Vielversprechende Mehrwegsysteme für Take-away in Augsburg

Augsburg soll Low-Waste-City werden. Einen großen Beitrag dazu sollen Mehrwegsysteme im Bereich der Gastronomie leisten. Diese vier Alternativen zu den üblichen Wegwerf-Verpackungen werden euch in Zukunft sicher öfter in Augsburg begegnen.

Vielversprechende Mehrwegsysteme für Take-away in Augsburg

Heute, am 20. Januar, lud das Umweltcluster Bayern zusammen mit dem Forum Plastikfrei Augsburg zu einer Online-Veranstaltung zum Thema Pfand-Mehrwegverpackungen für Take-away-Essen. Insgesamt vier Unternehmen stellten in einer kleinen Präsentation interessierten Augsburger Gastronomen ihre Mehrweg-Konzepte vor. Zudem berichteten drei Augsburger Restaurantbesitzer, die bereits Nutzer der Systeme sind, von ihren Erfahrungen. Damit ihr wisst, wie die Konzepte funktionieren und welche euch vielleicht schon bald begegnen könnten, stellen wir sie euch kurz vor.

Recup & Rebowl – Pfand

„Recup“ wurde im Jahr 2017 gegründet und startete damals seine erste Testphase in München. Heute werden die braunen und türkisfarbenen Recup-Becher in ganz Deutschland ausgegeben. Seit 2018 sind sie auch in Augsburg präsent und das sogar im Augsburg-Design. Allein in Augsburg gibt es 100 Ausgabestellen. Mittlerweile hat der Recup einen Buddy: Die „Rebowl“ - eine Schale aus BPA-freiem Polypropylen mit tropfsicherem Deckel. So soll auch das Essen-to-go ohne Wegwerf-Verpackung auskommen. Als Kunde könnt ihr die Rebowl für fünf Euro Pfand nutzen und überall, wo es die Bowls auch gibt, wieder abgeben. Aktuell gibt es ein „Rebowl“-Box-Modell. Zwei weitere sind allerdings in Planung, darunter eine mit Trenner.

Die Rebowl wird bereits vom Kolpings Café & Bistro „2er“ genutzt. Recups gibt es in Augsburg fast überall: In Bäckereien, in Cafés und auch im McDonalds. Einfach mal drauf achten.

Vytal – ohne Pfand, mit App

Das System von „Vytal“ funktioniert etwas anders: Hier kommt eine App ins Spiel. Wenn ihr euer Essen in einer Vytal-Box haben möchtet, müsst ihr euch zunächst eine App herunterladen. Hier wird gespeichert, dass ihr eine Box erhalten habt, indem das Restaurant oder Café, bei dem ihr euer Essen holt, einen QR-Code scannt, der auf der Box angebracht ist. Der große Vorteil für dich: Du zahlst keinen Cent für die Box. Erst wenn du es innerhalb einer zweiwöchigen Frist nicht schaffst, die Box an einen Vytal-Partner zurückzubringen, zahlst du zehn Euro.

Vytal-Boxen gibt es bereits im Nude Food und bei den Lokalhelden.

Recircle – Pfand

Echte Pioniere in Sachen Mehrwegsystem für Take-away in der Schweiz und auch in Deutschland sind „Recircle“. Für diese Boxen, die es übrigens in vier verschiedenen Größen gibt, zahlst du 10 Euro Pfand. Nach Gebrauch gibst du deine Dose bei einem Recircle-Anbieter ab und bekommst deine 10 Euro wieder. Alternativ lässt du dir dein Essen einfach in eine neue Box füllen. Ein simples Pfand-System, wie bei Recup also. Neben den Dosen gibt es Recircle-Besteck, einen Becher und sogar an einem Recircle-Pizzakarton wird gearbeitet. Produziert wird das Mehrweg-Geschirr in der Schweiz. Abgenutzte Boxen sollen zu neuen recycelt werden.

Tiffin-Konzept von Boxbote

Auch das Augsburger Unternehmen „Boxbote“ hat sich dem Thema Mehrwegsystem angenommen und setzt auf Tiffin-Boxen. Die Edestahl-Dosen sind vor allem in Indien sehr beliebt. Boxbote ist mit dem Tiffin-Konzept gerade in der Testphase in Augsburg. Die Idee des Lieferdienstes ist es, Gastronomen mit Tiffin-Boxen auszustatten, um bestelltes Essen in der umweltfreundlicheren Verpackung zu Kunden liefern zu können. Bei dieser Gelegenheit kann der „Boxbote“ direkt benutzte Boxen beim Kunden abholen und in das nächste Partner-Restaurant fahren.

Erfahrungen der Augsburger Gastronomen mit Mehrwegsystemen

Da die Recups bereits seit 2018 in Augsburg sind, konnten schon einige Gastronomen Erfahrungen mit Mehrwegsystemen in ihrem Restaurant oder Café machen. Martin Scherer ist gastronomischer Betriebsleiter bei der Kolping Stiftung und hat einen Einblick gegeben, wie das System in der Praxis funktioniert. Die Kolpings Restaurants und Cafés nutzen Recups und sind bisher die einzigen in Augsburg, die auch die Rebowls im Einsatz haben.

Noch wissen offenbar zu wenig Augsburger über die Mehrweg-Varianten Bescheid.

Martin Scherer wünscht sich mehr Marketing für die nachhaltigen Verpackungsoptionen. Er stellt fest, dass es keine automatische Nachfrage nach Recups oder -bowls gibt, sondern sie von Mitarbeitern aktiv beworben werden müssen. Nach dem Ausprobieren wären jedoch alle KundInnen überzeugt. Die Dosen hielten dicht und das Essen warm.

Ähnliches weiß auch Oliver Hüttenmüller, Betreiber der Kulperhütte, zu berichten. Auch hier habe die Erfahrung gezeigt, dass die Kommunikation mit den Kundinnen über das Angebot wichtig sei. Der Einweg-Becher dürfe nicht mehr automatisch der Standard sein.

Daniel Debus ist ein Augsburger Gastronom, der die Vytal-Boxen nutzt. Er betreibt das vegane Restaurant „Nude Food“ und schätzt den leichten Einstieg, den das Vytal-System bietet. Sowohl für die Gastronomen als auch für die Kunden. Die Boxen würden sehr gut angenommen und kämen schnell wieder zurück.

Fazit – Die Zukunft gehört den Mehrwegsystemen

In der Augsburger Gastronomie herrscht ein großes Interesse nach mehr Nachhaltigkeit in Sachen Take-away. Ein Treffen aller Gastronomen, die Mehrwegsysteme nutzen ist in Planung. Man will sich vernetzen und Erfahrungswerte austauschen. Die vielen Teilnehmer und die Berichte der Gastronomen haben außerdem gezeigt, dass die Augsburger gerne bereit sind, Mehrweg-Varianten zu nutzen.

Norbert Stamm vom Büro für Nachhaltigkeit bringt es auf den Punkt: „Wir wissen, dass wir Lösungen haben. Was wir brauchen ist mehr Bekanntheit“.

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