Bio-Lebensmittel für alle: Öko-Modellregion Stadt.Land.Augsburg

Was steckt hinter dem Wort „Öko-Modellregion“ und warum will dessen Manager den Anbau von Nutzhanf fördern? All das erfahrt ihr jetzt.

Bio-Lebensmittel für alle: Öko-Modellregion Stadt.Land.Augsburg

In der Augsburger Region gibt es zahlreiche LandwirtInnen und Kleinstbetriebe, die biologisch wirtschaften und gute Produkte herstellen. Diese will die bayerische Staatregierung fördern und hat dafür im Jahr 2013 die Öko-Modellregionen eingeführt.

Auch die Stadt und der Landkreis Augsburg sind seit November 2019 eine solche Modellregion. Sie heißt „Öko-Modellregion Stadt.Land.Augsburg“ und wird von einem Manager geleitet: Ulrich Deuter. Wir haben mit ihm über seine Aufgabe gesprochen und außerdem erfahren, warum wir immer mehr Nutzhanf auf den Feldern um Augsburg entdecken werden.

Wer ist Ulrich Deuter und was steckt hinter dem Begriff der Öko-Modellregion?

Ulrich Deuter wurde der Job als Öko-Modellregion-Manager quasi in die Wiege gelegt. Er wuchs auf einem Bauernhof im Donau-Ries auf, der inzwischen ein Bio-Betrieb ist. In Straubing arbeitete er nach dem Studium im Technologie- und Förderzentrum und beschäftigte sich mit Nachwachsenden Rohstoffen.

Jetzt, in der Position als Manager der Öko-Modellregion, arbeitet er daran, die Bio-Landwirtschaft, in und um Augsburg zu unterstützen. Und das nicht nur im Bereich der Vermarktung. Auch das Bewusstsein der AugsburgerInnen für biologische Lebensmittel will er stärken. Außerdem will Deuter Netzwerke knüpfen und so neue Strukturen schaffen, regionale, biologische Lebensmittel für alle zugänglicher zu machen.

„Es gibt schon viele Menschen, die etwas machen wollen. Genau die möchte ich stärker vernetzen, und zwar entlang der Wertschöpfungskette“. Damit meint Deuter, dass er LandwirtInnen, HändlerInnen und VerbraucherInnen zusammenbringen möchte. Das sei in Zeiten einer Pandemie gar nicht so einfach. Dazu kommt, dass besonders LandwirtInnen einen sehr zeitintensiven Beruf ausüben und manchmal wenig Zeit für andere Themen bleibt.

Mal kommen die ErzeugerInnen in die Stadt, mal die KonsumentInnen aufs Land.

Die Vernetzung findet beispielsweise auf Veranstaltungen statt. Hier kommen VerbraucherInnen in Kontakt mit den ErzeugerInnen aus der Region. Eine Veranstaltung dieser Art ist beispielsweise der Regionalvermarktertag, der jährlich im Botanischen Garten stattfindet. Aber auch auf Hofführungen können sich VerbraucherInnen und LandwirtInnen näherkommen.

Sie wollen unter anderem den Anbau von Nutzhanf in der Region steigern. Warum sehen Sie im Hanf so große Potenziale?

Bevor Baumwolle nach Deutschland importiert wurde, war Nutzhanf hierzulande als Textilfaser-Lieferant verbreitet.

„Schon bevor es die Öko-Modellregion gab, haben schon einige Landwirte in der Region Augsburg Nutzhanf angebaut“, erzählt Ulrich Deuter. Für ihn mache es aus vielen Gründen Sinn, den Anbau zu fördern. Zum einen sei der Hanf eine sehr vielseitige Pflanze: „Man kann Hanf zu Öl pressen. Das tut beispielsweise die Bio-Ölmühle Kappelbauer in Maingründel (Kutzenhausen). Oder er kann beim Brotbacken eingesetzt werden, wie es beispielsweise die Biobäckerei Schubert tut. Sogar eine Keksherstellerin gibt es in Augsburg, die Hanf verarbeitet, Miss Braun’s Snackpack.“ Neben der Ernährung können die Fasern auch für die Stoffproduktion genutzt werden. Allerdings gebe es hierzu kaum noch passende Strukturen, wie Deuter weiß. Zu guter Letzt ist der Hanf eine sehr genügsame Pflanze, die wenig Pflege braucht. Das macht sie bei den LandwirtInnen beliebt. „Aktuell ist der Hanf wieder im Kommen, weil er für die Lebensmittelindustrie interessant geworden ist“, sagt Deuter.

Wie beeinflusst die voraussichtlich kommende Cannabis-Legalisierung den Anbau von Nutzhanf?

„Die Hanfsorten, die aktuell angebaut werden, haben alle einen THC-Gehalt, der unter einem bestimmten Grenzwert liegt. Eine berauschende Wirkung ist also nicht möglich“, sagt Deuter. Durch die Cannabis-Legalisierung werde sich seines Erachtens beim Nutzhanf-Anbau nichts ändern.

Wie soll die Landwirtschaft, das Leben, das Einkaufen in Zukunft aussehen?

„Das Ziel ist es, die Wertschöpfung in der Region zu halten“, erklärt Deuter. Es solle auch in der Stadt Augsburg möglich werden, noch mehr regionale Bioprodukte zu bekommen – sowohl am Markt als auch im Lebensmittel-Einzelhandel. „Darüber hinaus sollen Menschen die Möglichkeit haben, in Schulen, Kantinen und Kitas Bioprodukte zu erhalten.“

„Außerdem wollen wir erreichen, dass Bio-LandwirtInnen einen fairen Preis für ihre Produkte bekommen“, sagt Deuter. Das solle über eine nachhaltige Zusammenarbeit mit AbnehmerInnen in der Region passieren. Diese AbnehmerInnen könnten etwa Mühlen, Bäckereien oder Metzger sein. Ziel ist also, dass Bäckereien, Metzgereien und Co. auf regionale Bioprodukte setzen.

Fazit

Es gibt bereits viele Bio-Betriebe in der Region, die tolle Arbeit leisten und gute Produkte herstellen. Doch besonders Menschen in der Stadt fehlt oft der Zugang zu diesen Lebensmitteln. Oft wissen sie vielleicht noch gar nicht von ihnen. Die Öko-Modellregion soll genau das ändern und Bioprodukte und KonsumentInnen wieder näher zusammenbringen. „Es lohnt sich immer in die Dörfer zu fahren und sich in den Bio-Hofläden umzusehen“, meint Ulrich Deuter.

Veranstaltungstipp: Den Hasenberghof kennenlernen

Am Dienstag, den 16. November, habt ihr beispielsweise die Möglichkeit den Hasenberghof in Adelsried kennenzulernen. Hier findet nämlich der nächste „Dialogabend“ statt, den der Landschaftspflegeverband der Stadt Augsburg in Zusammenarbeit mit der Öko-Modellregion initiiert. Hier könnt ihr auf den Hof kommen, ihn kennenlernen und den jungen LandwirtInnen Anna und Jörg, Fragen stellen. Auf dem Hasenberghof werden Hühner gehalten. Außerdem gibt es einen Hofladen, in dem die eigenen Produkte und weitere aus der Region verkauft werden.

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