Pilze sammeln und bestimmen: Tipps von Augsburger Pilzexperten

Seit Montag, dem 30. August, sind die Pilzexperten des Pilzvereins Augsburg Königsbrunn wieder in der Viktualienhalle auf dem Stadtmarkt. Ob es ein gutes Pilzjahr wird? Wir haben nachgefragt.

Pilze sammeln und bestimmen: Tipps von Augsburger Pilzexperten

In Augsburg herbstelt es gefühlt schon den ganzen August lang. Nun steht auch schon wieder das Schild mit der Aufschrift „Pilzberatung“ vor der Vikutalienhalle auf dem Stadtmarkt. Das ist ein eindeutiges Zeichen: Der Herbst und damit die Pilzsaison ist da!

Direkt links vom Eingang ins Feinschmecker-Paradies des Stadtmarkts ist – wie schon seit vielen Jahren zur Herbstzeit – ein kleiner Tisch aufgebaut. Dahinter sitzen, heute, am ersten Tag der Pilzberatung Winfried Brandmeier und Angeliki Bauer. Beide sind Mitglieder des Pilzverein Augsburg Königsbrunn.

Viel Regen heißt nicht gleich viele Pilze

Die PilzexpertInnen erwarten ein gutes Pilzjahr.

Wir wollen von den beiden PilzexpertInnen wissen, ob dieses Jahr ein gutes Pilzjahr ist. Immerhin hat es viel geregnet und Feuchtigkeit lässt die Pilze sicher sprießen, oder? Ganz so ist es aber nicht, wie uns Winfried Brandmeier erzählt. Bisher seien nur spärlich Pilze im Wald. Aufgrund der Feuchtigkeit sei aber ein guter Grundstock für das Pilzwachstum gegeben. Heißt, wenn der Herbst erst richtig anfängt und die richtigen Temperaturen dazukommen, steht der einer reichen Pilzernte nichts im Weg. Einige prächtige Pfifferlinge hat Brandmeier bereits sprießen sehen.

Ein No-Go bei der Pilzernte

Allen angehenden PilzsucherInnen wollen die beiden ExpertInnen etwas wichtiges ans Herz legen: Schaut die Pilze genau an, bevor ihr sie abschneidet und mit nach Hause nehmt. Viele Leute würden nur von oben auf den Pilzhut schauen, erzählt Angeliki Bauer. Es reiche nicht aus, nur auf ein Merkmal zu achten. Nicht selten passiere es deshalb, dass Leute einen ganzen Korb voll vermeintlicher Steinpilze sammeln, die eigentlich Gallenröhrlinge sind. Diese Pilzart sei zwar nicht giftig, könne aber üble Magenbeschwerden auslösen und schmecke noch dazu sehr bitter, erzählen die ExpertInnen.

Sie empfehlen: Immer mehrere Merkmale genau ansehen und mit den Beschreibungen und Abbildungen in einem Pilzbestimmungsbuch vergleichen. Checkt auch, zu welcher Jahreszeit der Pilz wächst – Ist es überhaupt möglich, dass es der „richtige“ Pilz ist? Außerdem hilft oft auch der Geruch weiter. Sobald ein Merkmal von der Beschreibung des Speisepilzes abweicht, ist Vorsicht geboten, betont Brandmeier.

Vorsicht vor Pilzbestimmungs-Apps

Vor Apps zur Pilzbestimmung raten die beiden ab. Es könne mal der richtige Pilz dabei rauskommen, aber das sei lang nicht immer der Fall, warnen sie. Angeliki Bauer hat derlei Apps getestet und festgestellt, dass das Ergebnis oftmals in eine ganz falsche Richtung ging. Selbst der am häufigsten vorkommende Pilz in unseren Wäldern – der Ockertäubling – werde von den Apps nicht erkannt, bestätigt auch Brandmeier.

Bei Lamellen gilt doppelte Vorsicht

Wie ihr bestimmt alle wisst, befinden sich beim Pilz unter der Kappe entweder Lamellen oder ein Schwamm. Wenn ihr Lamellen seht, dann müsst ihr euch vor dem Verzehr des Pilzes absolut sicher sein, dass es sich um einen Speisepilz handelt. Denn unter ihnen gibt es Vertreter, die sehr giftig und auch tödlich giftig sind. Mit Röhrlingen, die einen schwammigen Hut haben, könne man sich nicht umbringen, erzählt Brandmeier. Sie seien höchstens leicht giftig. Übrigens: Allein vom Anfassen eines tödlich giftigen Pilzes, kann nichts passieren. Auch wenn ihr euch danach die Finger abschleckt.

Faszination Pilz

Mit dem ersten Vorsitzenden des Pilzvereins Augsburg-Königbrunn, Günther Groß, haben wir außerdem über die Pilzsuche an sich gesprochen: Was fasziniert den erfahrenen Pilzexperten an den besonderen Lebewesen, die weder zu den Pflanzen, noch zu den Tieren zählen? Angefangen hatte alles, als er seinen Großvater bei der Pilzsuche begleitet habe, erzählt Günther Groß. Damals waren die Pilze noch ein wichtiger Beitrag zur Mahlzeit. Mit der Zeit lernte Groß nicht nur unzählige Pilze, sondern auch den Wald immer besser kennen. Ihn fasziniere die große Vielfalt der Pilzarten, erzählt er. Noch immer komme es ab und an vor, dass er eine Pilzart zum allerersten Mal entdecke.

Über den Pilzverein Augsburg-Königsbrunn gibt Wissen über die Welt der Pilze weiter. Eine Sache bereite ihm allerdings Sorge. Besonders während Corona seien immer mehr Menschen in den Wäldern unterwegs. Was an sich schön sei, ginge jedoch zulasten des Waldes und der Umwelt. Hier eine achtlos weggeworfene Plastikverpackung, dort eine tiefe Furche eines Mountainbikes quer durchs Gestrüpp, niedergetrampelte Pflanzen…

Also, seid so gut und geht sorgsam mit dem Wald um.

Die Pilzberatung auf dem Stadtmarkt hat immer montags von 16 bis 17.30 Uhr für euch geöffnet. Beachtet, dass zur Pilzbestimmung stets der ganze Pilz nötig ist. Dieser sollte daher nicht abgeschnitten, sondern mit Wurzel herausgedreht worden sein.

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