Nach Seaspiracy: Was machen wir mit dem Wissen?

Die Dokumentation „Seaspiracy“ läuft seit 24. März auf Netflix und hat seitdem vielen gezeigt, welche Auswirkungen unser Konsum von Fischen und Meeresfrüchten hat. Doch was nun?

Nach Seaspiracy: Was machen wir mit dem Wissen?

Es ist eine Dokumentation, die unter die Haut geht und viele Menschen weltweit zum Nachdenken gebracht hat: Die Netflix-Dokumentation „Seaspiracy“.

Worum geht es in Seaspiracy?

Der Zuschauende begleitet den Dokumentarfilmer Ali Tabrizi, bei dem Versuch, der Ursache für die Verschmutzung der Meere auf den Grund zu gehen. Er stellt unter anderem fest, dass der Plastikmüll in den Meeren fast zur Hälfte aus alten Fischernetzen besteht, versucht zu versehen, weshalb Japan Delfine tötet und stellt Meeresschutzorganisationen zur Rede. Bei seiner Recherche, die ihn um die halbe Welt führt, erhascht man als ZuschauerIn einen Blick auf das System hinter der industriellen Fischerei, das nicht nur das Meer rücksichtslos ausbeutet, sondern auch Menschen, die auf den Fisch angewiesen sind.

Die Buh-Männer des Films verteidigen sich

Der Film kommt zu dem Schluss, dass wir aufhören müssen Fisch zu essen. Das stößt natürlich auf viel Kritik. Vor allem bei Konzernen und Organisationen, die von der Fischerei profitieren. Die einen behaupten, keinen Fisch zu essen würde nur die Problematik hin zur Sojaproduktion verlagern, wie etwa das Aquaculture Steawardship Council (ASC) auf seiner Webseite argumentiert. Soja wird hauptsächlich zur Produktion von Tierfutter für die Fleischindustrie angebaut. Das ASC geht also davon aus, dass die Menschen von Fisch auf mehr Fleisch umschwenken würden. Doch warum sollten diejenigen, die aufgrund der katastrophalen Folgen der Fischindustrie auf Fisch verzichten, die ebenso katastrophalen Folgen der Fleischindustrie ignorieren und mehr Fleisch essen? Andere, wie die Meeresschutzorganisation „Oceana“, die im Film besonders schlecht wegkommt, weist auf ihrer Webseite darauf hin, dass global gesehen 80 Prozent des Plastiks im Meer vom Inland kommen und etwa Geisternetze der Fischerei nur einen geringen Anteil ausmachen. In der Doku war von über 46 Prozent Fischernetzen die Rede. Diese Zahl bezieht sich tatsächlich auf den Great Pacific Garbage Patch, den größten Müllstrudel der Erde. Ist das ein Grund, das Problem nicht anzugehen?

Was machen wir mit dem Wissen?

Was jeder von dem Film mitnimmt und inwieweit das Wissen um die Folgen der Fischerei das eigene Verhalten beeinflusst, muss jeder selbst entscheiden. Da ich als Vegetarierin sowieso kein Fisch esse, stellt sich mir die Frage, was ich über den Fischverzicht hinaus tun kann. Andere „bekehren“, Wissen weitertragen? Ich weiß, dass man Menschen mit Worten nicht dazu bringen kann, so liebgewonnene Gewohnheiten wie Fisch- und Fleischkonsum einfach aufzuhören. Aber was funktionieren kann, ist, auf das hinzuweisen, was diese Ernährungsweise mit anderen Menschen, Tieren und unserer aller Lebensgrundlage macht. Schaut euch den Film an, informiert euch und fällt eure eigene Entscheidung. Es ist leichter als man denkt.

Fragen, die Seaspiracy aufwirft

Ist der Verzicht auf Fisch für alle Menschen realistisch?

Das ist einer der Kritikpunkte, die zum Film häufig geäußert werden. Nicht alle Menschen könnten auf Fisch verzichten. Natürlich sind Menschen in vielen Regionen der Welt auf Fisch oder auch auf anderes Fleisch als Nahrungsmittel angewiesen. Auf uns trifft das wohl eher nicht zu. Wir leben im absoluten Überfluss und haben unzählige alternative Lebensmittel zur Verfügung. Es gibt für uns keinen Grund, Fisch zu essen.

Aber Fisch gehört doch zu einer gesunden Ernährung?

Die wichtigen Omega-3-Fettsäuren werden nicht vom Fisch gebildet, sondern von Algen. Also sind Algen, aber auch Walnüsse und Leinsamen die besten Omega-3-Fettsäuren-Lieferanten.

Kann es nachhaltige Fischerei geben?

Der Film kommuniziert, dass es nachhaltige Fischerei, wenn es um wilde Meeresfische geht, nicht gibt. Die Kontrolle der Fischkutter auf hoher See ist kaum möglich. Ob nachhaltig gefischt wird oder nicht, lässt sich also kaum sagen. Ich denke, wenn die Nachfrage der stetig wachsenden Bevölkerung nicht sinkt, kann nicht nachhaltig gefischt werden. Es wird einfach zu viel Fisch aus den Meeren geholt.

Sind Aquakulturen eine Alternative?

Im Zusammenhang mit nachhaltiger Fischerei kommt immer die Diskussion über Aquakulturen auf. Diese sind leider auch nicht viel besser als der Wildfang. Für die Fische der Aquakulturen wird Fischmehl als Futter benötigt: Fischmehl aus Fischen außerhalb der Aquakultur. Zwar arbeite man an Lösungen, das Fischfutter durch Pflanzenproteine zu ersetzen, doch das funktioniere nicht bei Raubfischen wie Lachs oder Wolfsbarsch, sagt Umwelt- und Meereswissenschaftler Harry Palm gegenüber Deutschlandfunk Kultur. Je nachdem ob es sich um eine bio-zertifizierte oder eine konventionelle Aquakultur handelt, kommt außerdem eine große Umweltbelastung aufgrund der Fäkalien der Fische und das Leid der Tiere hinzu.

Fazit

Ich weiß nicht, wie es euch mit den Infos geht, aber erscheint es aufgrund der Komplexität des Ganzen, nicht wahnsinnig einfach, auf Fisch zu verzichten? Einfach zu sagen: „Ich mach da nicht mit. Ich will mit der Geldgier, dem Leid und der Umweltzerstörung durch die Fischerei nichts zu tun haben und kein bisschen verantwortlich dafür sein!“ – Eigentlich eine bequeme Lösung mit großer Wirkung, oder nicht?

Logo