Wie feiert man nachhaltig Weihnachten?

Weihnachten, aka das Fest des Konsums. Wisst ihr, wie ihr das diesjährige Weihnachtsfest im Sinne der Nachhaltigkeit auf einfache Weise umgestalten könnt?

Wie feiert man nachhaltig Weihnachten?

Weihnachten. Es dauert nur noch wenige Wochen, bis das dritte der drei Hauptfeste der christlichen Kirche gefeiert wird. Wie ihr sicher auch schon bemerkt habt, laufen scheinbar alle außerhäuslichen Tätigkeiten, die in dieser Zeit unternommen werden, auf weihnachtliche Besorgungen und Vorbereitungen hinaus - ja, auch der Besuch des Augsburger Christkindlesmarktes kann als weihnachtliche Vorbereitung betrachtet werden…

Wer besonders von diesem Verhalten profitiert, ist die weihnachtlich-boomende, auf den stetig wachsenden Konsum geifernde Wirtschaft. Ein seltsamer Gedanke, wie ich finde. Das Fest, das eigentlich nur dazu anhalten soll, mit den Liebsten eine schöne Zeit zu verbringen und ihnen eine kleine Freude zu bereiten, versinkt schon seit vielen Jahren immer mehr im Geldsumpf des Kapitalismus.

Es ist an der Zeit, sich dem blinden Kaufrausch der Massen in der Vorweihnachtszeit zu entziehen, den Blick nach innen zu richten und über nachhaltige Alternativen nachzudenken. Ich meine damit nicht, dass man das Weihnachtsfest perse wie eine verseuchte Sau über Bord werfen sollte. Dieser Artikel soll euch nur ein wenig die Augen über die Möglichkeiten öffnen, ein nachhaltiges Weihnachten zu feiern. Dabei werde ich verschiedene Aspekte ansprechen, die als besonders traditionsbehaftet gelten.

Geschenke

Kommen wir als allererstes zum Hauptkonsumaspekt von Weihnachten. Der Gedanke, der die meisten von uns in der Vorweihnachtszeit nicht zur eigentlich gewollten Ruhe und Besinnlichkeit kommen lässt, lautet: “Für wen habe ich noch kein Weihnachtsgeschenk?”, beziehungsweise “Was soll ich bloß … schenken?”. Geht es nicht eigentlich den meisten von uns so, dass wir alles, was wir wirklich haben wollen, im Zweifelsfall selbst kaufen können (auch wenn dazu bei der ein oder anderen Sache eine längere Phase des Geldsparens notwendig ist)? Aus diesem Grund sind die besonders schönen Geschenke meistens entweder selbstgemacht, oder das Geschenk bezieht sich auf ein zukünftiges gemeinsames Erlebnis. Gemeinsame Zeit ist nicht nur ein sehr kostbares Geschenk, sondern auch nachhaltig.

Jetzt möchte ich euch aber noch ein paar kleine, nachhaltige Geschenk-Denkanstöße geben, die jeder auf einfache Art umsetzen kann.

Amazon

Klar, der Universal-Versandhandel ist eine naheliegende, einfache Option, wenn es um das Kaufen von Weihnachtsgeschenken geht. Es gibt jedoch zwei Gegenargumente, die euch davon abhalten sollten, große Mengen an Waren von Amazon zu kaufen. Erstens leiden lokale Einzelhändler unter den massenhaften Internetkäufen, woraus die Gefahr resultiert, dass unsere Innenstädte zukünftig immer mehr aussterben könnten. Zweitens brauchen wir uns nicht über verspätete Paketsendungen beschweren, denn gerade die Firma DHL ist vom immer weiter wachsenden Online Handel schlichtweg überlastet. Übrigens gibt es auch kleinere, spezialisierte Online-Versande, die einen bestimmten Anteil ihres Ertrags an gemeinnützige Organisationen spenden - für die von euch, die wirklich nicht auf das Bestellen verzichten können. Ein Beispiel dafür ist der Buchversand Buch7.de

Wichteln

Sicher hat jeder von euch schonmal von dieser Art des Schenkens gehört. Einige handhaben das Wichteln mit Hilfe eines Losverfahrens, bei dem ein Name eines Freundes oder Familienmitglieds gezogen wird, welcher ein Geschenk innerhalb eines bestimmten Preisrahmens erhält. Andere ziehen ein Geschenk, wie aus einer Tombola, zu welcher jeder eines beisteuert. Bei beiden Methoden erhält jeder am Ende ein Geschenk und es muss nicht viel Geld ausgegeben werden.

Schokonikoläuse und Konsorten

Gerade in der Weihnachtszeit werden Unmengen an Schokolade konsumiert. Eine Handlung im Sinne der Nachhaltigkeit wäre hier, beispielsweise nur noch Schokolade aus Bio-Produktion zu kaufen.

