2 mal 5 Fragen an: WieSchall

WieSchall ist in München bereits ein echter Geheimtipp. Wir haben den Musiker zum Interview gebeten und kennengelernt.

2 mal 5 Fragen an: WieSchall

Auch wenn wir alle zurzeit wenig davon mitbekommen: Die Musik-Szene wächst stetig. Ein Musik-Schmankerl aus unserer Lieblingsstadt München – lest hier 5 Gründe, warum Augsburg besser ist als München – liefert uns WieSchall. Dahinter steckt Vishal Arora, der mit souliger Stimme von Dingen erzählt, die ihn bewegen – mal ernst mal locker. Durch You-Tube und Instagram konnte er bereits ohne einen einzigen Release Konzerthallen mit 400 Leuten füllen. Höchste Zeit den jungen Mann kennenzulernen.

Dein aktueller Song heißt „Pizza im Bett“. Wie kam es zu der Idee?

„Pizza im Bett“ ist eine klassische Covid-Story. Während der Pandemie habe ich anfangs den Trubel, die Parties und meine Freunde vermisst. Als ich dann mit einer Pizza im Bett lag, ist mir klar geworden, dass es gar nicht fetter Club-Action bedarf. Ein Döner-for-one tut‘s schon auch. Oder eine Pizza zu zweit – mit der richtigen Person.

In deinen Liedern verbindest du Rap mit Pop. Wie würdest du deine Musik beschreiben?

Nischig und vertraut zugleich. Ich versuche beim Songwriting meinen Fokus aber nicht nur auf ausgereifte Beats zu legen – mein Herzblut fließt in authentische Lyrics. Ich sehe mich da als Geschichtenerzähler der Kontraste – als brauner Junge in einem doch überwiegend weißen Land. Der nächste Song handelt von einer tragischen und wahren Geschichte eines Flüchtlingskindes namens „Selim“. Da braucht es keine dicken Bässe, sondern nur die Geschichte und die Musik, die sie erzählen darf.

Wovon handeln deine Lieder?

Die Songs erzählen von Geschichten, die ich teils in Indien erlebt oder gesehen habe. Manche davon sind mir hier widerfahren. Traurige ehrliche Geschichten, aber auch welche, die mich daran erinnern, wie schön es ist in einem Land zu leben, indem man alle Güter der Welt in den Schoß gelegt bekommen hat. Und deshalb handeln sie davon dankbar zu sein. Und manchmal auch von Pizza (und Dankbarkeit).

Wie kam es, dass du Sänger wurdest?

Ich hatte einen Autounfall. Ich wünschte, ich könnte sagen, ich habe versucht neugeborene Pinguinbabies vor Ninjas zu retten – aber das war einfach richtig dumm nicht gut hingeguckt. Es ist heute noch mein kleines Wunder, dass niemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist. Aber tief in mir dachte ich: Was, wenn’s das gewesen wäre? Ich wollte etwas machen, das ich für niemand anderen als mich selbst mache. Etwas, das mich mehr als nur beschäftigt. Etwas das ich fühle.

Wenn du eine berühmte Persönlichkeit – egal ob lebendig oder tot – treffen dürftest: Wer wäre es und warum?

Wenn ich das „berühmt“ weglassen darf, wäre es mein Opa. Dieser Mann hat mir so wertvolle Dinge hinterlassen und erst heute merke ich, wie sehr mir seine Stimme manchmal fehlt. Das mag kitschig klingen, aber ich vermisse ihn … und in vielen Lebenslagen könnte ich auch heute noch seinen Rat gebrauchen. Wenn es jemand Bekanntes sein muss, wäre es MoTrip. Nicht nur, weil ich ihn für einen inspirierenden Lyriker halte. Als Flüchtling hat er eine sehr erfolgreiche Musikkarriere hingelegt und dennoch Familie und Kinder daneben gemanaged.

Welches Buch/Film/Lied/Vorbild hat dich inspiriert, etwas in deinem Leben zu verändern?

Mein guter Kumpel Max Osswald hat mir mal sein Buch „Quarterlife Crisis“ in die Hand gedrückt. Auf S. 104 steht da „Was wir uns selbst antun, ist ganz schön dumm // Denn der Lebenslauf sollte sich nach dem Leben richten - und nicht andersrum.“ Diese Wahrheit hatte ich zu der Zeit in meinem Leben bitter nötig.

Eine schwere Entscheidung: Musik oder sichere Karriere?

Damals habe ich innere Kriege geführt, ob ich der Musik mehr Zeit widme oder eine vermeintlich sichere Karriere verfolge. Jetzt blicke ich zurück auf mehr als 100 Auftritte. Nicht mal bei einem dieser Gigs hatte ich das Gefühl, dass es nicht der beste Abend meines Lebens war.

Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen?

Trüffelpizza. Nein, Spaß. Für meine Freunde. Ich stamme aus einem sehr kleinen Berggebiet und da gab es nachts oft keine Möglichkeit mehr mit den Öffis oder Taxis nach Hause zu kommen. Also wurde ich mehrfach mit einem wehmütigen Anruf aus dem Schlaf gerissen, um jemanden mit dem Auto in der Kälte nach Hause zu fahren. Ich habe mich zwar jedes Mal dafür gehasst, dass ich das mache, aber als ich dann im Auto saß und wir nach zweieinhalb Minuten über den Abend gelacht haben, habe ich die Müdigkeit komplett vergessen.

Was verbindest du mit Augsburg?

Funny Story: Meine Schwägerin wurde nachts nach dem Feiern im Bus in Augsburg angemacht, während mein Bruder etwas weiterweg saß. Mein Bruder hat die Jungs allerdings gehört. Er ist zu ihnen hin und meinte: Passt mal auf, ich zeige euch wie’s geht. Er flüstert der vermeintlich Fremden etwas ins Ohr, um dann plötzlich wild mit ihr herumzuknutschen. Die Jungs im Bus heben wahrscheinlich heute noch ihre Kinnlade auf und ich habe mich vor Lachen nicht mehr eingekriegt. Was er ihr ins Ohr geflüstert hat? „Bananenbrot“.

Was ist dein Lieblingsort in Augsburg?

Das Sonnendeck in der Innenstadt - vor drei, vier Jahren habe ich dort meine besten Freunde aus der Schulzeit ganz zufällig getroffen. Das ist mir sehr im Gedächtnis geblieben. Außerdem ist das ein kleines bisschen Karibik mitten in der Stadt.

Was ist der nächste Step in deiner Musikkarriere?

Bedingt durch Corona ist es ja derzeit gar nicht so leicht Auftritte zu spielen. Das fehlt mir sehr. Daher schreibe ich gerade so viele Songs wie nur möglich und tobe mich kreativ aus. Ich und meine Jungs auf der Bühne bewerben uns parallel bei Festivals und als Vorband. Wir wollen auch unbedingt in Augsburg spielen. Aber so generell wäre der nächste Schritt Mama ein Haus zu kaufen und einen Song mit MoTrip aufzunehmen.

Wir sind gespannt, von ihm zu hören und freuen uns schon auf seinen Auftritt bei uns in Augsburg!

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