Recycling Atelier: Nachhaltige Modellfabrik als Weltpremiere

Die Textilindustrie hat in Augsburg eine große Tradition. Nun wird, Jahrzehnte nach der Schließung vieler Firmen, wieder ein Stück Geschichte geschrieben.

Recycling Atelier: Nachhaltige Modellfabrik als Weltpremiere

Fast Fashion: schnelllebige Trends, billige Ware. Die beschleunigte Modeindustrie hat massive ökologische und soziale Auswirkungen. Vor allem der leichtfertige Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser stellt ein immer größeres Problem dar. VerbraucherInnen können zwar zum Schutz der Umwelt beitragen, doch nur ein Prozent der Textilien wird aktuell im weltweiten Stoffkreislauf recycelt.

Diesem Trend möchten die Hochschule Augsburg und das Institut für Textiltechnik Augsburg (ITA) entgegen wirken – mit dem Recycling Atelier, das an diesem Montag eröffnet wurde. Dabei handelt es sich um die weltweit erste Modellfabrik für einen nachhaltigen Stoffkreislauf in der Textilproduktion. WissenschaftlerInnen des ITA und der Hochschule forschen hierfür an allen Prozessschritten des Textilrecyclings. Begleitet wird die Entwicklung hin zu einem ganzheitlichen Recycling von PartnerInnen aus der Industrie.

„Das Recycling Atelier bietet uns die Möglichkeit, mit unseren WissenschaftlerInnen an einem hoch aktuellen Thema unserer Zeit zu forschen – der Wertschöpfungskette im Textilbereich“, so Nadine Warkotsch, Präsidentin für Forschung und Nachhaltigkeit an der Hochschule Augsburg.

Ein „gutes Projekt für Augsburg“

Zahlreiche hochrangige Gäste aus Politik und Gesellschaft nahmen an der Eröffnung der Modellfabrik im Sigma Technopark teil. Unter ihnen war auch Oberbürgermeisterin Eva Weber, die in ihrem Grußwort von einem „guten Projekt für Augsburg“ spricht und den „ganz, ganz großen Beitrag zur Nachhaltigkeit in der Textilbranche“ würdigt.

„Bis zum Jahr 2025 fordert die EU-Textil-Agenda einen nachhaltigen Umgang mit Textilien – aber die Branche ist weit davon entfernt“, betont Stefan Schlichter, Professor an der Fakultät für Maschinenbau und Verfahrenstechnik der Hochschule Augsburg und Leiter des ITA Augsburg. Das Recycling Atelier setze daher auf einen Dreiklang von technischer und ökologischer Sinnhaftigkeit sowie ökonomischem Nutzen.

„Wir möchten unsere Branche nachhaltiger machen“

„Wenn diese Balance wiederhergestellt wird, dann ist mit einer Belebung der regionalen und nationalen textilen Wertschöpfungskette durch ein neues Textilrecycling zu rechnen. Das ist eine große Chance für die hiesige Textilbranche“, so Schlichter. Mit Ellen Dinges-Dierig, Vorständin der Dierig Holding AG, war auch eine Vertreterin aus der lokalen Textilindustrie vor Ort. „Wir möchten unsere Branche nachhaltiger machen“, bekräftigt Dinges-Dierig, die von Anfang an vom Recycling Atelier begeistert war.

Auch die Bereiche Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) sind bei jedem Prozessschritt von großer Bedeutung. Neben einer hochwertigen und modernen Erfassung und Auswertung von Daten wird auch der Einsatz von KI erforscht, die unter anderem zur Sortierung der zu recycelnden Stoffe genutzt werden könnte. „Deshalb trägt das Recycling Atelier maßgeblich zur Innovation dieses wichtigen Industriezweigs bei“, sagt Stefan Schlichter.

Das Recycling Atelier ist ein Beitrag der Hochschule Augsburg und des ITA Augsburg zum KI-Produktionsnetzwerk Augsburg. Das KI-Produktionsnetzwerk Augsburg ist ein Verbund von zahlreichen KI-Kompetenzträgern im Großraum Augsburg, der vom Freistaat Bayern gefördert wird.

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