Reese Theater Abriss – Abschied von einer Augsburger Kulturstätte

Am 31. Mai wird das Reese Theater im Kulturpark West ein letztes Mal mit Leben gefüllt. Damit verliert nicht nur das STAC Festival sein Zuhause, sondern auch die Stadt eine einzigartigen und wichtigen Kulturstandort.

Reese Theater Abriss – Abschied von einer Augsburger Kulturstätte

„Oida, wie leiwand is die Location, bitte?“ – Mit diesen Worten fasst es eine der österreichischen Bands ziemlich treffend zusammen, die ich letztens im Zuge meines Tiny Changes Festivals ins Reese Theater eingeladen habe. Sie reagieren wie viele der Acts, die die heiligen Hallen einmal bespielen durften: mit Staunen, Vorfreude und auch einem kleinen bisschen Ehrfurcht. Als ich erzähle, dass eben jenes Gebäude, in dem sie gerade stehen, bald geräumt und noch in diesem Jahr abgerissen wird, mischt sich ein bitterer Beigeschmack zu den positiven Emotionen. Doch es ist kein Einzelfall. Denn in vielen deutschen Städten schreitet das Clubsterben munter voran und die Kultur muss Bauvorhaben weichen. So auch im Fall: Kulturpark West in Augsburg.

Die geliebte alte Kantine steht schon seit Monaten leer, bald folgt auch das Reese Theater, am 31. Mai ist die letzte Veranstaltung. Im Herbst wird dann die Abrissbirne geschwungen, denn der Bebauungsplan für die ehemalige Militärbrache Reese-Kaserne sieht Großes vor: einen „Wohnstandort mit zukunftsfähiger städtischer Infrastruktur“. Wer schon mal in Augsburg eine Wohnung gesucht hat, begrüßt natürlich jegliche Maßnahmen für neuen Wohnraum. Auf der anderen Seite müssen wir auch Rücksicht auf unsere geschätzten und für die urbane Kultur essentiellen Einrichtungen nehmen. Schließlich prägen sie das Bild der Stadt.

Es stimmt, dass die Events im Reese Theater immer etwas unter dem Radar stattgefunden haben. Auch in meiner Lebenswelt ist das von außen unscheinbare und von viel buntem Graffiti verzierte Gebäude erst vor ein paar Jahren aufgetaucht. Das heißt aber noch lange nicht, dass die Veranstaltungen – allen voran das STAC Festival – uninteressant oder nur für Nischen-Interessen taugen. Ganz im Gegenteil: Mit dem Reese Theater existiert ein wichtiger Pfeiler der Augsburger Kulturszene, der vielleicht sogar mehr für den regionalen Künstlernachwuchs getan hat, als alle anderen hiesigen Institutionen.

Das STAC Festival ist ein Segen für die Stadt. Hier bekommen jährlich mehr als 3500 regionale Talente aus den Bereichen wie Musik, Tanz, Artistik oder auch Zauberei nicht nur eine eine Bühne, sondern auch die Chance, das erste Mal vor einem großem und sehr vielfältigen Publikum zu stehen. Für wenig Geld und vollkommen unabhängig vom Alter oder der sozialen Herkunft erleben sie Kultur live und können diese aktiv mitgestalten. Apropos Mitgestalten: Ohne die vielen ehrenamtlichen und engagierten Helfer der Crew wäre das alles nicht möglich.

Dass das STAC Festival auch weiterhin bestehen wird, ist der einzige Lichtblick für die Veranstalter. Doch die Angst besteht, dass sie solche Freiheiten wie im Reese Theater nicht mehr bekommen werden. In weiser Voraussicht gründet Thomas vor zwei Jahren die STAC Festival gGmbH, die als gemeinnützige GmbH den Fortbestand des Festivals sichern soll. Seit Februar 2019 beschäftigt er auch seine erste Angestellte Carina, die ihn und das STAC davor schon jahrelang ehrenamtlich unterstützt hat. „Zusammen mit ihr schaue ich positiv in die Zukunft“, so der Kopf und Geschäftsführer. Gemeinsam sind die beiden schon fleißig auf der Suche nach einer neuen Heimat für das Augsburger Festival. „Wir wollen das Konzept STAC Festival auf jeden Fall weiter ausbauen und es weiter wachsen lassen und vor allem weiterentwickeln. Da das STAC Festival für uns ein Konzept ist, das von seiner ständigen kreativen Entwicklung lebt.“

Es wird also ein Abschied mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Ein Kapitel dieser Ära voller Ambitionen, Inspirationen und Emotionen ist zwar leider zu Ende, aber es geht auf jeden Fall weiter. Wie, Wo und Wann wird die Zukunft zeigen.

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