Schnitzeljagd auf zwei Rädern: Radfahrer Linus Pohl im Interview

Alleycat – eine Schnitzeljagd mit dem Fahrrad. Wer wird gewinnen? Wer kann die Rätsel am schnellsten lösen? Der Augsburger Linus Pohl aus dem Organisationsteam hier bei uns im Interview.

Schnitzeljagd auf zwei Rädern: Radfahrer Linus Pohl im Interview

Im Rahmen der vierten Augsburger Radlwoche findet am Samstag, den 17. September, ein “Alleycat” statt. Vom Prinzip her ist das wie eine Schnitzeljagd, nur eben auf dem Fahrrad. Um 13 Uhr ist die Anmeldung auf dem Königsplatz und um 14 Uhr startet das Rennen. Aufgepasst: der Sieger wird auch einen Preis bekommen! Linus Pohl hat das Alleycat zusammen mit einigen Freunden organisiert. Im Interview verrät er uns schon einiges darüber und spricht über seinen Weg zum Fahrradliebhaber.

Hallo Augsburg: Du selbst bist ein großer Fahrrad–Fanatiker. Wie hast du deine Liebe zum Radeln entwickelt?

Linus: Früher war das Radfahren für mich nur ein Mittel zum Zweck, um von A nach B zu kommen. Erst durch einen Unfall, bei dem mein altes Fahrrad kaputt gegangen ist, habe ich angefangen das Radfahren unter einem neuen Aspekt zu betrachten. Ich begann mir ein Fahrrad nach meinen Vorstellungen zusammenzustellen. Die Einzelteile dafür, wie Rahmen, Lenker und Räder, habe ich individuell ausgesucht und selbst zusammengebaut. Das hat mir schon sehr viel Spaß gemacht und auch das Fahrgefühl darauf, war etwas ganz anderes.

Doch einen wichtigen Meilenstein sollte dann der Laden „Mad-Motion“ setzen. Mein erstes Fahrrad hatte ich allein und ohne besondere Kenntnisse aufgebaut. Dementsprechend gab es noch viel Luft nach oben. Der Besitzer des Ladens hat sich sehr viel Zeit genommen und mir gezeigt, wie ich noch vieles daran verbessern und neue Parts dazu bauen kann.

Hallo Augsburg: Laufen, schwimmen, boxen, … - es gibt zahlreiche Sportarten, doch du hast dich für das Radeln entschieden. Wo liegen deiner Meinung nach die Vorteile?

„Ich finde es faszinierend, dass man mit seiner eigenen Muskelkraft und der Maschine Fahrrad so weite Strecken zurücklegen kann.“

Linus: Ich denke der Grund, weshalb ich mich so sehr für das Fahrradfahren begeistern kann, ist die Faszination daran, wie weit man mit seiner eigenen Muskelkraft kommt. Dafür muss man kein Leistungssportler sein, im Gegenteil. Schon nach kurzer Zeit des Trainings ist es möglich weite Strecken zurückzulegen und so viel von der Welt zu sehen.

Hallo Augsburg: Es gibt viele verschiedene Fahrradtypen. Wie viele stehen denn in deiner Garage und welches davon ist dein Liebstes?

Linus: Ich habe zwei Fixies, also Track Bikes, ein Gravel Bike und ein Bahnhofsfahrrad, was nicht so teuer war. Am liebsten fahre ich meine zwei Fixies. Diese muss man sich wie ein Rennrad vorstellen, nur ohne Gangschaltung, Freilauf und Bremsen. Mit nur einem Gang und ganz ohne Bremsen, muss man während einer Tour die ganze Zeit mittreten. Dadurch entwickelt man ein ganz anderes Gefühl zum Fahrrad.

Hallo Augsburg: Augsburg als Fahrradstadt: Wie sieht es deiner Meinung nach damit aus? Was würdest du dir in dieser Hinsicht von der Stadt und vielleicht auch von den Mitmenschen wünschen?

„Es gibt viel Nachholbedarf, um sich als Fahrradstraße bezeichnen zu können.“

Linus: Ich möchte mit etwas Positivem starten: Ich finde die grobe Richtung der Stadt stimmt schon und es hat sich in den letzten Jahren auch vieles geändert, obwohl noch viel getan werden muss. Oft ist auch der Wille da, doch an der Umsetzung hapert es oder es ist nicht gut genug durchdacht. Das war zum Beispiel bei der Umwandlung der Konrad-Adenauer-Allee in eine Fahrradstraße der Fall. Die Idee war gut, doch durch die Entfernung des Fahrradstreifens auf der Straße fehlt den Autofahrern jetzt oft das Gefühl für den richtigen Abstand zu den Radlern. Einen weiteren Brennpunkt sehe ich in der Pferseer Unterführung am Hauptbahnhof. Hier sollte auf jeden Fall schnellstmöglich etwas getan werden.

