Seifendealer & Selbstversorger – Unterwegs mit zwei „Selbermachern“

„Wenn ich's selbst mache, weiß ich was drin ist“, so die Einstellung von Juli und Alfred, die in unterschiedlichen Lebensbereichen versuchen unabhängig zu werden.

Seifendealer & Selbstversorger – Unterwegs mit zwei „Selbermachern“

Der Hobby-Gärtner

Ein sonniger Tag im Februar, Alfred ist mit seinem Fahrrad mal wieder unterwegs in den heimischen Schrebergarten. Ich begleite ihn. Auf dem Weg reden wir darüber, was mich gleich im Garten erwarten wird: keine malerisch angelegten Blumenbeete und Büsche, sondern hauptsächlich Knollengemüse und Kohl. Das einzige, was um diese Jahreszeit der Kälte standhalten kann.

„Komm doch im Juli wieder“

„Komm doch im Juli wieder“ meint er und schwärmt von Radieschen, Salat, Tomaten, Gurken und Zucchini. Neben diesen gängigen Gemüsearten baut der berufstätige Kleingärtner auch gerne außergewöhnliche Dinge an.

So hat er beispielsweise Morgensterngurke und Mispeln aus Kreta bei sich im Beet. Im Garten angekommen fallen mir außerdem vor allem die zwei großen knorrigen Apfelbäume ins Auge. „Nachdem die Ernte letztes Jahr miserabel war, hoffe ich, dass ich dieses Jahr wieder viele Äpfel habe“, sagt Alfred und erzählt freudig von Kompott und Saft, den er in den Jahren zuvor einlagern konnte. Saft stellt der 52-Jährige auch aus seinen Trauben her, genauso wie Chutney mit Zucchini und Zwiebeln. Ganz selbstversorgen kann sich das Mitglied einer 4-köpfigen Familie aber auf keinen Fall.

„Das wäre natürlich mein Traum, aber dafür fehlt mir der Platz und die Zeit“,

„Das wäre natürlich mein Traum, aber dafür fehlt mir der Platz und die Zeit“, sagt der Gärtner. Doch es sei einfach immer etwas ganz Besonderes, wenn zu Hause etwas auf den Teller kommt, das man vom Samen bis zur Frucht betreut hat. Und, dass frisches Gemüse aus dem Garten viel besser schmeckt, als von Lidl im Regal, steht ja überhaupt nicht zur Debatte. Eines kann der Gärtner aber bereits von sich behaupten: er ist Selbstentsorger und kompostiert den Bioabfall seiner Familie gewissenhaft im Schrebergarten. „Bessere Erde kann es gar nicht geben!“

Die Seifenmacherin

Auf der Suche, nach jemandem, der gerne Dinge selbst macht, stoße ich auf Juli. Die Studentin nennt sich selbst gerne die „Seifenlady“. Nach einem Besuch in ihrem „Arbeitszimmer“ ist mir auch schnell klar, warum. Fein säuberlich stapeln sich hier verschiedenste Seifen. Sanddorn, Lavendel, Rose – für Gesicht, Haar oder Hände. Konzentriert packt die 23-jährige kleine Tütchen nach Bestellungen. Sie macht sich bereit für eine Inlinertour, um ihre Seifen an Freunde und Bekannte auszuliefern. „Ich bin überrascht, wie sich der Seifentrend etabliert hat“, freut Juli sich. Ihr Knowhow zum Seifenmachen, hat sie von einem Kurs, aber auch YouTube Videos helfen ihr oft weiter.

„Es ist ein bisschen wie Kuchenbacken“

„Es ist ein bisschen wie Kuchenbacken“, sagt die gebürtige Neu-Ulmerin auf dem Weg zum ersten „Kunden“. Die Zutaten kauft sie im Biomarkt oder bestellt in Naturkosmetik-Onlineshops. Juli probiert außerdem immer wieder Neues aus und richtet sich auch gerne nach den Wünschen ihrer Freunde. „Gerade zu Weihnachten, will jeder etwas Selbstgemachtes verschenken“, erzählt sie. Warum sie überhaupt damit angefangen hat, frage ich sie auf dem Rückweg.

„Ich wollte die Umwelt schützen, aber auch mich selbst“,

„Ich wollte die Umwelt schützen, aber auch mich selbst“, erklärt Juli und spielt dabei auf versteckte Inhaltsstoffe, Mikroplastik und Plastikverpackungen an. Außerdem will sie den Leuten zeigen, dass gute Naturkosmetik nicht teuer sein muss und Selbermachen einfach sehr viel Spaß machen kann.

Mit einem kleinen Beutel Haarseife im Schlepptau mache ich mich auf den Nachhauseweg. Voller Tatendrang zumindest nächstes Weihnachten ins „Selbermach-Business“ einzusteigen und im Sommer einen Abstecher bei Alfred zu machen!

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