Darum gibt es in Deutschland keine Nerzfarmen mehr

In Dänemark wurden zahlreiche Nerze getötet, weil sie Covid-19 übertragen. In Deutschland gibt es seit letztem Jahr keine Nerzfarmen mehr. Aber haben wir hier in Augsburg deshalb nichts damit zu zun? Wir zeigen euch, was ihr über Pelz wissen müsst.

Darum gibt es in Deutschland keine Nerzfarmen mehr

Mit der Nachricht über die Tötung von 15 Millionen Nerzen in Dänemark, haben uns auch erschreckende Bilder von Nerzfarmen erreicht. Ein guter Zeitpunkt, sich mit dem Thema Pelz und der industriellen Pelztierhaltung auseinanderzusetzen.

Pelz ist früher wie heute beliebt. Während Pelze bis vor wenigen Jahrzehnten noch reine Luxusartikel waren, ist Echtpelz heute in allen Preissegmenten der Kleidungsindustrie vertreten. Das führt dazu, dass wir heute oft unwissentlich Echtpelz kaufen und die Pelzindustrie unterstützen. Und damit auch die grausamen Haltungsbedingungen, unter denen die Tiere leben müssen. Noch bis 2019 wurde auch in Deutschland so Pelz für die Modeindustrie produziert, bis die Branche hierzulande in jähes Ende fand.

Pelzproduktion lohnt sich in Deutschland nicht mehr

Seit einem Gesetzesbeschluss des Bundestags gelten seit 2017 erhöhte Mindestanforderungen an die Haltung von Tieren für die Pelzproduktion. Die Pelzfarmen haben 5 Jahre Zeit, den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Das Tiererzeugnisse-Handels-Verbotsgesetz fordert für die Pelztiere Nerz, Iltis, Rotfuchs, Polarfuchs, Sumpfbiber, Chinchilla und Marderhund beispielsweise frostfreie Tränken, Nestkästen, in die sich die Tiere zurückziehen können und eine Mindestgröße des Käfigs. Für Nerze und Iltisse muss der Käfig laut Gesetzestext so ausgestattet sein:

„Mit mindestens einer Plattform je Tier, auf der ein ausgewachsenes Tier liegen und sich aufrichten kann […]sowie mit Vorrichtungen zum Klettern, die nicht aus Drahtgitter bestehen, Haltungseinrichtungen für Nerze zusätzlich mit einem mit Wasser gefüllten Schwimmbecken mit einer Oberfläche von mindestens 1 Quadratmeter und einer Wassertiefe von mindestens 30 Zentimetern“. (Quelle: TierErzHaVerbG)

Die umfassenden Anforderungen machten die gewerbliche Pelztierhaltung unrentabel. Deshalb verschwanden die Pelztierfarmen in Deutschland nach und nach. 2019 wurde bestätigt, dass sich auch auf der letzten Farm – einer Nerzfarm in Rahden in Nordrhein-Westfalen – keine Tiere mehr befinden.

Warum wir unwissentlich Echtpelz kaufen

Die Annahme, in Deutschlands Modeläden würde kein Echtpelz aus Pelzfarmen verkauft, ist leider falsch. In großen Mengen finden die Pelze von Kaninchen, Chinchilla, Nerz und Iltis ihren Weg auf den deutschen Markt. Als Bommel an Mützen, als Fellkranz an den Kapuzen unserer Winterjacken oder als kleiner plüschiger Anhänger für die Handtasche. Das Problem dahinter ist, dass Echtpelz oft gleich teuer und in manchen Fällen sogar günstiger ist, als der falsche Pelz aus Synthetik.

Der größte Pelzproduzent Europas ist Dänemark. Im weltweiten Vergleich ist es China.

Der Verein „Vier Pfoten“ und der Deutsche Tierschutzbund untersuchten 2016 insgesamt 87 Kleidungsstücke aus 47 Geschäften in fünf Städten, darunter auch in Augsburg. Das traurige Ergebnis: 50 Prozent, der eigentlich kennzeichnungspflichtigen Artikel, wurden nicht als Echtpelz gekennzeichnet. Bei günstigen Produkten unter 10 Euro, wurde in keinem Fall Echtpelz als solcher ausgezeichnet. Bei einer vergleichbaren Recherche 2018 wurden ähnliche Ergebnisse zusammengetragen. Als Hotspot für Echtpelz, der nicht als solcher gekennzeichnet ist, erwiesen sich Weihnachtsmärkte. Nicht selten wird Echtpelz sogar fälschlicherweise als Kunstpelz ausgezeichnet.

So unterscheidest du Echt- von Kunstpelz

Weil der Echtpelz oft stark verändert ist, beispielsweise eingefärbt wurde, ist es oft nicht ganz einfach ihn als solchen zu identifizieren. Mit diesen Tests findest du heraus: Echt oder Fake?

  1. Haare auseinanderziehen: Wenn du Gewebe erkennst, handelt es sich um Kunstpelz. Siehst du feine, flauschige Haare und darunter vielleicht sogar Leder, ist es Echtpelz

  2. Pusten: Wenn sich die Haare von jedem Luftzug sofort bewegen, ist das ein Hinweis auf Echtpelz. Synthetisches Fell ist starrer.

  3. Feuertest: Zünde ein Haar an. Zieht es sich zu einem kleinen Klumpen zusammen, handelt es sich um Kunsthaar. Oder riecht es nach verbranntem Haar? (Der Test geht natürlich nur nach dem Kauf)

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