Proteinbasierte und Totimpfstoffe gegen Corona: Eine Alternative?

Um die Impfbereitschaft zu steigern, wird nun auf neue Impfstoffe gegen Corona gesetzt, darunter proteinbasierte und Totimpfstoffe. Wir erklären, was es damit auf sich hat und welche Vor- und Nachteile es gibt.

Proteinbasierte und Totimpfstoffe gegen Corona: Eine Alternative?

Seit diesem Sommer können sich alle Deutschen gegen Covid-19 impfen lassen. Da der prozentuale Anteil der vollständig Geimpften nur langsam voranschreitet, wird nun auf neue Impfstoffe wie Totimpfstoffe und proteinbasierte Varianten gesetzt. So soll die allgemeine Impfbereitschaft im Land steigen.

Was ist ein proteinbasierter Impfstoff?

Anders als die mRNA-Impfstoffe und die Vektorimpfstoffe, die Erbinformation enthalten, damit der Körper die Spike-Proteine des Virus nachbilden kann, enthalten die proteinbasierten Varianten bereits das Protein. Somit wird der Schritt der eigenen Herstellung im Körper übersprungen. Gleich bleibt, dass bei allen Varianten das Abwehrsystem auf ein Eindringen des echten Corona-Virus vorbereitet wird. Für Impfungen gegen die Grippe wird diese Technologie schon lange verwendet. Impfstoffexperte Dr. Torben Schiffner von der Uni Leipzig sagt: „Vielleicht beruhigt das auch Menschen, die bisher skeptisch waren und bei den neuartigen Impfstoffen Sorgen hatten.“

Was ist ein Totimpfstoff?

Proteinbasierte Impfstoffe sind eine Unterkategorie von Totimpfstoffen. Diese enthalten statt der einzelnen Bau- und Bestandteile abgetötete, inaktive Krankheitserreger, die sich nicht vermehren können. Trotzdem wird durch Totimpfstoffe das Immunsystem aktiviert, da der Körper die Erreger als fremd erkennt. So wird das Abwehrsystem angeregt. Es werden Antikörper produziert, die im Falle einer Infektion das Virus abwehren sollen. Diese Art von Impfstoffen wird ebenfalls schon seit einigen Jahren verwendet, beispielsweise gegen Hepatitis, Kinderlähmung, Keuchhusten und Tetanus. Nun sollen Totimpfstoffe gegen das Corona-Virus auf den Markt kommen.

Vor- und Nachteile der alternativen Impfstoffe

Ein Argument der ImpfskeptikerInnen und -gegnerInnen ist, dass bislang verwendete Corona-Impfstoffe noch nicht genügend erforscht wurden. Laut ihnen sei die Wirksamkeit der Impfstoffe nicht ausreichend nachgewiesen, da sie zu schnell zugelassen wurden. Stattdessen hatte der Staat mehr Geld als sonst in die Forschung investiert, damit die Zulassung zügig erfolgen konnte. Bei den Totimpfstoffen und den proteinbasierten Varianten wäre das Argument nichtig, da diese Art von Impfstoffen schon länger erforscht und verwendet wurden. Durch den bereits etablierten Herstellungsprozess wäre die Lieferung zudem günstig und unkompliziert.

Ein Nachteil ist die eigentliche Entwicklung, vor allem bei proteinbasierten Impfstoffen. Wenn der Impfstoff an die neuen Corona-Varianten angepasst werden muss, könnte das zum Problem werden. Dafür sind wiederum mRNA- und Vektorimpfstoffe geeigneter, da sie leichter an die Mutationen angepasst werden können. Dennoch: Alle Impfstoffvarianten sind gleich „gesund“. Es treten weder mehr noch weniger Nebenwirkungen auf. Langzeitfolgen gibt es bei keinem Impfstoff. Carsten Watzl von der Deutschen Gesellschaft für Immunologie sagt: „Das gibt es nicht, hat es noch nie gegeben und wird auch bei der Covid-19-Impfung nicht auftreten.“

Zulassung noch in diesem Jahr

Bisher gibt es die alternativen Varianten von drei Anbietern: Valneva als Totimpfstoff, Novavax und Vidprevtyn als proteinbasierte Impfstoffe. Novavax, auch „NVX-CoV2373“, soll tatsächlich kurz vor der Zulassung stehen. Schon seit Februar dieses Jahres prüft die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA (European Medicines Agency) den Impfstoff. Voraussichtlich wird er noch diesen Dezember zugelassen werden. Der Liefervertrag wurde bereits geschlossen. Auch in Kanada, Australien und Großbritannien liegen Zulassungsanträge vor. In Indonesien wird Novavax schon gespritzt. Bei den Impfstoffen Vidprevtyn und Valneva könnte es noch länger dauern.

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