Warum mir das Pendeln meinen Morgen versaut

Frühes Aufstehen, nervige Menschen und volle Züge – Das Pendeln und ich? Wir haben da so unsere Differenzen.

Warum mir das Pendeln meinen Morgen versaut

Wieder ein neuer Morgen, wieder ein neuer Tag, an dem ich verboten früh am Bahngleis herumstehe und mir den Arsch abfriere. Kaffee in der Hand, Augenringe bis zur Kinnlade und die Laune am Tiefpunkt. Spätestens jetzt ist es amtlich: Ich bin einfach nicht fürs Pendeln gemacht! Nicht zum ersten Mal in dieser Woche frage ich mich, wie ich auf die doofe Idee gekommen bin, in München zu arbeiten. Die Antwort? Keine Ahnung.

Um mich herum sehen alle geschniegelt und gestriegelt aus in ihren Anzügen und Blazern, perfekt geschminkt und gestylt. Ich hingegen habe wieder einmal verschlafen und mir nicht nur mein Frühstück, sondern auch mein Make-Up für den Zug mitgenommen. Wie schaffen die das nur alle? Das eintönige Grau um mich herum macht meine Laune nicht gerade besser. Warum sind Bahnhöfe eigentlich immer so hässlich? Dazu noch dieser ekelhafte Wind, der mir unter meine Jacke zieht. Ich will zurück in mein Bett.

„RB Gleis 4 nach München, Vorsicht bei der Einfahrt.“ Die Durchsage reißt mich aus meinen Gedanken. Der Zug fährt ein, die Türen gehen auf und Menschenblasen bilden sich an den Eingängen. Das Drängen und Drücken beginnt – Mist, wieder war ich nicht flink genug. Mir bleibt nur noch ein Stehplatz in dem übervollen Gang. Na gut, die 45 Minuten werde ich schon aushalten, oder? Demonstrativ stecke ich mir meine Kopfhörer in die Ohren, mache meine Playlist so laut, dass ich nichts um mich herum hören muss, und beobachte die an den Fenstern vorbeiziehende Landschaft. Das Letzte was ich jetzt noch will, ist bedeutungsloser Smalltalk.

„Kann ich mal durch?“, reißt mich eine laute Stimme neben mir aus meinen Gedanken. Eine Frau mit Trolli und Rucksack auf dem Rücken sieht mich genervt an. Ausgerechnet jetzt? Soll ich mich etwa wegzaubern? „Heute noch, wenn‘s geht!“ Ich mache mich so schlank es geht, bringe meinen Kaffee in Sicherheit und die Frau presst sich rücksichtslos vorbei, während sie bereits meinen Nebenmann anschnauzt. Dieser sieht mich mit einem Augenrollen an. Knigge würde ausrasten, garantiert! Ach, ich hasse Menschen – besonders früh morgens in einem stickigen, unangenehm warmen Zug sind manche einfach unausstehlich.

Ich weiß, ich weiß: Dramatisch sein kann ich. Und vielleicht könnte man mir auch ein Fünkchen Grantler-Blut unterstellen. Zugegeben habe ich diese Leute nie verstanden, die sich immer darüber aufgeregt haben, wie nervig Pendeln doch sei, dass die Bahn immer zu spät komme, bla bla bla. „Wie schlimm kann das schon sein?“, dachte ich mir. Jetzt ist das anders. Jetzt bin auch ich einer dieser Grantler. Denn ich glaube, dass es zwei Arten von Menschen gibt: Pendel-Pros (diese „Miracle Morning“-Menschen, die während der Fahrt sogar noch wirklich produktiv sein können und mit Sicherheit nach dem Aufstehen gleich noch eine Runde joggen gehen) und Pendel-Antis, die alleine der Gedanke an die Heimfahrt schon stresst. Menschen wie mich also.

„Nächster Halt: München Hauptbahnhof“. Endlich da. Wieder drängen alle aus dem Zug durch die riesige Bahnhofshalle, gestresst, weil sie die nächste U-Bahn erwischen müssen. Auch ich renne ihnen nach. Ob ich mich je ans Pendeln gewöhnen werde? Ich habe da so meine Zweifel.

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