Weihnachtsbäume und -dekoration

Viele, die sich für alternative, nachhaltige Lebensmuster interessieren, hatten sicher schonmal den Gedanken “braucht es wirklich einen Weihnachtsbaum, um ein schönes Weihnachtsfest zu feiern?”. Die Antwort auf diese Frage muss sich natürlich jeder selbst überlegen und mit der Familie abstimmen. Für diejenigen, ohne die Weihnachten nicht Weihnachten wäre, wenn man keinen Christbaum aufstellt und schmückt, gibt es aber auch ökologische Alternativen. Informiert euch doch mal, wo man in eurer Umgebung Bio-Tannenbäume und/oder lokal gepflanzte Bäume kaufen kann. Gerade die allseits beliebte Nordmann-Tanne legt meistens weite Wege zurück, bis sie im heimischen Wohnzimmer steht und ist somit stark CO2 behaftet. Auch was die Dekoration angeht, können wir einfache, aber wirksame Strategien praktizieren. Es ist zum Beispiel nachhaltig, eine “Traditionsdeko” zu haben, die jedes Jahr auf’s neue verwendet wird, anstelle von ständig neu gekauften Kugeln, Lichterketten und kleinen Dekogegenständen, die irgendwann langweilig werden und ersetzt werden müssen. Wer die Muße besitzt, kann auch die Weihnachts-DIY-Seiten von Pinterest und Co. durchforsten, um aus Naturmaterialien selbstgemachte, wiederverwendbare Dekoration herzustellen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der auch unter den Punkt nachhaltige Dekoration fällt, ist die Wahl der Kerzen. Das mag zunächst banal klingen. Wenn man sich jedoch überlegt, wie viele Kerzen in der Weihnachts- und Winterzeit verbrannt werden, die aus nicht-nachhaltig angebautem Palmöl und Paraffin (das aus Erdöl und Braunkohle hergestellt wird) bestehen, wird schnell klar, dass das Thema durchaus von Bedeutung ist. Beim Kerzenkauf könnt ihr also zukünftig auf eine lange Brenndauer und auf das RAL-Gütezeichen achten.

Essen

Ein Thema, welches an Weihnachten fast noch die Geschenke und Dekoration an Bedeutung übertrumpft, ist das des Festessens. Für viele ein wunder Punkt, denn häufig kennen wir nur ein einzig wahres Weihnachtsessen. Ich möchte euch ein Szenario vorstellen, das in vielen Hinsichten mit Nachhaltigkeit verbunden ist:

Vor Weihnachten wird im Bio-Markt oder beim lokalen Metzger das Fleisch für das Festessen vorbestellt, damit sichergestellt werden kann, dass die Tiere aus nachhaltiger, artgerechter Zucht stammen. Alternativ, falls genug Zustimmung im Familienkreis herrscht, wird gänzlich oder teilweise auf Fleisch verzichtet und es werden leckere vegetarische oder vegane Alternativen gekocht. Das Kochen an sich erfolgt gemeinschaftlich. Jeder trägt in der Küche etwas zum Menü bei, sodass der weihnachtliche Organisationsstress minimiert wird. Auf dem Tisch steht am Ende nur eine kleine Auswahl an Köstlichkeiten, denn es kommt auf den Genuss und nicht auf die mengenmäßige Vielfalt des Essens an.

Ihr seht, auch auf kleinen Ebenen lässt sich einiges im Sinne der Nachhaltigkeit machen.

Geschenkverpackung

Zurück zu den Geschenken. Nicht nur was die Frage Was? angeht, können wir uns für nachhaltige, umweltfreundliche Lösungen entscheiden. Auch in Sachen Verpackungsmaterial ist uns in der heutigen Zeit viel Spielraum geboten. Hier können wir extrem kreativ werden, denn auch aus alten Materialien lassen sich sehr schöne Verpackungen zaubern. Zum Beispiel können wir alte Zeitungen, Landkarten, Schuhkartons oder Notenblätter verwenden. Wem das zu unordentlich aussieht, kann auch Geschenktücher, Blechdosen oder Einmachgläser nehmen. Verziert mit Schleifenband erwachen diese Gegenstände als schöne Verpackung wieder zu neuem Leben. Falls euch das auch zu umständlich ist und ihr lieber weiterhin Geschenkpapier verwenden wollt, gibt es auch die Option des Recyclingpapiers. In jedem Fall lohnt es sich am Heilig Abend das Papier nicht zu zerreißen, sondern möglichst ganz zu lassen und zusammen mit dem Schleifenband beim nächsten Geschenk-Anlass wiederzuverwenden.

Spenden

Zu Weihnachten versuchen wir unseren Liebsten eine Freude zu bereiten, von der sie möglichst viel oder lange etwas haben. Manchmal ist es allerdings nicht leicht ein schönes Geschenk zu finden, was dann häufig dazu führt, dass wir etwas mit dem Gedanken kaufen, dass der Andere das sicher schon irgendwie gebrauchen kann. Wäre es nicht eine schönere Lösung das Geld, welches man andernfalls in etwas investiert hätte, dass der Beschenkte eventuell nicht unbedingt braucht, für einen guten Zweck zu spenden? Es gibt eine Vielzahl an Hilfsorganisationen, die ich euch hier nicht aufzählen muss, weil ihr die Namen sicher kennt. Ein Konzept ist mir jedoch ins Auge gestochen. Die Firma Oxfam veranstaltet bis einige Tage nach Weihnachten die “OxfamUnverpackt” Aktion. Dabei könnt ihr euch ein Geschenk eines bestimmten Geldwertes aussuchen - beispielsweise eine Ziege für 28€. Diese 28€ werden dann in die Region gespendet, die im Bereich Hungerhilfe am meisten Bedarf haben. Der von euch Beschenkte erhält eine Postkarte und einen Magnet, als Dankeschön bzw. als Weihnachtsgeschenk.

Spenden ist in jedem Fall, egal für welche Variante ihr euch entscheidet, eine nachhaltige Investition, die mehr bringt, als jedes aus Verzweiflung gekaufte Weihnachtsgeschenk.

Hey, schön, dass du bis hier gelesen hast! In diesem Sinne, ein fröhliches und nachhaltiges Weihnachten!

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