Die Schließung der Karstadt-Filiale sorgte in Augsburg für große Unsicherheit. Welche Auswirkungen würde ein langfristiger Leerstand mitten in der Innenstadt haben? Und könnte dies weitere Folgen für den Einzelhandel nach sich ziehen, sodass auch andere Geschäfte schließen müssten? Rund zwei Jahre später kehrt nun wieder Leben in das ehemalige Kaufhausgebäude ein – und auch für die noch ungenutzten Flächen gibt es konkrete Pläne.
Neue Mieter im Erdgeschoss
Im Erdgeschoss des ehemaligen Karstadt-Gebäudes hat sich bereits einiges getan: Seit wenigen Wochen ist der Imbiss- und Kiosk „7 Days“ in die ehemaligen Räumlichkeiten des Twist Cafés eingezogen. Letzteres hatte vor rund einem Jahr neben der Pommes-Ecke eröffnet und unter anderem Baumstriezel angeboten. Statt des süßen Gebäcks könnt ihr bei 7 Days nun Getränke, Snacks, Tabakwaren sowie kleinere Speisen erwerben.
Seit dem 17. Juni hat außerdem eine Filiale des Schuhhändlers Deichmann im Erdgeschoss eröffnet. Dabei handelt es sich um eine Verlagerung des bisherigen Standorts in der Bahnhofstraße. Die neue Filiale verfügt nicht nur über eine größere Verkaufsfläche, sondern profitiert auch von ihrer zentralen Lage mitten in der Innenstadt. Kunden erwartet dort das klassische Deichmann-Sortiment mit Sneakern, Stiefeln, Sandalen und weiteren Schuhmodellen.
Aldi bleibt – Ausbau im Untergeschoss läuft
Während sich die Geschäfte im Erdgeschoss verändert haben, ist der Aldi im Untergeschoss trotz des Karstadt-Aus durchgehend geöffnet geblieben. Zeitweise war der Markt nur über Umwege und zwischen Absperrungen erreichbar, dennoch konnte er von den Kunden stets erreicht werden. Auch künftig soll Aldi an dem Standort bleiben. Aktuell wird das Untergeschoss weiter ausgebaut und für eine vollständige Nutzung vorbereitet.
Schulstandort im ehemaligen Karstadt?
Ein Teil des Gebäudes ist damit bereits wieder belebt. Für die vier darüberliegenden Stockwerke wird jedoch weiterhin nach passenden Konzepten gesucht. Schon seit längerer Zeit wird das ehemalige Karstadt-Gebäude als möglicher Schulstandort gehandelt. Doch wie ist der aktuelle Stand? Auf Anfrage erklärt die Stadt, dass derzeit die bestehenden Möglichkeiten geprüft werden. Zudem fänden intensive Gespräche mit dem Eigentümer, der Firma Solidas, statt. Ziel sei es, eine Lösung zu entwickeln, die sowohl den baulichen Gegebenheiten als auch den pädagogischen Anforderungen gerecht werde. Dabei kristallisiere sich eine gymnasiale Nutzung des Gebäudes als „durchaus vielversprechend“ heraus.
Nach aktuellem Planungsstand könnten Teile des Holbein-Gymnasiums im zweiten und dritten Obergeschoss untergebracht werden. Konkret wäre dort die gesamte Oberstufe von der 11. bis zur 13. Jahrgangsstufe vorgesehen. Dies entspräche rund 500 Schülern. Das vierte Obergeschoss könnte dagegen von der Q13 des Peutinger-Gymnasiums genutzt werden.
Noch viele Fragen offen
Wann tatsächlich Unterricht in dem Gebäude stattfinden könnte, ist derzeit noch nicht absehbar. Im laufenden Planungsprozess müssen zunächst zahlreiche Fragen geklärt werden. Dazu zählen unter anderem die Finanzierung sowie notwendige bauliche Anpassungen. Zudem ist eine Genehmigung durch die Schulaufsichtsbehörde erforderlich.
Dabei spielen auch standortspezifische Herausforderungen eine Rolle. So verfügt das Grundstück über keine eigenen Freiflächen. Weder ein klassischer Pausenhof noch Sportflächen können auf dem Gelände eingerichtet werden. Auch Fahrradabstellplätze und Stellplätze für Autos könnten lediglich im öffentlichen Raum geschaffen werden. „Erst nach Abschluss dieser Schritte kann ein realistischer Zeitplan für die Inbetriebnahme erstellt werden“, heißt es seitens der Stadt.
Verhandlungen für weitere Flächen laufen
Offen bleibt derzeit noch die künftige Nutzung des ersten Obergeschosses sowie der abgetrennten Fläche im Erdgeschoss am Martin-Luther-Platz. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Augsburg erklärt hierzu: „Für die verbleibenden Flächen im Erd- und Obergeschoss laufen derzeit intensive und vielversprechende Verhandlungen mit potenziellen Mietern.“ Gleiches gelte auch für den Bereich des ehemaligen Schreibwarenangebots beziehungsweise den Glasanbau. Auch hierfür zeichne sich eine tragfähige Perspektive ab.