Das sind die MutMacherMenschen Augsburg

Immer mehr Menschen werden aufgrund einer psychischen Erkrankung arbeitsunfähig – zumindest im regulären System. Weil viele von ihnen trotzdem arbeiten wollen und können, gibt es die „MutMacherMenschen“.

Das sind die MutMacherMenschen Augsburg

In Augsburg gibt es einige tolle Projekte, die den Menschen in den Fokus stellen und für diejenigen da sind, die aus dem System gefallen sind. Eines davon ist die Produktivgenossenschaft „MutMacherMenschen“. Wir haben mit Edith Almer gesprochen. Sie ist Geschäftsführender Vorstand der Genossenschaft und hat uns erzählt, warum es die MutMacherMenschen gibt.

Was bieten die MutMacherMenschen

Die Genossenschaft wurde 2014 gegründet, um Menschen, die aufgrund psychischer Probleme im regulären Arbeitsmarkt keine Chance haben, einen Platz zu bieten. Dieser Platz kann entweder in der eigenen Manufaktur sein, in der beispielweise Holzarbeiten angefertigt werden oder er kann durch das Vermittlungs-Angebot der MutMacherMenschen in Form eines Mini-Jobs auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt geschaffen werden.

Der Bedarf ist groß

Die Werkstätten der MutMacherMenschen sind immer gut gefüllt. „Im vergangenen und in diesem Jahr hatten wir immer um die 40 Personen innerhalb der Manufaktur beschäftigt“, erzählt Edith Almer. Zusätzlich werden etwa 30 Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt begleitet. Seit sie 2014 mit einer ersten kleinen Werkstatt gestartet sind, sei die Gruppe stetig gewachsen.

Das spiegele den wachsenden Bedarf an Einrichtungen, wie die der MutMacherMenschen, wider. Edith Almer erzählt, dass laut einer Studie der AOK von 2019 eine psychische Erkrankung der zweithäufigste Grund für Fehlzeiten in der Arbeit gewesen sei. Gleichzeitig würden immer mehr Menschen aufgrund einer psychischen Erkrankung verrentet. Ebensolche Menschen, mit Erwerbsunfähigkeitsrente, fange das Netz der MutMacherMenschen auf.

Hoher Druck auf dem Arbeitsmarkt

Wo bleibt der Mensch in der Arbeit?

Den Grund für den Anstieg an psychischen Erkrankungen sieht Edith Almer unter anderem im Druck, der auf dem Arbeitsmarkt häufig bestehe. Bei den MutMacherMenschen seien viele Leute, die Positionen mit viel Verantwortung innehatten. Sie habe beispielsweise mit einem Informatiker gesprochen, der für große Unternehmen IT-Aufträge durchgeführt habe. Er konnte dem Druck irgendwann einfach nicht mehr standhalten, erzählt Edith Almer. „Da geht es nur um Zahlen und überhaupt nicht mehr um den Menschen“, sagt sie, „Das Problem unserer Gesellschaft ist, dass der Mensch in der Arbeit nicht mehr gesehen wird und die Bedürfnisse der einzelnen Person zu weit in den Hintergrund gedrückt werden“.

Arbeiten trotz Arbeitsunfähigkeitsrente

Auch junge Menschen werden aufgrund von psychischen Erkrankungen arbeitsunfähig.

So landen eine steigende Anzahl an Menschen in der Arbeitsunfähigkeitsrente. Sie werden vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen, weil sie unter drei Stunden leistungsfähig sind, erklärt Edith Almer. „Das hat natürlich einen bitteren Geschmack, denn es heißt, ich werde in der Gesellschaft als Arbeitskraft nicht mehr gebraucht – ich genüge nicht für die Gesellschaft.“ Das betreffe bei Weitem nicht nur alte Menschen. Viele junge Leute zwischen 30 und 40 Jahren seien bei den MutMacherMenschen. Durch das Angebot der Genossenschaft werde ihnen wieder eine Rückkehr und eine Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht. „Die Menschen brauchen eine Aufgabe, die sinnvoll ist und auch von der Gesellschaft gebraucht wird“.

Manchmal muss nur der Schreibtisch umgestellt werden.

Genau das finden sie bei den MutMacherMenschen. Und zwar entweder über die Arbeit in der Manufaktur oder in einem Mini-Job auf dem regulären Arbeitsmarkt, der von den MutMacherMenschen vermittelt wird. Bei der Vermittlung der Mini-Jobs zeige sich, dass sich der Arbeitsmarkt hier und da wandele und den Menschen wieder mehr in den Fokus rücke, erzählt Edith Almer. Doch oft vermittle sie solche ArbeitgeberInnen, die die Scheu vor psychischen Erkrankungen durch ihre persönlichen Erfahrungen bereits verloren haben. Zusammen mit den ArbeitgeberInnen bespreche sie beispielsweise, wie die Rahmenbedingungen aussehen können, damit die Menschen dort arbeiten können. „Manchmal ist es einfach die Umstellung des Schreibtisches, sodass die Person die Tür nicht im Rücken hat“, erzählt Edith Almer. Oft seien es Kleinigkeiten, die verändert werden müssen. Der Wille zu arbeiten sei bei allen Leuten da, immerhin haben sie die MutMacherMenschen aus eigenem Antrieb aufgesucht.

Wildbienenhotels, Futterhäuschen und Co.

In der Manufaktur der MutMacherMenschen entstehen hochwertige Produkte, die anschließend verkauft werden: Darunter Wildbienenhotels, Igel-Unterschlüpfe, Nistkästen und Vogelfutterhäuschen. Neu dazugekommen sind nachhaltige Abschminkpads aus Stoffresten.

„Wir verkaufen die Produkte normalerweise auch auf Märkten und gehen damit in die Öffentlichkeit. Das ist eine wunderbare Chance für die Menschen nochmal Anerkennung für ihre Arbeit zu bekommen. Diese Rückmeldung von außen ist sehr wichtig“, erklärt Edith Almer.

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