Ohne BH in Augsburg? #freethenipple

Der weibliche Oberkörper ist immer noch ein sensationsgeladenes Tabuthema. Was es für eine Frau bedeutet den BH auszuziehen und in der Öffentlichkeit quasi-oben-ohne rumzulaufen wird dabei häufig übersehen.

Ohne BH in Augsburg? #freethenipple

Sonntag 16:00:

Es ist heiß. Lena und Kathrin wollen gemeinsam einen Ausflug an den Kuhsee unternehmen, um sich dort im kühlen Wasser abzukühlen und eine wohlverdiente Lernpause zu gönnen. Kurz bevor die beiden bereit sind das Haus zu verlassen fragt Lena: “Sag mal, fändest du es komisch, wenn ich meine Schuhe tragen würde, ohne Socken anzuziehen? Denkst du, die Leute würden mich anders anschauen?” “Natürlich nicht, was wäre daran komisch?”, ist Kathrins logische Antwort. Lena zuckt mit den Achseln, behält die Socken aber an. Sie schwingen sich auf ihre Fahrräder und los geht es in Richtung See.

Was für eine komische Frage, nicht war?

Aber wenn wir diese Unterhaltung umwandeln und uns vorstellen, es ginge hier nicht um Socken, sondern darum, ob es für uns Mädels seltsam ist, in der Öffentlichkeit ohne BH rumzulaufen, ist die Frage plötzlich gar nicht mehr so seltsam.

Den Hashtag #freethenipple gibt es nun schon seit einiger Zeit. Im Internet erscheinen immer mehr Bilder von entblößten Brüsten, denn hier setzen wir uns gerne für eine Gleichbehandlung von männlichen und weiblichen Oberkörpern ein. Wenn es allerdings ans eingemachte geht und wir uns im “echten” Leben freizügig zeigen sollen, sind wir immer noch wesentlich gehemmter. Selbst wenn es nur darum geht, ein Kleidungsstück weniger anzuziehen, schrecken viele von uns zurück. Zurecht, denn natürlich gibt es immer diejenigen, die uns angaffen und hinterherpfeifen. Das ist alles andere als schön.

Vielleicht denkt ihr jetzt, “Es macht doch einen großen Unterschied, ob eine Frau ihren Oberkörper unbedeckt der Öffentlichkeit präsentiert, oder ob sie einfach nur keinen BH trägt.”

Dem stimme ich einerseits zu, andererseits aber auch nicht. Natürlich würde es uns auch in der heutigen Gesellschaft immer noch sehr schockieren, wenn eine Frau durch die Straßen Augsburgs laufen würde, ohne dabei ihre Brüste zu bedecken. Andererseits haben mir meine Freundinnen schon zu oft diese Frage gestellt, wenn wir zusammen Klamotten einkaufen waren:

“Findest du, dass man in diesem Oberteil (zu sehr) meine Nippel sehen kann?”

Wenn wir uns fragen, ob es in Ordnung ist den BH weg zu lassen, versuchen wir nicht zu schockieren. Wir wissen einfach nur nicht, wie wir mit diesem seltsamen gesellschaftlichen Tabu klar kommen und umgehen sollen. Die weiblichen Brüste werden auch heute noch mehr als ein Sexualorgan angesehen, als schlicht und einfach als Teil des weiblichen Körpers, den wir Frauen uns nicht ausgesucht haben.

Auch hier in unserer Redaktion wurde das Thema schon angesprochen. Wir überlegten, welche Wochenchallenge wir demnächst auf uns nehmen könnten. Dabei kamen wir aber zu dem Schluss, dass wir uns noch nicht trauen, eine Woche ohne BH in Augsburg herumzulaufen und dies medial zu promoten.

Es gehört - zumindest für Frauen mit durchschnittlich großer Oberweite - Mut und Überwindung dazu. Einerseits sind wir die zusätzliche Kleidungsschicht schlichtweg gewöhnt, andererseits haben wir das Gefühl von anderen angestarrt und verurteilt zu werden, wenn wir diese nicht wie einen Schutzschild mit uns herumtragen.

Könnt ihr das Gefühl nachempfinden? Was sind eure Erfahrungen mit diesem brisanten Thema?

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