Paragliding im Selbstversuch – Ein AUXperiment

Durch die Lüfte gleiten und die Welt aus der Vogelperspektive entdecken – ich habe den Selbstversuch gemacht und einen Tandemflug gewagt.

Paragliding im Selbstversuch – Ein AUXperiment

In knapp zwei Stunden bin ich mit dem Auto am Startpunkt meines Flugs, dem Breitenberg in Pfronten. Mit der Seilbahn zur Mittelstation und von dort mit einem professionellen Tandemflieger weiter auf die Spitze des Berges. Im Schlepptau, den riesigen Schirm und unsere Sitze. Ein bisschen Smalltalk, mit meinem Tandempartner– ich muss ja auch wissen, wem ich da mein Leben anvertraue – und schon stehen wir nach einem kleinen Fußweg auf einem Stück Wiese und beobachten den Start anderer Tandemflieger.

Gegen den Widerstand rennen und später im Sitz bequem wieder nach hinten setzen. Das sind die Basics, die aber völlig ausreichen, um nach professioneller Sicherung vom aufgeblähten Gleitschirm in die Lüfte gehoben zu werden.

Nachdem ich genau diese Basics mehr oder weniger gekonnt ausgeführt habe, spüre ich plötzlich beim Laufen keinen Boden mehr unter den Beinen und fliege wie von selbst in bequemer Position, fast wie in einem Swingsessel von IKEA – nur mit deutlich besserer Aussicht.

Ein Postkartenpanorama, dass seines Gleichen sucht erstreckt sich mir fast in jede Richtung, in die ich schaue. Der Forggensee, der Hopfensee und Gebirgsketten vor mir, Felder, Häuser und Wälder unter mir. Und wenn ich ganz genau schaue auch Schloss Neuschwanstein, das von so weit weg selbst in der Ferienzeit schön ist.

Der Gleitschirm fliegt ganz nach der Thermik (warme aufsteigende Luftmassen) seine Bahnen, und das Gefühl nur durch natürliche Gegebenheiten durch die Lüfte zu gleiten, ist ein ganz anderes als mit dem Flugzeug, mal ganz abgesehen vom Ausblick. 20 Minuten, auf die Du Dich bei Deinem eigenen Flug aber nicht festlegen darfst, da die Thermik manchmal macht was sie will, vergehen im Nu. Und so heißt es irgendwann: „Rutsch’ mal ein bisschen nach vorne im Sitz, wir landen bald“.

Während wir dem Boden immer näherkommen, denke ich schon kurz daran, wie es sich anfühlt im nächsten Baum zu hängen oder auf der Straße aufzukommen. Doch alle Sorge ist unbegründet, denn mein Pilot bringt mich sicher und sanft auf einer weichen Wiese zum Stehen und ich muss nicht mal viel ausgleichen, sondern komme wie nach einem Sprung vom Stuhl am Boden auf. Wenn auch mit ein bisschen wackeligen Beinen.

Ich würde diese Erfahrung auf keinen Fall missen wollen und kann sie auch Angsthasen wärmstens empfehlen, denn ein Tandemflug ist nicht nur was für Adrenalinjunkies, sondern vor allem, für jeden, der die Welt von oben, ganz gemütlich und in Ruhe betrachten will und dabei keine Motorengeräusche braucht, sondern nur den Wind im Gesicht spüren möchte.

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