Piercing-Tipps von der Augsburger Expertin

Alles richtig machen beim Piercen - wir erklären euch zusammen mit Meli vom Kittns wie´s geht.

Piercing-Tipps von der Augsburger Expertin

Ihr steht vor eurem ersten Piercing oder habt schon mehrere und hattet immer Probleme? Was ihr bei der Piercer-Wahl, der Pflege und vielem mehr beachten solltet, haben wir für euch herausgefunden. Wir haben Piercerin Meli vom Kittns in Augsburg befragt und auch den Selbstversuch gewagt.

Adresse: Dominikanergasse 12, 86150 Augsburg

Vor dem Piercen

Erstmal gilt es ein geeignetes Studio auszuwählen. Lange Wartezeiten sollten euch hier auf gar keinen Fall abschrecken. Denn was kann ein besserer Beweis für Qualität sein als, dass die ganze Stadt dort gepierct werden möchte? Im Kittns zeugt eine Fotowand von etlichen zufriedenen Kunden.

Woran ihr sonst noch einen guten Piercer erkennt? Im Studio sollten auf jeden keinen Fall Piercings geschossen werden und ganz wichtig auch: das sterile Arbeiten. Natürlich, wenn ihr in ein Studio geht und fragt, ob hier steril gearbeitet wird, wird jeder „Ja“ sagen. Ein gutes Indiz dafür, dass ein Piercer sein Handwerk versteht ist, dass er einen Autoklav besitzt. Im Gegensatz zur normalen Alkohollösung in die einige Piercer ihre Utensilien legen, wird hier nämlich alles astrein sterilisiert.

Das Erschreckende nämlich: Steriles Arbeiten ist im Piercing-Studio keine Pflicht und nicht gesetzlich vorgeschrieben. Lediglich die Nadel muss steril sein, ansonsten darf da alles ran. Und mit alles ran sind wir auch schon beim nächsten Thema. Jeder darf sich „Piercer“ nennen. Keine Ausbildung und kein Schulabschluss oder praktische Erfahrung sind nötig und dem eigenen Studio steht nichts mehr im Wege. Deshalb vor allem hier unbedingt aufpassen und vorher informieren, ein langes und ausführliches Aufklärungsgespräch, wie man es im Kittns genießt, ist außerdem ein Muss.

„Es gibt zwei Sachen, gegen die ich gerne etwas machen würde: Das Schießen und das unsterile Arbeiten mancher Piercer.“

Mögliche gesundheitliche Folgen können nämlich teuer für euch werden. Denn keine Krankenkasse bezahlt euch durchs Piercen entstandene Schäden.

Der Unterschied zwischen Schießen und Stechen

Jemand der sich vor dem Piercen nicht richtig informiert, lässt sich schnell beschwatzen und bekommt dann nicht selten ein Piercing geschossen. Das berühmte Blumenkohlohr entsteht hierbei häufig. Denn bei dieser Art des Piercens kann der Knorpel splittern und wird zerstört. Und das passiert beim Stechen nicht? Nein! Hier wird wie beim Plätzchen ausstechen ein winziges Loch ausgestochen und nicht gewaltvoll verdrängt. Diese Art von Verletzung ist an sich wirklich völlig harmlos. Warum es doch oftmals zu Entzündungen kommt hat einen ganz anderen logischen Grund.

Diese Sache mit dem Entzünden

Hat man alles richtig gemacht und sich kein Piercing schießen lassen, ist man trotzdem nicht davor bewahrt, dass sich etwas entzündet. Das Problem ist nicht die Verletzung an sich, sondern, dass wir etwas hineingesteckt haben - das Piercing. Die natürliche Gewohnheit unseres Körpers offene Wunden zu verschließen, stellt ihn beim Piercing vor eine Herausforderung.

„Da müssen wir auch Verständnis für unseren Körper haben, wir stecken was in die Haut, das da eigentlich nicht reingehört“

Durch Umkapseln kann das Piercing irgendwann integriert werden, doch das braucht seine Zeit. Und diese Zeit ist von Mensch zu Mensch anders. Generell verheilen Piercings an weichen Stellen und Schleimhäuten viel schneller und besser.

