Philomenas Tailors – Ein musikalischer Flickenteppich

Musik so bunt und einzigartig wie indische Ikat-Hemden – dafür steht das Trio Philomenas Tailors.

Philomenas Tailors – Ein musikalischer Flickenteppich

Auf dem Weg zu einer Band ergibt sich vieles aus dem Zufall heraus. Ein Musterbeispiel dafür was passiert, wenn sich der Werdegang dem Fluss der Ereignisse anpasst, sind Philomenas Tailors. Das Augsburger Trio, bestehend aus Milena (Saxophon, Gesang), Pascal (E-Bass und Kontrabass) und Jan (Gesang, Gitarre), setzt auf seine Intuition und macht ganz nach dem DIY-Prinzip einfach sein Ding.

Bestes Beispiel dafür sind die bunten Ikat-Hemden, die zum maßgeblichen Look der Band geworden sind. Bei einer Bandprobe sind sie durch Zufall darauf gestoßen und nach einem Blick auf den Aufnäher mit der Aufschrift „Philomenas Tailors“ war klar, dass der Name der Schneiderei aus Mumbai auch Name der Band werden sollte. Schließlich spiegeln die Hemden auch die Songs der Augsburger wieder: handgemacht und jedes ein Unikat. Die Adresse der Schneiderei wurde dann mit der ersten EP der Band verewigt. „3rd Pasta Lane“ heißt das Erstlingswerk und jede CD ist umnäht in verschiedenen Farbkombinationen.

Das Textil-Thema wurde noch weiter adaptiert. Die Band ist bunt zusammengewürfelt aus den unterschiedlichsten Instrumenten und Stilen. „Man kann nicht richtig sagen, ob wir jetzt Folk oder Pop spielen. Deshalb nennen wir es einfach Indie-Folk.“ erklärt Milena. Ein Motto der Tailors lautet „Be a Patch“, auf deutsch „Sei ein Flicken“. Alles was die Band macht ist ein großer Flickenteppich und Du kannst ein Teil davon sein. Das umfasst auch die Follower auf Social Media und das Publikum. Aus diesem Grund setzen Philomenas Tailors auch verstärkt auf Songs zum Mitmachen. „Sobald wir auf der Bühne sind, sind nicht nur wir Philomenas Tailors, sondern alle, die da sind.“ beschreibt Milena das Konzept. Egal ob Band, Licht- und Soundtechniker, Publikum „…oder meine Mama, die uns hilft, die Hemden zu nähen“, ergänzt Jan und lacht. Die Leute sollen mit Gedanken heimgehen, die durch das Konzert angeregt wurden. „Wir wollen das Publikum einfach bewegen. Sei es durch emotionale Songs oder durchs Mitmachen und Grölen“, formuliert Milena.

Die Lieder schreibt Jan zunächst immer alleine mit seiner Gitarre, dann werden arrangementtechnisch noch mehr „Patches“ zusammengesetzt. „Letztens ist Jan mit einem neuen Song zur Bandprobe gekommen und hat ihn uns vorgespielt“, resümiert Milena. „Nach ca. einer halben Minute konnten wir dann nicht mehr stillsitzen, haben unsere Instrumente gepackt und einfach mitgespielt.“ Es ist der Band wichtig, dass intuitiv gearbeitet wird und die Mitglieder keinen Restriktionen unterworfen sind, um vollkommen kreativ und frei arbeiten zu können.

„Das ist wie bei einem Autor, der etwas veröffentlicht und noch nicht genau checkt, was er da geschaffen hat und es erst durch das Gelesenwerden klar wird.“

Mit Jan hat auch alles angefangen. Geschrieben hat er schon, seit er 16 ist, damals eher noch als Therapie. Im Dezember 2015 hat er dann das erste Mal seine eigenen Songs öffentlich gespielt – im Zuge des Song Slams, den er auch gleich gewonnen hat. „Da dachte ich mir: Moment, das ist ja nicht nur für mich“, bemerkt Jan. „Das ist wie bei einem Autor, der etwas veröffentlicht und noch nicht genau checkt, was er da geschaffen hat und es erst durch das Gelesenwerden klar wird.“

Nach und nach hat sich dann die Band zusammengefunden. Der Kern besteht aus dem Trio, live spielen sie auch gerne mal zu sechst. Und so wie sie sich bis dahin schon dem Flow hingegeben haben, meldeten sie sich für ihren ersten Auftritt beim Band des Jahres Contest 2017 an. Die Entscheidung hat sich definitiv gelohnt, da sie sich bis ins Finale spielten. Leider konnten sie nicht den Sieg mit nach Hause nehmen, jedoch war es laut eigener Aussage eine der knappsten Entscheidungen der Contest-Geschichte. Es folgten eine Tour als Support von Django3000 und ein Modular Auftritt.

„Egal wer du bist, welche Hautfarbe du hast oder Sprache du sprichst – im Herzen sind wir alle gleich“

Die Songs von Philomenas Tailors drehen sich oft um wichtige Themen. „War“ handelt wie es der Name schon sagt um Krieg und dem Ohnmachtsgefühl, wenn Konflikt herrscht. „Soll ich lachen, soll ich weinen, hinschauen, wegschauen? Kann ich’s ignorieren?“ versucht Jan das Gefühl in Worte zu fassen. Die am 1. November veröffentlichte Single „Sun“ hingegen ist ein richtiger Solidaritätssong geworden. „Auf alle scheint die gleiche Sonne“, erklärt der Kopf der Truppe. „Egal wer du bist, welche Hautfarbe du hast oder Sprache du sprichst – Im Herzen sind wir alle gleich“. Wenn alle diese Botschaft singen, entstehe dabei ein Gemeinschaftsgefühl. Deshalb wird „Sun“ auch der letzte Song jeder Show, bei dem das Publikum die letzte Note hat und ihn fertig singen darf. Dass die Single die Menschen berührt, wurde schon bestätigt: innerhalb einer Woche wurde sie über 10.000 Mal gestreamt.

Das Momentum des Höhenflugs wollen die Drei weiterhin nutzen und steuern einer vielversprechenden Zukunft entgegen. Bis Mitte nächsten Jahres sind fünf bis sechs Singles geplant, im März oder April soll eine weitere EP erscheinen. Ende 2020 ist das Ziel natürlich das langerwartete Debütalbum, zu dem vorher eine groß angelegte Crowdfunding-Kampagne gestartet wird. Die Vorbereitungen laufen schon jetzt und es sind viele spannende Gadgets und andere Belohnungen für Unterstützer in Arbeit. Welche das sein werden, wird noch nicht verraten. Dafür gibt es aber schon jetzt neues Merchandising. Am morgigen Freitag, den 15. November, steigt das fulminante Abschlusskonzert im rheingold, bei dem handgemachte Shirts aus Biobaumwolle und mit aufgenähten Ikatstoff-Taschen zu kaufen sein werden. Wer diese einzigartigen Kleidungsstücke sein Eigen nennen möchte oder ganz einfach Bock hat auf wunderbare Musik und lautes Mitsingen hat, sollte auf jeden Fall im rheingold vorbeischauen.

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