Keine Quarantäne-Pflicht mehr ab 1. Mai: Richtig oder verfrüht?

Die Bundesregierung will ab dem 1. Mai auf Freiwilligkeit setzen. Corona-Infizierte müssen dann nicht mehr zwingend in Isolation.

Keine Quarantäne-Pflicht mehr ab 1. Mai: Richtig oder verfrüht?

[Achtung: Die Regelung wurde am Mittwoch, den 6. April, wieder gekippt]

Am Montag, den 4. April, einigten sich Bund und Länder auf eine Neuregelung für Infizierte. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hält die jetzige Regelung, nach der positiv Getestete in Quarantäne müssen, für funktionsfähig aber nicht dauerhaft notwendig, wie der Südwestrundfunk berichtet.

Für wen entfällt die Quarantänepflicht?

Ab Sonntag, den 1. Mai, müssen sowohl Kontaktpersonen von Infizierten als auch positiv getestete Personen mit oder ohne Symptome, nicht mehr in Quarantäne. Allerdings bestehe für Infizierte weiterhin die „dringende Empfehlung“ dies dennoch zu tun. Fünf Tage Isolation sind empfohlen.

Wer es jedoch nicht tut, kann dafür nicht belangt werden - eine Anordnung vom Gesundheitsamt wird es nicht mehr geben.

Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern müssen weiterhin verpflichtend in Isolation, wenn sie positiv getestet sind. Sie dürfen die Quarantäne erst wieder nach fünf Tagen und einem negativen Schnell- oder PCR-Test verlassen.

Robert-Koch-Institut hat Neuregelung vorgeschlagen

Anstoß für den Umstoß der bisherigen Quarantäneregelungen gab, nach Berichten der Tagesschau, ein Vorschlag des Robert-Koch-Instituts (RKI). Vor dem Hintergrund Personalausfälle zu minimieren, schlug das Institut vor, die Isolation von Infizierten auf fünf Tage zu reduzieren und keine strenge Isolierung mehr vorzugeben.

Vorsichtiger Optimismus

Angesichts der rückläufigen Infektionszahlen stimmt Lauterbach optimistisch „Der Wendepunkt scheint erreicht zu sein“, sagt er der Tagesschau nach. Für Entwarnung sei die Zeit jedoch noch nicht gekommen.

Nun ist es an den einzelnen Ländern die Neuregelungen umzusetzen.

Kritik an der freiwilligen Isolation

Die Neuregelung stößt nicht überall auf Beifall. Egen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, beispielsweise, hält den Wegfall der Isolationspflicht für verfrüht, wie er gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) äußert. Für Hochrisikogruppen werde es immer gefährlicher“, sagt er. Corona werde verharmlost.

Der Epidemiologe Hajo Zeeb ist ähnlicher Meinung. Wer Symptome habe, solle zu Hause bleiben, anstatt noch mehr Menschen anzustecken, sagte er gegenüber dem RND. Lediglich für Kontaktpersonen von Infizierten, hält er den Wegfall der Quarantänepflicht für vertretbar.

Was sagt euer Bauchgefühl? Ist es zu früh, um die Entscheidung über Quarantäne oder nicht in die Eigenverantwortung der Menschen zu geben? Schreibt uns gerne.

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