Grapschen im Bierzelt - Sexuelle Belästigung auf dem Plärrer

Am Wochenende ging der Plärrer in die nächste Runde: Super Stimmung im Bierzelt, Alkohol in Strömen und irgendjemand fasst euch zum gefühlt tausendsten Mal an die Brüste - Ist das schon sexuelle Belästigung? Oder ist das noch okay?

Grapschen im Bierzelt - Sexuelle Belästigung auf dem Plärrer

Ich finde es richtig schlimm, dass es als Frau im Bierzelt fast schon selbstverständlich dazugehört, dass man von der betrunkenen und laut grölenden Masse um sich herum begrapscht wird. Dieses Hinnehmen einer Sache, die ganz und gar nicht okay ist, macht mich wahnsinnig wütend! Vor allem, da es immer noch nötig zu sein scheint, dass wir darüber sprechen! Also: Ja! Grapschen im Bierzelt ist sexuelle Belästigung!

Mein Dirndl hat euch nie gesagt: „Fasst mich an!“

Mein Dirndl ist Tracht. Es zeigt mich als bayrisches Madl, weil ich hier aufgewachsen bin und unsere Kultur l(i)ebe. Aber es ist samt meiner Brüste kein Freifahrtschein, der euch sagt: „Fasst mich an!“. Ich wurde bei meinen Besuchen auf Oster- und Herbstplärrer schon so oft unangenehm von der Seite angesprochen - zweideutige Witze und sexuelle Andeutungen sind nur ein Teil davon -, wurde „zufällig“ oder absichtlich berührt. Dieses ganze Programm eben. Aber zum Glück war ich nie allein, meine Freunde waren immer sofort da, um Schlimmeres zu verhindern. Inzwischen habe ich auch kein Problem mehr damit, jemandem einen ordentlichen Tritt in seine E*** zu verpassen, wenn er mir zu nahe kommt. Aber das war nicht immer so und ich weiß, dass viele da draußen immer noch nicht so weit sind!

Schluss mit den Ausreden!

Ich erlebe es leider selbst immer wieder, dass Frauen, die angefasst werden, das einfach mit einer genervt bis lockeren Geste abtun. „Der ist halt betrunken!“, sagen sie. „Ach, mein Ausschnitt ist eben echt tief heute.“ Schulterzucken und ein Blick zur Seite, weil sie nicht so recht wissen, wie sie reagieren sollen. Ein gekünsteltes Lachen. „Ist doch nicht so schlimm!“ Ausreden über Ausreden, denke ich mir. Denn niemand hat das Recht, euch einfach anzufassen. Niemand von euch muss sich Ausreden für jemanden überlegen, der nicht weiß bzw. wissen will, wo die Grenze zu sexuellen Belästigung verläuft.

Sexuelle Belästigung - Wo ist die Grenze?

Oft verhalten sich Betroffene so verunsichert, weil sie es nicht besser wissen. Da ist immer dieser Gedanke da, dass man ja nicht übertreiben und einen Aufstand machen möchte. Schließlich sei ja nichts passiert. Aber: Geht man nach dem Antidiskriminierungsgesetz, ist der Fall jedoch eindeutig: Alle unerwünschten Annäherungen sexueller Natur fallen unter sexuelle Belästigung:

  • Fast schon zu naheliegend, aber immer wieder heiß diskutiert: Wer euch durchwegs in den Ausschnitt starrt, belästigt euch!

  • Jemand, der keine Gelegenheit auslässt euch zu berühren, belästigt euch. Scheinbar zufällig liegt eine Hand an eurer Hüfte, rutscht unter das Kleid. Das ist Belästigung!

  • Jemand fordert euch zu Sex auf, ignoriert euer Nein und macht weiter. Das ist Belästigung.

Wie reagiere ich am besten, wenn ich mich bedrängt fühle?

Auch ich selbst habe lange Zeit gebraucht, um mir dieser Sachen bewusst zu werden. Vor allem in der Pubertät, wenn der Körper sich sowieso noch verändert, ist die Verunsicherung besonders groß. Schnell wird man dazu verleitet, die Schuld bei sich selbst zu suchen. Aber ich sehe es überhaupt nicht ein, mein Dirndl zurück in den Schrank zu hängen, nur weil manche Menschen nicht wissen, wie sie sich zu benehmen haben. Das ist in diesem Fall meine Art der Selbstbestimmung!

Die perfekte Lösung gibt es leider nicht! Ich persönlich ignoriere zuerst einmal die dummen Sprüche jeglicher Art, weil man leider nie wissen kann, wie betrunken das Gegenüber tatsächlich ist. Wenn es dann doch zu aufdringlich wird oder ich ungewollt angefasst werde, ist es wichtig, laut und deutlich zu sagen, dass man das nicht möchte. Vor allem wenn ihr in diesem Moment alleine seid, müsst ihr euch Öffentlichkeit schaffen, andere Besucher oder das Security-Personal lautstark darauf aufmerksam machen.

Egal, was ihr tut: Tut etwas!

Jede Art von Handeln ist in diesem Fall gut. Hauptsache man setzt dem Ohnmachtsgefühl, dem Sich-Hilflos-Fühlen etwas entgegen. Niemand von euch soll glauben, dass sexuelle Belästigung dazugehört. Das tut sie nämlich nicht! Euer Dirndl kann noch so tief ausgeschnitten oder kurz sein, ihr könnt an diesen Abenden noch so freizügig sein, ihr könnt noch so betrunken sein - Schuld ist der, der euch belästigt! Egal wie groß die Versuche auch sein mögen daraus ein victim blaming zu machen, ihr entscheidet über euren Körper!

Schutz vor sexuellen Belästigung: Wo ist Luisa?

Auch für den Augsburger Plärrer gilt die inzwischen bewährte Maßnahme von der Augsburger Club- und Kulturkommission. Wenn ihr allein seid und euch bedrängt fühlt, dann könnt ihr bei jedem Schausteller und in den Zelten jemanden vom Personal ansprechen und einfach nach Luisa fragen. Das Personal wird sich um euch kümmern!

Ganz wichtig, was ich an dieser Stelle noch ansprechen möchte: Sexuelle Belästigung ist kein reines Frauenproblem, auch wenn es meistens so dargestellt wird! Es gibt genauso zahlreiche Männer, die sexuell belästigt werden und nicht wissen, wie sie sich in solchen Situationen verhalten sollen.

Zum Schluss kann ich nur noch sagen:
Steht für euch ein! Seid selbstbestimmt und wehrt euch gegen Belästigungen jeder Art. Denn nur ihr allein bestimmt über euch und euren Körper!

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