Die Play-Offs – Endrunde im Eishockey – werden von Eishockeyliebhabern als die beste Zeit des Jahres abgestempelt. Kampf, Leidenschaft und Emotionen sind garantiert. Der EHC Königsbrunn spielt momentan seine Halbfinalserie gegen den EV Dingolfing in der Bayernliga, der vierthöchsten Liga im deutschen Eishockey. Für die Brunnenstädter liefen die vergangenen drei Spielzeit nach Strich und Faden: zwei Meistertitel und eine Vizemeisterschaft sprechen Bände. Einer derjenigen, der an diesen Erfolgen maßgeblich beteiligt war, ist Ex-Pantherprofi Marco Sternheimer. In weniger als vier Jahren hat sich der 27-jährige bereits auf Platz eins der All-time Toreliste des Vereins hochgearbeitet (106 Tore). Nun stand Sternheimer wieder im Fokus der Medien, dieses Mal aus einem schaudernden Grund.
Königsbrunner Wundercomeback von zwei Unfällen überschattet
Auf sportlicher Ebene war das zweite Spiel der Best-of-seven Serie ein wahrlicher Leckerbissen. Nachdem sich die Niederbayern vergangenen Freitag den ersten Sieg holten, war Königsbrunn auf den Serienausgleich bedacht. Dieser Schuss ging jedoch zunächst nach hinten los. Nach der Hälfte der Spielzeit lag der EHC Königsbrunn mit 3:0 hinten. Doch, es folgte eine Aufholjagd wie aus dem Bilderbuch: Binnen 133 Sekunden glichen die Brunnenstädter aus. Man hatte also wieder ein Spiel.
Das Spiel wurde überschattet durch den ersten Unfall des Abends, nachdem der gegnerische Kapitän David Zucker (96) und Peter Brückner (33) unglücklich zusammenstießen. Letzterer blieb minutenlang auf dem Eis liegen, ehe er mit einer Trage davongetragen wurde. In der regulären Spielzeit wollten keine Tore mehr fallen, wodurch die Entscheidung in die Overtime verlegt wurde. Die Dramaturgie ereignete sich in der 64. Spielminute, als der Dingolfinger Stürmer Blake Luscombe (19) mit Marco Sternheimer (6) zusammenstieß und ihn mit seiner Schlittschuhkufe am Hals traf. In der stimmungsvollen Marco-Sturm-Eishalle kehrte totenstille ein. Nach einer über vierzigminüten Spielpause entschieden sich beide Teams dazu, die restliche Zeit der Verlängerung ablaufen zu lassen und die Entscheidung im Shootout unter sich auszumachen. Das glücklichere Ende ergatterte sich der EHC Königsbrunn, der damit die Serie wieder auf null stellte.
Die Neuentfachung der Debatte um den Halsschutz
Trotz Sieg konnten sich alle Beteiligten und Fans nicht freuen. Die erste Entwarnung zu Sternheimers Gesundheitszustand folgte gegen Mitternacht von Vereinsseite aus. Der gebürtige Augsburger war schon noch wenigen Stunden außer Lebensgefahr und befand sich zur Sicherheit auf der Dingolfinger Intensivstation. Inzwischen ist der Königsbrunner Star-Spieler nach zweitägigem Aufenthalt im Dingolfinger Krankenhaus wieder zu Hause. Gerade in der schwäbischen Region ist dieses Thema allerdings noch stark im Gedächtnis. Der ehemalige Pantherspieler Adam Johnson verstarb nach einem ähnlichen Unfall während eines Spiels in der Englischen Liga. In den Kommentarsektionen auf Facebook und Co. war häufig zu lesen, dass der Halsschutz nun endlich in allen Ligen verpflichtet sein sollte. Ist er aber bereits seit dieser Spielzeit.
Die Debatten um den Halsschutz wurden damit wieder angeheizt. Ein Halsprotektor ist nicht denkbar, da er die Beweglichkeit des Halses einschränken würde und damit auch ins Spielgeschehen eingreifen würde. Allerdings ist bei vielen Profis sichtbar, dass dieser Halsschutz nur partiell den Hals abdeckt und damit vernünftigen Schutz bietet. Allerdings ist der Halsschutz in seiner jetzigen Form auch fragwürdig aus dem Aspekt, da er ihn zwar vor Schnittverletzungen, nicht aber vor Fremdeinwirkungen wie einem Schlagschutz schützt. Ob der Unfall von Sternheimer in diesem Aspekt etwas voranbringt, ist derzeit noch unklar.
Ohr: „so etwas habe ich noch nie erlebt!“
Der erste Vorstand des EV Dingolfing Jürgen Ohr zeigte sich sehr betroffen. „Ich bin schon seit über 12 Jahren in der Vorstandschaft tätig […] so etwas habe ich noch nie erlebt.“. Das schönste Bild der Woche folgte bereits einen Tag darauf. Ohr und Luscombe besuchten Sternheimer im Krankenhaus. Die drei konnten bereits ein lachendes Gesicht auf den intern verschickten Bildern aufsetzen. Für Brückner besteht schon traurige Gewissheit. Wegen einer Unterkörperverletzung ist seine Saison bereits beendet. Die Hallo Augsburg Redaktion wünscht beiden Spielern eine gute und vollständige Genesung.
Sportlich geht es hart auf hart weiter. Denn schon am Freitagabend um 20 Uhr findet das dritte Halbfinalspiel im Kampf um das Bayernligafinale statt. Tickets gibt’s unter: https://www.eventim-light.com/de/a/630b4c8e01bcd227acab02c3/e/699962bd2a1b6440e5b34cd3