Cyber-Mobbing: Behalt doch deine Meinung einfach für dich

Nach dem Tod von Kasia Lenhardt machen sich immer mehr Prominente gegen Cyber-Mobbing stark. Aber wieso haten eigentlich Leute gegen andere Personen in den sozialen Medien? Ein Kommentar.

Cyber-Mobbing: Behalt doch deine Meinung einfach für dich

„Pics or it didn’t happen“ – Die Möglichkeit jede Minute unseres Tages zu dokumentieren, gehört inzwischen zu unserem Alltag. Zuerst ein Foto vom gesunden Frühstück, dann ein Bild vom OOTD (Outfit of the day) und zum Schluss noch einen sexy Gute-Nacht-Gruß. Besonders Prominente inszenieren ihre Leben gerne in den sozialen Netzwerken. Die Beiträge suggerieren meist spontane Schnappschüsse, tatsächlich sind sie aber von A bis Z durchgeplant. Nicht selten sind Agenturen am Werk, die für den Promi posten: Denn die Angst vor einem Shitstorm ist groß. Jedes noch so kleinste Detail wird von den Followern analysiert und durchgekaut. Negative Reaktionen sind leider keine Seltenheit.

Cyber-Mobbing zerstört das reale Leben

Jetzt mag man denken „Wer sein Leben ins Rampenlicht stellt, der muss mit ablehnenden Kommentaren klarkommen. Kann man das nicht, darf man eben nichts über sich Preis geben“. Auf den ersten Blick erscheint das auch irgendwie logisch. Aber in Wirklichkeit ist das eine grausame Annahme. Das zeigte auch der Freitod der Ex-GNTM-Teilnehmerin und ehemaligen Liierten von Jerome Boateng, Kasia Lenhardt, wieder mal: Eine schöne Frau, Mutter eines jetzt 6-jährigen Sohnes, nimmt sich das Leben. Zurück bleibt eine bedrückende Stimmung: In den letzten Monaten schlachtete die Regenbogenpresse ihre Trennung vom Profifußballer aus, Hassnachrichten sammelten sich unter ihren Beiträgen. Gerüchte wurden gestreut, das ganze entwickelte sich zu einer wahren Hate-Orgie und endete mit dem Tod eines jungen Menschen. Aber was bringt die Leute dazu, solche Gemeinheiten zu schreiben? Warum hatet man auf Social Media, anstatt einfach weiter zu scrollen oder der Person zu entfolgen?

Anonym und unüberlegt

Zum einen ist da die vermeintliche Anonymität des Internets: Schließlich erschaffen wir mit unseren Social Media-Profilen eine Version von uns. Keiner weiß, ob der Mensch, der hinter einem Account steckt, mit dem kreierten Avatar übereinstimmt. So können die einen ein Leben in Saus und Braus zeigen, sogar ihren Urlaub faken (Wir erinnern uns an den vermeintlichen Bali-Urlaub von Influencerin natalia_taylor, die eigentlich nur in einem Ikea war) – oder aber man lässt seiner Missgunst freien Lauf. Durch die Anonymität hinter einem kleinen runden Profilbild fühlt man sich als User sicher. Im echten Leben, bei einer Unterhaltung face-to-face, ist die Hemmschwelle, jemanden zu beleidigen, wesentlich höher.

Dazu kommt, dass in der Schnelllebigkeit der Sozialen Medien weniger hinterfragt wird: Wie viele Hater überlegen sich wohl, ob sie ihren Senf wirklich dazu geben sollen, bevor sie auf „senden“ drücken? So landen immer wieder unbedachte Kommentare unter Beiträgen. Dabei stehen öffentliche Accounts prominenter Personen besonders im Fokus. Aber was geht es eigentlich dich und mich an, ob der Mensch darauf dick oder dünn ist, Cellulite oder O-Beine hat? Absolut nichts, richtig! Natürlich können wir uns darüber unterhalten, aber eher um die eigenen Problemzonen endlich zu akzeptieren, schließlich haben auch die Schönen und Reichen Orangenhaut. Aber zum Glück wehren sich inzwischen immer mehr Personen gegen Cyber-Mobbing: Wer stark genug ist, postet unretouchierte Bilder, zeigt den Körper nach der Geburt, steht zu seinen Schwächen.

Promis im Kampf gegen Cyber-Mobbing

So hat auch Cathy Hummels, die immer wieder sozialen Hasstiraden ausgesetzt ist, den Hatern den Kampf angesagt. Die Fußballergattin erklärte im Rahmen einer Reportage bei Akte auf Sat.1 im letzten Sommer: „Ich möchte verstehen, warum sie das machen. Ich möchte wissen, ob sie den Mut haben, mir das auch ins Gesicht zu sagen." Und weiter: „Das, was die machen, ist nicht mutig. Das ist feige, weil sie oft anonym sind. Hate, Cyber-Mobbing und Body Shaming ist feige."

Deswegen hat sie auch eine ihrer FollowerInnen in die Show eingeladen: Die 29-Jährige kommentierte unter ein Bild, das Cathy aus dem Krankenhaus hochgeladen hatte: "Dein Ernst? Du heulst wegen einer Magenspiegelung rum? Wie lächerlich du bist." Als Cathy die vermeintliche Haterin damit konfrontierte, ist die erstmal sichtlich geschockt: Schließlich wusste sie bisher nicht, wer sie warum im Studio treffen möchte. Später räumt sie aber ein: „Es ist nicht richtig. Ich dachte, vielleicht nimmt sie das gar nicht wahr oder für voll. Man weiß nicht, was bei den anderen dahinter steckt. Ich habe nicht darüber nachgedacht.“ Aber auch Promis haben Gefühle und lesen ihre Kommentare und Nachrichten. Ist da eine Kritik dabei, kann man das vielleicht noch wegstecken. Ein regelrechter Shitstorm lässt aber definitiv keinen kalt.

Wir wissen nicht, wer und was sich wirklich hinter einem Profil versteckt. Klar, wer sein Leben öffentlich zur Schau stellt, muss mit Kritik rechnen. Aber Beleidigungen, Beschimpfungen, Body-Shaming und Cyber-Mobbing sind keine Kritik.

Das sind mal subjektive Empfindungen, mal trotzige Reaktionen, mal unbedachte Kommentare und manchmal einfach der blanke Neid. Aber sie verletzen Menschen, ob die prominent sind oder nebenan wohnen. Deswegen gilt im Netz genauso wie im Real Life: „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg‘ auch keinem andern zu.“ Hilfe gegen Cyber-Mobbing gibt es zum Beispiel bei der Nummer gegen Kummer: Unter 116111 helfen kompetente Berater bei allerlei Problemen weiter. Eine andere Möglichkeit ist die TelefonSeelsorge: Unter der 0800/1110111 erreichst du ein offenes Ohr, das all deinen Problemen und Ängsten zuhört.


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