Was beschäftigt die queere Community in Augsburg?

Am Montag, den 17. Mai, ist internationaler Tag gegen Homophobie und Transphobie. Wir haben zu diesem Anlass nachgefragt: Was sind Themen, die die queere Community in Augsburg beschäftigen?

Was beschäftigt die queere Community in Augsburg?

Neben „Queer Augsburg“ ist „Queerosaurus“ als queere Abteilung des Augsburger Vereins Stadtraum e.V. eine der präsentesten queeren Gruppen Augsburgs. Wie der aktuelle Konflikt innerhalb der katholischen Kirche um die Segnung homosexueller Paare hier wohl gesehen wird? Und was machen die QueerosaurierInnen überhaupt? Wir haben nachgefragt.

Die vier Queerosaurierinnen Liz (22), Caro (27), Jana (27) und Yasmin (23) haben und Rede und Antwort gestanden.

Warum gibt es Queerosaurus und für was setzt ihr euch ein?

„Die Abteilung Queerosaurus des Stadtraum e.V. fußt auf den Säulen Bildung, Kultur und Community“, erklärt Caro. Queerosaurus wolle ein partizipatives Angebot in Augsburg schaffen, heißt, es geht viel um Austausch innerhalb der queeren Community und den Allies (das sind die UnterstützerInnen der Community), um kostenfreie Veranstaltungen, Kultur- und Bildungsarbeit. Queerosaurus wolle außerdem die Sichtbarkeit von queeren Personen in Augsburg fördern und ihre Belange öffentlich thematisieren, wie Liz hinzufügt.

Queer? Der Begriff „queer“ umfasst alle sexuellen Orientierungen, die nicht der heterosexuellen Norm entsprechen.

Mit welchem Thema beschäftigt ihr euch aktuell?

Aktuell werden Veranstaltungen, wie die CSD-Parade oder ein Krimi-Dinner mit queerem Bezug geplant, erzählt Liz. Ein anderes großes Thema der Gruppe seien queere MuslimInnen sowie „BiPOCs“ (Black Indigenous People of Color): „Sie sind in unserem Augsburger Stadtgeschehen kaum sichtbar, beziehungsweise gibt es derzeit keine Angebote für sie“, meint Caro. Um das zu ändern, sei, gemeinsam mit „Queer Augsburg“, eine Online-Veranstaltung am 3. Juni in Planung.

Wie bewertet ihr die Offenheit gegenüber queeren Menschen in Augsburg?

„Es ist definitiv noch Luft nach oben“, findet Caro. Zwar wachse das Angebot für queere Menschen, doch es fehle an Anlaufstellen wie queeren Bars oder Cafés. In ihrer eigenen „Bubble“ sei die Offenheit natürlich sehr groß, erzählen die Queerosaurierinnen. „Ich wünsche mir, dass die AugsburgerInnen mehr für queere Themen sensibilisiert werden und es überhaupt ein Thema ist, über das gesprochen wird, fügt Caro hinzu.

„Ich bin immer wieder tief schockiert, wenn einzelne negative oder ablehnende Aussagen getroffen werden, weil ich manchmal vergesse, dass Homophobie und Ähnliches existiert.“ - Liz, 22, bisexuell

Auch Jana findet, dass gerade im öffentlichen Raum noch mehr in Richtung Aufklärung und gemeinsamen Diskussionen passieren könnte.

Was haltet ihr von dem Konflikt innerhalb der katholischen Kirche, was die Segnung homosexueller Paare angeht?

„Von AnhängerInnen von Religionsgemeinschaften hört man, wenn es um LGBTIQ* geht ganz oft 'Ja, aber…' und whataboutism – damit muss endlich Schluss sein.“ - Caro, 27, queer

„Ich finde es schön zu sehen, dass es doch einige katholische Geistliche gibt, die sich klar gegen das Statement des Papstes positionieren und es für kontrovers halten, einen Personenaufzug segnen zu dürfen, nicht aber ein Paar, das sich liebt“, erzählt Caro. Sie selbst sehe den Glauben ohnehin unabhängig von der Institution Kirche. „Warum soll ein Mensch nicht seinen Glauben und seine Liebe haben dürfen? Es ist schließlich nicht an den Menschen, das Leben der anderen als richtig oder falsch zu beurteilen – da wird sich Gott schon selbst drum kümmern.“

Auch Liz freue sich über das Zeichen, das einige katholische Gemeinden gesetzt haben, doch sie kann auch den Konflikt zwischen konservativen und modernen Werten verstehen. Die Religionsgemeinschaften müssen in Zukunft vereint für klare Werte stehen: Dafür, dass „Liebe einfach gleich Liebe ist“.

„Liebe ist für alle da, auch für die LGBTIQ*- Personen, die ihren Glauben ausleben möchten!“ -Jana, 27, Straigt-Ally

Was haltet ihr von Riccardo Simonetti als EU-Sonderbotschafter für die queere Community?

„In der EU ist die queere Community noch immer nicht gleichberechtigt – daher sollten die Personen, die für diese Position in Betracht gezogen werden, diejenigen sein, die von Diskriminierung am meisten betroffen sind.“ -Yasmin, 23, queer

Seit Februar ist ein bekannter schwuler Blogger, Moderator, Entertainer und Influencer EU-Sonderbotschafter für die LGBTI-Community: Riccardo Simonetti. Er soll die Öffentlichkeitsarbeit des Europaparlaments und deren Einsatz für die LGBTQ*-Rechte unterstützen. Die Queerosaurierinnen sehen ihn nicht ganz unkritisch. „Ich persönlich finde ihn unpassend, da er als privilegierter Mensch in einer überdurchschnittlich sicheren Bubble lebt“, findet Yasmin. So hatte er sich ohne Beeinträchtigung von Außen entfalten können. Als NachfolgerIn wünsche sie sich eine Person, die mehr mit der Community vergleichbar ist und von Diskriminierung weniger geschützt war. „Dennoch ist Riccardo Simonetti eine historisch wertvolle Wahl – mit ihm wurde ein großer Schritt in die Zukunft und gegen toxische Männlichkeit sowie Queerfeindlichkeit gewagt“, fügt sie hinzu.

Auch Caro sieht einen großen Gewinn in Riccardo Simonetti als EU-Sonderbotschafter. „Er gilt in der queeren Community für viele junge Menschen als Vorbild“, weiß sie. Besonders schätze sie, dass er Menschen mit politischen Themen in Berührung bringe: „Politische Bildung wird in den sozialen Medien immer wichtiger.“ Jana ist schon lange Fan von Riccardo: „Er zeigt auf seinem Instagram-Channel, das Entertainment und aufklärende Arbeit im LGBTIQ*-Bereich durchaus zusammen funktionieren“, erzählt sie. Allerdings sei sie gespannt darauf, wie ernst er sein Amt wirklich nehmen wird und ob er konstruktive Veränderungen bewirken kann.

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