führt, glaubt Raimund Seibold nicht. Verändern werden sie sich aber auf jeden Fall.

Die Innenstadt der Zukunft

Einkaufen ohne schwere Einkaufstüten dank Lieferung nach Hause.

Große Einkaufshallen und seelenlose Verkaufsflächen sucht man in der Innenstadt der Zukunft vergeblich. Stattdessen trifft man auf Menschen, die in den neu gestalteten Läden bestens unterhalten werden – so stellt sich Raimund Seibold das Einkaufen in fünf bis zehn Jahren vor. „Wir wollen unterhalten werden und genießen die Innenstadt ohne Einkaufstüten, Bargeld oder irgendwelche lästigen Einkaufsschlangen an den Kassen. Die Bestellung erfolgt über das Smartphone und die Lieferung passiert im Hintergrund – direkt an die Haustür zur vereinbarten Zeit.“ Der Handel wird sich komplett wandeln und das sei auch gut so: „Diese kriegsähnlichen Zustände, wie zum Beispiel an verkaufsoffenen Sonntagen, können meines Erachtens niemandem Spaß machen.“

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