Spotlight on: Obdachlosenhilfe in Zeiten von Corona

Der SKM Augsburg ist auch während der Pandemie für obdachlose Menschen und Bedürftige da. So gut es geht. Pia Haertinger vom SKM Augsburg erzählt uns, was Corona und der Lockdown für diese Menschen bedeutet.

Spotlight on: Obdachlosenhilfe in Zeiten von Corona

Menschen in Not, Helfer und Hilfe anzubieten: Das ist seit seiner Gründung im Jahr 1982 Ziel des SKM Augsburg - katholischer Verband für soziale Dineste e.V. Durch zahlreiche Projekte arbeitet der Verein aktiv daran, die Situation von Wohnungslosen und von Armut betroffenen Menschen zu verbessern. Er gibt Kleidung und Essen aus, bietet Duschmöglichkeiten an, führt rechtliche Beratungsgespräche im Bereich Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe durch, leistet Straßensozialarbeit und vieles mehr. Durch die Pandemie musste der SKM Augsburg seine Angebote bis auf die Grundversorgung einschränken. Wir haben mit Pia Haertinger vom SKM Augsburg über die Schwierigkeiten von obdachlosen Menschen während Corona gesprochen.

Toilette, Hygiene, Aufwärmen

Besonders im Winter sei es für wohnungslose Menschen wichtig, sich an Orten aufwärmen zu können, erzählt Pia Haertinger. Häufig würden dafür öffentliche Einrichtungen wie beispielsweise Bibliotheken oder Einkaufszentren genutzt. Da diese aufgrund der Pandemie geschlossen haben, bliebe vielen nur die Wärmestube des SKM.

Die Wärmestube ist derzeit in einem Zelt untergebracht, damit Abstände eingehalten werden können. Von Montag bis Freitag bekommen Bedürftige hier ein warmes Essen. Am Wochenende ist das Wärmestubenzelt geschlossen, Essen wird To-Go ausgegeben. Aber wohin, wenn die Wärmestube schließt? Einen warmen Ort für diese Zeiten zu finden gehört wohl gerade zu den schwierigsten Herausforderungen für obdachlose. Auch Toiletten sind kaum noch zugänglich und damit sind auch Möglichkeiten, die Hände zu waschen rar geworden. Der öffentliche Raum ist durch die Pandemie also zum einen geschrumpft und zum anderen nur eingeschränkt nutzbar. „Wo kann ich mich aufhalten, ohne dass ich gegen Regeln verstoßen? Maskenpflicht, Abstandsregeln, Alkoholverbot und so weiter. Das sind Themen, die den Obdachlosen das Leben noch schwerer machen“, weiß Pia Haertinger.

Wohnsituation als zusätzlicher Stressfaktor

Auch Menschen, die nicht auf der Straße leben, sondern beispielsweise in Gemeinschaftsunterkünften, im Übergangswohnheimen oder Pensionszimmern, haben es nicht leicht. „Menschen teilen sich hier oft Dusche und Toilette mit vielen anderen und haben nur ihr acht bis neun Quadratmeter großes Zimmer als Rückzugsort“, erzählt Pia Haertinger. Solche Lebensumstände tragen stark zur Vereinsamung der Menschen bei. Weil man nicht genügend Platz gat, um einen Freund zu empfangen, bleibe nur die Verabredung im Freien oder eben ein Treffen in der Wärmestube. „Alleinstehende Menschen, die noch dazu in prekären Wohnsituationen leben, sind von der sozialen Isolation besonders betroffen. Das macht etwas mit den Menschen: Die psychische Belastung nimmt zu, die psychischen Erkrankungen nehmen zu. Das ist etwas, das man nicht unterschätzen darf“.

Die gute Nachricht: Kältebus fährt dank zahlreicher Ehrenamtlicher öfter

Eines von vielen Projekten des SKMs ist der Kältebus. Dieser fährt nachts an öffentliche Plätze, an denen sich obdachlose und drogenabhängige Menschen aufhalten. Mit an Bord sind heißer Tees, Schlafsäcke und Zelte, die von den HelferInnen verteilt werden. So soll verhindert werden, dass Menschen in den kalten Winternächten erfrieren. Letztes Jahr im November suchte der SKM Augsburg über Facebook nach HelferInnen für den Kältebus – mit großem Erfolg. Viele AugsburgerInnen erklärten sich spontan bereit, im Kältebus auszuhelfen. Heute sind es 70 HelferInnen, die im Schnitt einmal im Monat einen Dienst übernehmen. „Wir sind sehr dankbar, dass sich so viele gemeldet haben“, sagt Pia Haertinger. Durch die Freiwilligen könne der Kältebus schon ab 0 Grad ausrücken und nicht wie in vergangenen Jahren erst ab minus fünf Grad.

Logo