Interview: Was steckt hinter dem Craftbier vom Roten Pony?

Das Rotes Pony Bio-Craftbier aus Augsburg wurde in unserer Umfrage auf Platz zwei gewählt. Doch was zeichnet das Bier aus? Wir haben mit selbst erlernten Brauer und Mitgründer, Christopher Detke, gesprochen.

Interview: Was steckt hinter dem Craftbier vom Roten Pony?

Augsburg ist reich an leckerem Bier, welches zum Teil in Brauereien der Stadt und der Region produziert wird. Eines davon ist das „Rotes Pony Bio-Craftbier“, welches in unserer Bierumfrage auf Platz zwei gewählt wurde. „Vielleicht wurden wir in der Umfrage so gut bewertet, weil wir ein kleines und junges Unternehmen sind“, meint Christopher Detke. Er und und sein Mitgründer Jerome Geyer-Klingeberg brauen seit 2016. Vor zwei Jahren startete dann der Verkauf ihres eigenen Bieres.

Vom Hobby zur eigenen Brauerei

„Es war eine einmalige Gelegenheit.“

Christopher und Jerome haben eine Leidenschaft für gutes Bier, weswegen sie angefangen haben, selbst zu brauen. Aus diesem Hobby wurde dann mehr: „In meiner Bachelorarbeit ging es um das Thema Reinheitsgebot“, erzählt Christopher. Daraufhin machte er den Master in Umweltethik. „Als ich meine Masterarbeit über Nachhaltigkeit im Brauwesen schrieb, trafen wir auf Manuel Förg.“ Manuel und Christopher kennen sich seit der Kindheit. Der Landwirt habe den beiden angeboten, die freistehende Fläche im Stadel seines Hofes in Augsburg-Bergheim für ihre eigene Brauerei zu verwenden. „Wir sind nicht sofort darauf angesprungen, weil uns die Herausforderung zu groß schien“, sagt Christopher. Er habe zuerst sein Studium abgeschlossen und sich umfassend informiert. „Manuel und Katharina Förg sind drangeblieben und haben uns eine Perspektive aufgezeigt. Beide haben uns immer wieder unterstützt.“ So entstand schließlich ihre eigene Mikrobrauerei.

Im Vergleich zu gängigen Brauereien, wird in einer Mikrobrauerei, auch Kleinstbrauerei genannt, eine geringere Menge an Bier gebraut. Die Definition wird verwendet, wenn im Jahr insgesamt unter 1.000 Hektoliter produziert werden.

Nachhaltigkeit wird großgeschrieben

Da Christopher und Jerome ihre Brauerei auf einem landwirtschaftlichen Hof aufgebaut haben und dort nachhaltig produzieren können, folgte schnell das Biozertifikat, welches das Rotes Pony Craftbier zum Bio-Craftbier beförderte. „Wir haben bewusst darauf geachtet“, sagt Christopher. „Unsere Rohstoffe beziehen wir unter anderem von LandwirtInnen der Region Augsburg.“ Der Treber, also die Rückstände, die beim Brauen entstehen, werden wiederverwertet: „Einen Teil bekommen die Hühner des Hofes, den anderen Teil bekommt die Augsburger Bäckerei Cumpanum, die aus dem Treber Brot backt“, erklärt er. Im Prinzip sei es wie ein Kreislauf: „Wir beziehen Rohstoffe aus der Landwirtschaft, aber geben gleichzeitig etwas zurück.“

Beim Brauen selbst wird zu 100 Prozent Ökostrom verwendet. „Der nächste Schritt wäre, den Strom von eigenen Photovoltaik-Anlagen zu beziehen“, sagt Christopher. „Damit könnten wir unseren ökologischen Fußabdruck weiter verbessern.“ Die Rotes Pony-Brauerei steht bereits in Kooperation mit der Ökomodellregion Augsburg und realisiert zusammen mit anderen Kleinstbrauereien aus der Region ein Projekt zum regionalen Anbau von Bio-Braugerste. Christopher und Jerome setzen sich als Ziel, ein gesundes Unternehmen mit nachhaltiger Strategie aufzubauen. „Wir wollen uns wirtschaftlich stabil aufstellen, sodass wir irgendwann vielleicht mehr Arbeitsplätze anbieten können, von denen Menschen leben können“, erzählt Christopher. Dazu wollen sie weiter neue und frische Biere herstellen, die geschmacklich überzeugen. „Wir haben in weniger als zwei Jahren fast 20 unterschiedliche Bierstile gebraut und dabei immer wieder Neues ausprobiert“, erklärt er.

Brauen im beruflichen Alltag

„Wir wollen unseren Job nicht aufgeben.“

Mit ihrer eigenen Brauerei haben sich die beiden einen Wunsch erfüllt. Trotzdem sind sie noch bei ihren Arbeitgebern tätig. „Ich arbeite in Teilzeit, Jerome sogar in Vollzeit“, sagt Christopher. „Daher geht für das Brauen viel von unserer Freizeit drauf. Ab und zu müssen auch die Urlaubs- oder Feiertage herhalten.“ Grundsätzlich wünschen sich Christopher und Jerome, mehr Zeit in ihre Brauerei investieren zu können, um so das Unternehmen weiter auszubauen. „Klar ist das Brauen eine große Leidenschaft von uns, aber wir arbeiten eben auch gerne in unseren ursprünglichen Berufen“, meint er.

Für Christopher und Jerome bleibt das Brauen also erst einmal ein Nebenjob. Trotzdem sind sie motiviert, sich und ihr Unternehmen stetig weiterzuentwickeln. „Als junges Unternehmen wollen wir dazu beitragen, dass sich in Augsburg etwas tut“, erklärt Christopher. „Vielleicht leisten wir so ja einen kleinen Beitrag, dass die Stadt lebendig bleibt.“ Stolz sind sie jetzt schon, denn sie stellen ein „leckeres Bier mit einfachen Mitteln“ her, das offenbar hervorragend bei den AugsburgerInnen ankommt. Das Rote Pony Craftbier wird mittlerweile bei mehr als 15 Kooperationsbetrieben in der Region Augsburg angeboten. Die vollständige Liste der Verkaufsorte findet ihr auf ihrer Website. Na dann, Prost!

Wiederverwertung in der Bäckerei Cumpanum

Übrigens: In der Augsburger Bäckerei Cumpanum findet ihr die wiederverwerteten Treber der Mikrobrauerei im hauseigenen Craft-Beer Brot wieder. Das Brot soll einen süßherben Geschmack und einen guten Biss haben. Überzeugt euch selbst.

Logo