Von den Mitmenschen würde ich mir ein aufmerksameres und rücksichtsvolleres Fahren wünschen. Unabhängig, ob auf dem Fahrrad, E-Bike oder im Auto, habe ich das Gefühl, die Menschen missachten zunehmend die Regeln des Straßenverkehrs, der Augenkontakt wird zur Rarität und das rücksichtsvolle Miteinander bleibt mehr und mehr aus.

Hallo Augsburg: Oft möchte man Fahrrad fahren und ist dann doch zu faul. Was sind deine Tipps, um den inneren Schweinehund zu überwinden und sich selbst mehr zum Fahrradfahren zu begeistern?

Linus: Es ist wichtig, sich auch an den kleinen Dingen zu erfreuen. Durch das Radeln tut man sich selbst etwas Gutes: man hat Zeit für sich, etwas Bewegung und ist an der frischen Luft. Ich selbst genieße dabei auch immer das Gefühl der Unabhängigkeit, denn mit dem Fahrrad bin ich nicht an die festen Zeiten der öffentlichen Verkehrsmittel gebunden, sondern kann kommen und gehen, wie es mir beliebt. Außerdem zeigt es mir, dass ich es auch selbst schaffe von A nach B zu kommen, ohne dabei auf andere angewiesen zu sein.

Möchte man selbst mehr Fahrrad fahren ist es zudem unerlässlich, sich ein gutes Fahrrad zu kaufen. Hier sollte man nicht an der falschen Stelle sparen und auch nach dem Kauf muss man sich noch gut darum kümmern, denn mit platten Reifen und ungeölter Kette hat das Fahren noch keinem Spaß gemacht.

Hallo Augsburg: Was erhoffst du dir von der Radlwoche in Augsburg?

Linus: Vor Corona habe ich auch schon an den Radlwochen teilgenommen. Das hat immer viel Spaß gemacht und ich konnte viele neue Leute kennenlernen, die die Leidenschaft für das Radeln mit mir teilten. Ich denke genau das wünsche ich mir für dieses Jahr wieder. Einfach eine gute Zeit zu haben, coole Menschen zu treffen und natürlich eine gute Fahrt zu haben.

Hallo Augsburg: Doch nun zu eurem Projekt: Eine Schnitzeljagd auf dem Fahrrad, wie darf man sich das vorstellen?

Linus: Das Alleycat, also die Schnitzeljagd, startet am Königsplatz. Dort erhält man ein Manifest auf dem verschiedenen Checkpoint vermerkt sind, die man abfahren muss. An den jeweiligen Stationen warten dann Aufgaben auf euch, die ihr lösen müsst. Diejenigen, die das alles am schnellsten schaffen und als erstes im Ziel ankommen, haben gewonnen.

Hallo Augsburg: Braucht man für die einzelnen Stationen spezielle Kenntnisse?

Linus: Nein. Es sind kleine Aufgaben und Rätsel. Die jedoch für jeden gut lösbar sind. Besondere Fahrradkenntnisse braucht man dafür nicht.

Hallo Augsburg: Ist es egal mit was für einem Fahrrad man teilnimmt? Und wäre es mit einem E-Bike nicht schummeln?

Linus: Mit was für einem Fahrrad man teilnimmt, ist egal. Die Strecke kann man auf jeden Fall mit jedem Fahrrad gut schaffen. Mit einem E-Bike teilzunehmen ist zwar erlaubt, wäre aber trotzdem ein bisschen schummeln. Natürlich muss man hier auch den Einzelfall betrachten. Bei älteren Leuten oder Menschen mit Handicap ist das natürlich etwas anderes, als wenn jemand jung, gesund und fit ist. Doch besser als ein Auto ist es in jedem Fall.

Hallo Augsburg: Kann man auch als Gruppe oder Familie teilnehmen?

Linus: Das ist gar kein Problem. Ob in einer Gruppe, als Familie oder alleine ist ganz egal, man muss sich nur vorher anmelden.

Hallo Augsburg: Und zum Abschluss: Was sind deine drei Lieblingsradziele in Augsburg?

Linus: Das ist gar nicht so leicht. Augsburg ist auf jeden Fall der Playground und wenn man Radeln geht, ist man überall mal unterwegs. Aber wenn ich drei Ziele raussuchen müsste, würde ich zum einen auf jeden Fall die Schießplatzheide im Siebentischwald auswählen. Außerdem fahre ich sehr gerne nach Siebenbrunn hinaus, denn die Strecke durch den Wald ist wirklich sehr schön. Um noch ein Ziel außerhalb des Siebentischwaldes zu nennen, nehme ich noch den Sheridan Park dazu. Der ist auf jeden Fall auch immer einen Besuch wert.

Zusammen mit seinen Freunden hat Linus Pohl eine Instagram-Seite mit dem Namen „@fuck.flat.tires”. Wer noch mehr über das Alleycat erfahren möchte oder coole Fahrrad-Action-Bilder sehen will, der sollte auf jeden Fallvorbeischauen!

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