Schwabencenter – Wie lebt es sich hinter der grauen Fassade?

Von außen graue Fassaden und viele Vorurteile. Ein Bewohner schenkt uns Einblicke in das Leben im Schwabencenter.

Schwabencenter – Wie lebt es sich hinter der grauen Fassade?

Ein grauer Häuserblock. Was in vielen Ländern und auch deutschen Städten ganz normal ist, gehört in Augsburg doch eher zu einem seltenen Anblick. Entsprechend erstaunt es nicht, dass bei Erwähnung des Schwabencenters viele Vorurteile und zwielichtige Geschichten kursieren. Weil wir keine Freunde von Schubladendenken sind, haben wir einfach mal direkt bei einem Bewohner nachgefragt: wie lebt es sich hinter der grauen Fassade?

Wieso lebst Du im Schwabencenter?

Ich lebe bereits seit rund 10 Jahren hier. Warum? Das ist eine gute Frage. Weil ich während meiner Ausbildung damals nicht mehr bei meinen Eltern leben wollte. Wir haben uns gut verstanden, aber ich wollte einfach meinen eigenen Weg gehen. Also habe ich mich nach einer eigenen Wohnung umgesehen. Mein Budget war damals als Azubi sehr beschränkt und da kam mir eine Wohnung im Schwabencenter sehr gelegen. Zu dieser Zeit waren sie auch noch wirklich gut bezahlbar. Das hat sich inzwischen auch hier geändert.

Inwieweit haben sich die Mietpreise geändert?

Ich kenne natürlich nicht die Verträge von allen Mietern und da gibt es bestimmt auch große Unterschiede. Ich weiß nur von einigen Leuten, die erst seit kurzem hier leben, dass die Preise im Vergleich zu früher wirklich hoch sind. Trotzdem denken ja immer wieder Leute, dass es in „diesen Blöckern“ bestimmt sehr günstig ist. Dem ist nicht so. Auch wenn es von außen vielleicht etwas „rough“ aussieht. Auch im Schwabencenter spüren wir die Entwicklungen des Marktes. Das ist natürlich immer in Relation zu sehen. Klar kostet es in der Maxstraße nochmals deutlich mehr.

Wieso lebst Du auch heute noch im Schwabencenter?

Ich bin ehrlich gesagt sehr froh einen Mietvertrag mit halbwegs fairen Konditionen zu haben. Auch wenn ich kein Azubi mehr bin, habe ich leider keinen Goldesel zuhause. Dazu kommt: ich mag das Schwabencenter einfach. Ich fühle mich hier wohl und es ist mein Zuhause geworden.

Was macht das Schwabencenter zu Deinem Zuhause?

Ich habe es nicht weit, um meine Eltern zu besuchen. Das ist mir wichtig. Ich bin ein Familienmensch. Im Schwabencenter habe ich inzwischen einige Freunde und sehr viele Bekanntschaften gefunden. Man kennt sich hier einfach, wenn man sich jeden Tag über den Weg läuft. Dem einen nickt man freundlich zu und mit dem anderen quatscht man auch mal länger. Es ist einfach wie eine eigene Nachbarschaft, die es in anderen Vierteln oder Stadtteilen so nicht gibt. Es ist in Augsburg eben sonst eher eine Ausnahme, dass so viele Menschen auf einem Fleck leben. Ich genieße das. Mir gibt das ein gutes Gefühl.

Haben die Bewohner des Schwabencenters also einen besonderen Zusammenhalt?

Ich glaube, dass man den Zusammenhalt hier schon hervorheben kann. Es leben jung, alt, Familien, Studenten und Arbeiter zusammen. Gerade als kürzlich wegen der Leerstände im Shopping Center diskutiert wurde und es im Raum stand, dass der Edeka schließt, haben wir gemerkt, wie gut alle an einem Strang ziehen, wenn es darauf ankommt. Viele haben demonstriert und sich für ein lebendiges Center eingesetzt. Gerade auch die älteren Menschen treffen sich regelmäßig im „Wohnzimmer“ des Schwabencenters. Dort gibt es immer ein spannendes Angebot an gemeinsamen Aktivitäten. Das soll gegen die Vereinsamung wirken und wird dankend angenommen. Ich wüsste nicht, wo es so etwas sonst gibt?

Es kursieren immer wieder zwielichtige Geschichten über das Schwabencenter? Was sagst Du dazu?

Ganz ehrlich? Die Menschen sollten nicht so viel fernsehen. Ich kann es ja irgendwo verstehen. Sie gucken sich irgendwelche Gangster Filme an und übertragen dann alles auf die eigene Stadt. Da fällt ihnen natürlich sofort unser Block ins Auge. Es gibt überall schwarze Schafe. Natürlich gibt es bei so vielen Menschen im Center auch ein paar die mir nicht so ganz geheuer sind. Gerade bei denen, die den ganzen Tag unten am Hauseingang „chillen“, frage ich mich schon manchmal, was sie da eigentlich so machen. Aber wie gesagt: das hat nichts mit dem Schwabencenter zu tun. Das sind Dinge, die es überall gibt. Natürlich kommt es auch mal zu Streit, wenn so viele Parteien auf engem Raum leben. Doch auch das ist, glaube ich, nichts Unnormales.

Wie lässt es sich im Schwabencenter leben?

Ich fühle mich wohl. Trotzdem merke ich, vor allem wenn ich Besuch bekomme, der noch nie zuvor bei mir war, dass das nicht jeder so sieht. Das erste Schreckgespenst ist meistens der Aufzug. Er federt beim Betreten ein wenig, da die Stahlseile sehr lang sind. Ich hatte schon Besucher, die mich panisch angerufen haben, ob es nicht auch irgendwo Treppen gibt. Im Aufzug spielt die Anzeige dann meistens verrückt und zeigt wahllos irgendwelche Stockwerke an. Das erinnert dann schon manchmal an einen Horrorfilm. Egal. Ich mag das. Generell ist es so, dass viele Stockwerke beim Verlassen des Aufzugs sehr dunkel sind, weil die Gänge kein Fenster haben. Man muss also erst den Lichtschalter betätigen. Auch das fanden einige meiner Besucher etwas unheimlich. Wenn man es weiß, ist es aber absolut kein Problem.

Wie ist der Lebensstandard in den Wohnungen?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten, weil die Ausstattungen sehr unterschiedlich sind. In manchen Stockwerken sind sogar Arztpraxen. Da sieht es dann stellenweise wirklich modern aus. Ich habe schon sehr alte Räumlichkeiten gesehen, die vielleicht nicht das Richtige für Jedermann sind, aber genauso wirklich modernisierte Unterkünfte, die auch höheren Anforderungen gerecht werden. Auf jeden Fall hat jeder das nötigste, was es zum Leben braucht.

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