Illegales Graffiti entfernen – ein Statement zum Projekt Schmierflink

Die Stadt will die Entfernung von Graffiti an öffentlichen Hauswänden finanziell unterstützen, doch macht das wirklich Sinn?

Illegales Graffiti entfernen – ein Statement zum Projekt Schmierflink

Rolf., die Augsburgblume oder der Klassiker ACAB – alles mehr oder weniger künstlerische Bemalungen, die sich in Augsburg zu Hauf finden lassen. Doch bald soll damit Schluss sein. Die Stadt will mit dem Projekt Schmierflink Eigentümer öffentlicher bemalter Wände finanziell bei der Entfernung der Schmierereien unterstützen. Für ein sauberes, graffitifreies Stadtbild, so zumindest der Plan.

Es gibt legale Flächen und Wände, die besprüht werden dürfen und Projekte der Bunten beweisen auch, dass wahre Künstler hinter den Sprayern stecken können. Trotzdem stechen im Stadtbild vor allem die sinnlos, stillos und hektisch gesprühten Reviermarkierungen wie Rolph. ins Auge. Für richtige Künstler ist diese Art der Sachbeschädigung sicherlich ein Dorn im Auge, denn wahre Kunst sieht anders aus und durch die Schmierfinken wird die Augsburger Sprayer-Szene selbst in schlechtes Licht gerückt. Vor allem die ältere Generation und manch ein Tourist sieht das Augsburger Stadtbild durch die Bemalungen außerdem gefährdet. Die Stadt und allen voran Ordnungsreferent Dirk Wurm wollen mit Schmierflink bis zu 40% der Kosten zur Entfernung von Wandmalereien übernehmen.

Ein Schuss nach hinten?

Doch jetzt stellen wir uns mal vor, wie das Butzenbergle eines samstagnachts ganz verlassen und völlig nackt im Mondschein hell erleuchtet für einen Hobbysprayer erscheinen würde. Also welcher Sachbeschädiger hier nicht schwach werden würde, weiß ich auch nicht. Es stellt sich also die Frage, ob die geplanten Maßnahmen nicht einfach Geldverschwendung und Arbeitsbeschaffung darstellen werden. Der Kick liegt für manche Sprayer nämlich einfach auch darin sich in eine gewisse Gefahr zu begeben, im Unbeobachtetbleiben, im waghalsigen Begehen eines Geländes und dem Abenteuer drumherum, das gar nichts mit dem Endergebnis zu tun haben muss. Das sind die Dinge, die hinter vielen Sachbeschädigungen das Ausschlaggebende sind. Manche brauchen den Nervenkitzel und den bietet eine weiße legale Wand nun mal nicht, eine frisch gereinigte Wand in mitten der Stadt jedoch schon.

Irgendwie hat es schon auch Stil

Sind wir mal ehrlich. Die Augsburgblume und auch das Butzenbergle sind irgenwie schon zum Kult geworden. Sie schreien nach Berlin und bringen ins manchmal etwas eingestaubte Augsburg doch einen gewissen urbanen Flair. Und wo soll dann bitte sonst für all die edgy Instagrambilder posiert werden?

Die Frage nach hässlicher Sachbeschädigung oder stilvoller, bereichernder Kunst liegt ganz im Auge des Betrachteres. Und eine Lösung mit der alle zufrieden sind wird es wohl nicht geben. Ob nun aber die Finanzierung der Entfernung und damit die Herausforderung der Schmierfink-Szene der richtige Weg sind um Augsburg schöner zu machen? Ein Struggle dem wir uns zum Glück nicht stellen müssen, sind wir nicht Besitzer einer bemalten Fassade.

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