5 Fakten, die du bestimmt noch nicht über den Plärrer wusstest

Seit Sonntag bringt der Plärrer wieder die Augsburger aus dem Haus und auf den vollbepackten kleinen Exerzierplatz. Doch wie gut kennt ihr eigentlich Schwabens größtes Volksfest wirklich?

5 Fakten, die du bestimmt noch nicht über den Plärrer wusstest

Es gibt genug Fakten, die jeder Plärrerbesucher kennen dürfte: Jeden Freitag gibt’s das traditionelle Feuerwerk, die 4er gleicht in den Stoßzeiten einer Sardienenbüchse und die Maß kostet mittlerweile über 9 Euro. Wer jedoch ein wenig hinter die glitzernd-leuchtende Fassade des Volksfestes blickt, entdeckt, dass der Plärrer eine ganz schön lange Geschichte voller interessanter Trivia-Facts bietet. Also Schlauberger und Hardcore-Plärrerfans aufgepasst: Mit diesem Wissen könnt ihr beim nächsten Mal im Bierzelt oder in der Schlange zum Riesenrad bestimmt ordentlich punkten!

Wo schon der Ur-Ur-Ur-Urgroßvater seinen Spaß hatte

Über 1000 Jahre lang geht die Tradition des Plärrers schon zurück. Angefangen hat er als eine der vielen Dulten, die es teilweise auch heutzutage noch in Augsburg gibt. Die Märkte unter freiem Himmel haben schon damals Gaukler, Artisten, Zauberkünstler und Schießstandbetreiber angelockt und die Besucher fasziniert.

Namensgebung durch Ruhestörung

Der ganze Rummel hatte jedoch auch einen ziemlichen Nachteil: Da der Spaß, den die Besucher mit all den Attraktionen hatten, auch mit einem ordentlichen Geräuschpegel (dem „Geplärre“) einherging, hagelte es bald Beschwerden der Bewohner der Maxstraße, in der die Dulten damals noch stattfanden (Kommt einem irgendwie bekannt vor, nicht wahr?). Deshalb wurde alles, was nicht mit dem eigentlichen Markt an sich zu tun hatte, kurzerhand auf den kleinen Exerzierplatz ausgelagert, der sich damals noch vor den Toren der Stadt befand. Seit 1967 wurde dann der Name offiziell anerkannt und angenommen.

Maß-los bis 1927

Wer dachte, die Bierzelt-Romantik und Schunkelkultur gehört schon so lange zum Plärrer wie die Lederhose zu Bayern, dürfte jetzt überrascht sein. Denn bis 1926 galt auf dem Volksfest noch das Alkoholverbot aus dem Ersten Weltkrieg. Dann fing es aber mit ausgeschenktem Heidelbeerwein an, es folgte die erste Bierbude und schließlich etablierte sich 1930 unter großen Protesten und mit Anti-Alkoholkampagnen wegen Sittenverfalls und Unmoral das erste richtige Bierzelt. Zwei Alkohol-Fun-Facts am Rande:

  • 1968 gab es ein Pilotprojekt, bei dem das Bier in Plastik-Krügen ausgeschenkt wurde, um Raufereien vorzubeugen. Diese Idee wurde jedoch (zum Glück) recht schnell im nächsten Jahr wieder gekippt.
  • 2013 war es beim Osterplärrer noch so kalt, dass Glühwein verkauft wurde – bis dato ein absolutes Novum.

![9349d6c3-6b78-4c2b-831c-582eaeb5d920]

Ein Fest für Dichte und Dichter

Unser poetischer Exportschlager Bertolt Brecht mag ja von Augsburg gehalten haben, was er will (der Spruch mit dem Zug nach München stimmt ja bekannterweise sowieso nicht), aber der Plärrer hatte definitiv eine gewisse Faszination auf den Wortkünstler. 1917 verfasste Brecht das sogenannte „Plärrerlied“, ein kurzes Gedicht über verschiedene Erlebnisse auf dem Rummel. „Der Frühling sprang durch den Reifen / Des Himmels auf grünen Plan, / Da kam mit Orgeln und Pfeifen / Der Plärrer bunt heran“ - wie wunderbar das klingt! Ein schön nachvollziehbares Stück, dass die Plärrer-Erfahrungen geschickt einfängt: „Und in der Sonne drehen / Die Karusselle dort / Und wenn sie stille stehen / Dann dreht mein Kopf sich fort“.

Ein Zuhause für Leopardenspur, Pferdekarussel und Delphinschau

Bei der Auswahl seines Angebots setzt der Plärrer übrigens auch auf regionale Qualität. Denn die Schausteller müssen hauptsächlich aus Süddeutschland kommen, wenn sie die Augsburger bespaßen wollen. Trotz der Einschränkung schafft es das Volksfest aber jedes Jahr aufs Neue, eine ausgewogene Mischung aus Hightech-Fahrgeschäften und charmanten Klassikern zu bieten. Geschicklichkeitsspiele wie Ringe- oder Ballwerfen, Pferdekarussells und die Schiffschaukeln findet man dort nämlich schon seit Ende des 19. Jahrhunderts! 1969 wurde es übrigens besonders exotisch: Da waren u.a. der kleinste Mann der Welt (78cm) und eine Delphinschau der Renner unter den Attraktionen.

![87d9db00-8fb5-4f52-8824-9d4ca689ae25]

Logo