„Umso weicher, umso dünner, umso besser und leichter verheilt etwas.“

Intim- oder Zungenpiercings sind also nicht ganz so schwierig für den Körper anzunehmen. Das so beliebte Ohr dagegen heilt eher langsam, da das Knorpelgewebe einfach nicht gut versorgt wird. Die Profis im Verheilen schaffen das Verkapseln in 3-6 Monaten, die Regel sind eher 8-18 Monate, aber auch schon 24 Monate können vorkommen, so Meli. Manch einer will aber auch nach langem Warten einfach keine Fremdkörper aufnehmen und so muss man dann einfach auch nach langem Gezeter auf ein Piercing verzichten. Nach 8-12 Wochen empfiehlt sich eine erste Kontrolle, für die es im Kittns zum Beispiel terminfreie Zeitfenster gibt. In Notfällen sollte man das Piercing natürlich rausnehmen, ansonsten aber immer an Ort und Stelle lassen. Ihr glaubt gar nicht, wie schnell so ein Loch zuwachsen kann. Innerhalb von 5 Minuten kann schon alles verschwunden sein und das wäre echt schade. Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob es sich um einen Notfall handelt, am besten zum Piercer eures Vertrauens gehen und nachfragen. Denn wenn es jemand mit Ahnung ist, weiß der sicher was zu tun ist und hilft euch gerne weiter. Melis „Mäuse“ sind da super bedient, denn sie hat immer ein offenes Ohr und ist wirklich bemüht, dass es all ihren Kunden gut geht. Oftmals wird nämlich eine leichte Entzündung mit einem Notfall verwechselt, was noch lange kein Grund zur Panik ist. Leichte Rötungen sind ganz normal und können immer mal wieder auftreten. Eiter und Infektionen auf jeden Fall aber nicht, da unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Nach dem Piercen

Ihr seid mega happy mit eurem neuen Körperschmuck und wollt jetzt, das alles glatt läuft beim Verheilprozess? Hier alles, was ihr nach dem Piercen beachten solltet:

Pflege

Endlich hat man das ersehnte Piercing und damit es gut verheilt muss es jetzt richtig gepflegt werden. Viele Studios bieten da allerhand selbstgemischte Pflegeprodukte an. Meli schwört jedoch auf das simple Desinfektionsmittel Octenisept. In jeder Apotheke und in vielen Drogeriemärkten gibt´s dieses Wundermittel. Am besten mit dem Wattestäbchen vor und hinter dem Piercing auftragen. Draufsprühen geht natürlich auch, trocknet die Haut aber auf Dauer aus und so hat der Körper noch eine Baustelle, die er versorgen muss.

Sport, Schwimmen etc.

Sport, Schwimmen und Sauna alles erstmal Tabu wenn man sich für ein neues Piercing entschieden hat? Allgemein stimmt das auf jeden Fall. Erhöhte Bakterienbelastung durch Schweiß und Wasser lässt sich nicht abstreiten. Meerwasser allerdings kann den Heilungsprozess aber sogar unterstützen. Und auch, wenn man Monate lang auf sein geliebtes Hobby verzichtet hat, ist man vor Entzündungen nicht bewahrt, da die heikle Phase oftmals erst nach dem 4-8 Monaten anfängt. Generell ist der gesamte Verheilprozess bei jedem individuell und daher kann nie pauschal gesagt werden verzichte so oder so lange auf die Sauna.

„Ob an der Supermarktkasse, beim Weggehen oder in den Öffis, Bakterien kann man sich überall holen“, so Meli.

Wichtig ist vor allem nach extremer Bakterienbelastungen entsprechend zu desinfizieren.

Akupunktur

Ihr macht gerne Akupunktur und habt Angst wichtige Punkte durch ein Piercing zu verlieren? Oftmals ist das Setzen von Nadeln trotzdem noch möglich, nur etwas aufwendiger und im typischen Bereich wo der Helix zum Beispiel gepierct wird, befindet sich der eher unscheinbare Akupunkturpunkt für euren Ellenbogen.

Das Piercing

Ja, es heißt das nicht der! Klar gerade voll in: kleine Ringchen mit Kugeln oder auch geriffelt. Findet auch Meli super schön und verspricht uns, dass wir bald unseren Stecker tauschen dürfen. Generell übt so ein Ringchen nämlich eher Druck auf die Wunde auf. Durch das leichte Aufliegen entsteht da nämlich eine zusätzliche Reizung und das kann man ja zumindest bis es verheilt ist, vermeiden. Im Kittns haben wir einen Piercing aus PTFE mit einer Titankugel (wahlweise auch Glitzerstein) als Anfangspiercing bekommen. Das PTFE ist ein Implantatmaterial und deshalb auch super für Allergiker geeignet. Normale Ohrringstecker sollten auf jeden Fall nicht in euer gepierctes Loch. Viel zu schwer ist der Verschluss und das Material. Wenn ihr euch für ein Ohrpiercing entschieden habt, außerdem alle Piercingarten schon beim Stechen mal hinhalten, nicht ,dass das Ringchen an der Stelle doof aussieht, der Stecker euch da aber gefallen hat. Was Piercerin Meli nicht sticht? Alles was anatomisch keinen Sinn macht, wie zum Beispiel ganz komplizierte Intimpiercings. Spaß machen ihr vor allem die Ohrpiercings, von denen sie selbst einige hat und die sie einfach schön findet.

„Das Tolle an meinem Job sind die Leute und die Gespräche, wichtig ist, dass meine Kunden sich wohlfühlen, so haben wir beide was davon“

Sophie und ich haben für euch den Selbstversuch gewagt und uns Piercen lassen. Wir waren rundum zufrieden bei Meli im Kittns und sind jetzt wahre Experten in Sachen Piercen. Und das sollte jeder sein bevor er sich für diesen Körperschmuck entscheidet!

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