The Final Countdown: Ein Interview mit Modular-Festivalorganisatorin Julia Appel | Aktuelle Nachrichten und Informationen

In weniger als zwei Wochen steigt das beliebteste Jugendfestival Augsburgs. Zwischen Druck und Vorfreude haben wir uns mit Julia Appel, der stellvertretenden Festivalleitung, unterhalten.

The Final Countdown: Ein Interview mit Modular-Festivalorganisatorin Julia Appel

Wenn die Temperaturen allmählich steigen und wieder ein Gefühl von Frühling durch die Region geht, ist es wieder Zeit für das größte Jugendfestival Augsburgs: das Modular. Ins Leben gerufen von Jugendlichen für Jugendliche, hat es sich als feste Konstante im Augsburger Eventkalender etabliert. Die Mission ist klar, jungen Menschen nicht nur musikalisch anzusprechen, sondern auch ein Safer-Space für sie zu sein. Vielfalt ist das große Schlagwort, unter dem das Modular steht.

Im vergangenen Jahr gab es im Festivalnachgang jedoch Gegenwind aus der Politik. Das Festival sei „zu links“ hieß es vonseiten der Stadtregierung. Um mit einigen Klischees aufzuräumen und den wahren Mehrwert in den Mittelpunkt zu stellen, hat uns Julia Appel persönliche Einblicke gewährt. Sie ist seit 2022 dabei und erzählt, woraus ihr Alltag besteht, wie viele ehrenamtlichen Helfer:innen dabei sind, worin die Schwierigkeiten in der Planung liegen und warum das Modular wie eine große Familie ist.

Wie ist die Stimmung so kurz vor dem Festival?

Wir spüren große Vorfreude, und auch eine gewisse Portion Druck. Nach einem langen Jahr voller Planung mit vielen Veränderungen möchte man natürlich, dass alles läuft, wie man sich es vorstellt. Es gibt gleichzeitig immer Dinge, die sich nicht zu 100% fertig anfühlen. Das verlangt eine Menge Spontanität und darauf kommt es jetzt an: kluge Entscheidungen treffen und das Festival auf den Platz bringen! Es macht unfassbar viel Spaß zu sehen, wie alles ineinandergreift und das, was man über Monate zusammen geplant hat, real wird.

Wie viele Menschen sind insgesamt am Festival beteiligt?

Unsere Crew besteht aus 500 Ehrenamtlichen, davon wirken 90 Personen ganzjährig bei der Planung mit, entwickeln eigene Projekte und leiten dann vor Ort ihre Teams an. Nach vielen Monaten der Planung und vielen Treffen in den einzelnen Arbeitskreisen kommen wir nun häufiger in der großen Runde zusammen, zum Beispiel beim Einschwören: Dieses Jahr gab es einen offiziellen Crew-Anstich! Wir haben viele ganz eigene Traditionen und Rituale, die das ganze Festival begleiten und zu was ganz Besonderem machen. Ich glaube, das macht Modular auch aus: Wir veranstalten mit Herz und Modulamore!

Worin liegt die größte Herausforderung bei der Planung?

Unser Motto: Nach dem Festival ist vor dem Festival. In Sachen Planung geht’s da bei uns fast nahtlos über und die ersten Ideen für das nächste Jahr kommen meist schon, bevor das bevorstehende Festival überhaupt fertig geplant ist. Als non-profit Festival machen uns die Kostenentwicklungen in der Branche echt zu schaffen. Die größte Challenge ist es, so günstig wie möglich zu sein, aber unseren Besucher:innen auch etwas bieten zu können.

Was sind die konkreten Änderungen für 2026?

Im Apparatehaus entsteht in diesem Jahr eine Kreativlounge. Da wird’s dann eine Cafébar geben, viele verschieden Kunststände, man kann sich tätowieren lassen, ein Portrait von sich zeichnen lassen, Schmuck oder Kleidung kaufen und und und. Für mich ist das der Insta-Space des Festivals. Eine andere Sache macht mich besonders stolz: Als erste Veranstalter überhaupt machen wir Programm in einem der Teleskopgasbehälter. Was ebenfalls eine Veränderung zu den Vorjahren ist: die Newcomer:innen spielen in diesem Jahr auf den großen Bühnen! Mehr seht ihr dann auf dem Festival selbst.

Ganz grundsätzlich gefragt, wie wählt ihr überhaupt eure Acts aus?

Grundsätzlich richten wir uns mit dem Line Up an unsere Zielgruppen. Das heißt wird haben hier vor allem konzeptionelle Gesichtspunkte, die wir beachten. Bei Newcomer:innen kommt noch dazu, ob sie auch genügend Songs haben, um einen Slot zu füllen. Manche haben nur ein, zwei Songs. Da wird es schwierig 30 Minuten zu füllen. Sonst ist es uns natürlich wichtig ein abwechslungsreiches Programm zu bieten, dass auf unsere Zielgruppe abgestimmt ist. Da wir als Stadtjugendring ganz klar gegen rechts positioniert sind, tolerieren wir keine Art von Hass oder Hetze und achten darauf, wem wir da eigentlich eine Bühne bieten. Wir sind ein Ort für Demokratie, Vielfalt und Werte und behalten uns daher vor, Leute auszuschließen, die da nicht mitgehen. Und wenn jemand meint, dass Festival sei „zu links“, dann passt das auch so. Jugendkultur darf anecken.

Was sind deine persönlichen Highlights dieses Jahr?

Es ist immer superschwer, sich ein Highlight rauszupicken. Modular heißt ja genau, dass viel aufeinmal passiert. Auf der Bühne freu ich mich total auf die Disarstar-Show und auch auf Blond. Ansonsten ist es nichts Materielles, denn ich freue mich vor allem auf die Crew! Sei es das bunte Treiben während dem Aufbau zu begleiten, bei der offiziellen Volunteer Begrüßung alle 500 zu empfangen und auf die Bühne holen zu dürfen oder am Sonntagabend gemeinsam den Headliner anzuschauen, sich in den Armen zu liegen und zu realisieren: Wir haben es wieder gerockt! Wir arbeiten alle für eine gemeinsame Sache. Dieses Engagement und Herzblut Jahr für Jahr miterleben zu dürfen macht mich immer wieder stolz!

Das Modular Festival 2027

In der Zwischenzeit gibt es bereits Neuigkeiten für das kommende Jahr. Mit dem Hintergrund der Kostenfrage und den sinkenden Besucherzahlen wird sich das Festival 2027 mit einer Neuausrichtung beschäftigen. Man wolle noch näher an die Lebensrealität der Jugendlichen. Daher wird es nächstes Jahr kein großes Festival am Gaswerk geben, es wird im kleineren Rahmen stattfinden. Dazu möchte sich der SJR auch die Wünsche und Ideen der Jugendlichen abholen. Ziel ist also nicht mehr, wer auf die Bühne soll, sondern welche Jugendkultur die Stadt benötigt.