Rassismus beim Friedberger Faschingsumzug? Ein Statement.

Der Friedberger Faschingsumzug sorgte für große Diskussionen. Ein Wagen spielte mit AfD-Parolen und erhitzte so die Gemüter. Reiner Zufall oder pure Absicht? Ich habe direkt beim Verantwortlichen nachgefragt.

Rassismus beim Friedberger Faschingsumzug? Ein Statement.

Wir bei „Hallo Augsburg“ stehen für ein buntes und tolerantes Augsburg. Als uns die Schlagzeilen vom Friedberger Faschingsumzug erreichten, staunten wir nicht schlecht. Der Weidorfer Stammtisch widmete seinen Wagen dem Thema „Wilder Westen“. Klingt erstmal nach einem ganz normalen Motto. Doch leider setzten sie ihren Fokus ausgerechnet auf das derzeit hitzige Thema der Einwanderung. In Großformat prangerte auf dem Gefährt also der Slogan „Die Indianer konnten nichts gegen die Einwanderung tun. Heute leben sie in Reservaten“. Alles nur ein doofer Zufall oder eiskalte Propaganda? Ich wollte es genau wissen und bat den Vorsitzenden des Weidorfer Stammtisches kurzerhand zum Telefon-Interview.

Verständnislos beteuerte er seine Unschuld. Die Stadt Friedberg und die Organisatoren hätten den Wagen ohne Widerrede in mehreren Prüfungsstufen akzeptiert. Nachdem ich ihn damit konfrontierte, dass der Slogan in der Vergangenheit auch von der NPD und der AfD verwendet wurde, zeigte er sich ahnungslos. Angeblich wüsste er davon erst in Folge der nun entfachten Diskussion. Generell behauptet er, dass es dem Weidorfer Stammtisch, um das Thema „Wilder Westen“ ging und die Einwanderung als ein beliebiges historisches Ereignis ausgewählt wurde. Einen Bezug zur heutigen politischen Lage wollten sie in keinster Weise herstellen.

Natürlich konnte ich mir nach dem Telefonat selbst eine Meinung bilden. Was soll ich also sagen, außer dass ich den Worten des Vorsitzenden in keinster Weise Glauben schenken kann. Wer sich als Faschingsmotto für den „Wilden Westen“ entscheidet, denkt vielleicht an Winnetou, Revolverhelden, Sheriffs oder Billy the Kid. Wer hingegen ein historisches Ereignis, wie die Einwanderung der Europäer und die damit verbundene Unterdrückung der Indianer herauspickt, der verfolgt damit ein Ziel. Ein politisches Ziel, das über die reine Unterhaltung hinausgeht. Unsere Gesellschaft scheint gespalten, wie lange nicht mehr. Wer bei diesem politischen Klima beteuert, einen derartigen Faschingswagen ohne Bezug zu gegenwärtigen Gegebenheiten gestaltet zu haben, macht sich in meinen Augen lächerlich.

Nehmen wir also mal an, ich habe mit meiner Mutmaßung Recht und die damalige Einwanderung, die die Indianer erlebten, wird vom Weidorfer Stammtisch mit der heutigen Einwanderung von Asylanten in Europa gleichgesetzt. Dann sollten wir uns das Ausmaß dieser Verbildlichung bewusst machen. Die Indianer wurden damals von den einreisenden Europäern unterworfen, verdrängt und in Massen ermordet. Möchte uns der Stammtisch ernsthaft erklären, dass uns das gleiche Schicksal droht? Ein Vergleich, der an Geschmacklosigkeit kaum zu übertreffen ist.

Wie das Ganze nun bewertet wird, muss jeder für sich entscheiden. Mich macht es schlichtweg traurig, welch großen Platz rechtes Gedankengut in unserer Gesellschaft einnimmt und zum Schluss sage ich es gerne nochmals in aller Deutlichkeit: Für mich ist der Faschingswagen des Weidorfer Stammtisches nichts anderes als ein Paradebeispiel für Rechtspopulismus.

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