Augsburgs beste Late-Night-Show auf der Suche nach dem Sinn des Lesens

Fallon, Gottschalk, Böhmermann - Große Entertainer mit genauso großen Fußstapfen, in die das Modular mit eigener Latenight-Show treten wollte. Die Retrospektive zeigt: Mit Erfolg!

Augsburgs beste Late-Night-Show auf der Suche nach dem Sinn des Lesens

Unter dem Motto „Der Sinn des Lesens“ wurde am Samstagabend zur exklusiven Late-Night-Show in der Modular-Zentrale geladen.

Marius Müller glänzte als eloquenter Host und führte eines Böhmermanns würdig durch das Programm. Bevor es zu den einzelnen Talkgästen ging, gab es aber erstmal einen klassischen Stand-Up-Part. Darin ging es um den ESC und die Möglichkeit, durch eine Teilnahme von Kollegah und Farid Bang im nächsten Jahr auch dieses umstrittene Event effizient zum Verschwinden zu bringen, die Schwangerschaft von Youtube-Beauty-Queen Bibi und die berühmten Enten aus dem Wittelsbacher Park.

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Für die Rolle des Sidekicks wurde the one and only Otto verpflichtet, der mit Musik, Soundschnippseln und scharfen Sprüchen seinen Senf zum Geschehen gab. Senfgelb wurde dann auch das Outfit, als er zur Polizei-Uniform wechselte und als „Vollstrecker des PAG“ in der Zentrale für Recht und Ordnung sorgte. Das ging dann sogar soweit, dass ich an einer Stelle verhaftet und mit Handschellen an die Bühne gekettet wurde, weil meine Wenigkeit „unerlaubt“ fotografiert haben soll. Nach kurzer Zeit kam ich dann aber wieder frei und es gab einen Pfeffi als Entschädigung - Immerhin!

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Anspruchsvolle Lektüre und Modulargeschichten mit Stefan Sieber

Erster Gesprächspartner war Stefan Sieber, den man u.a. als Geschäftsführer der Golden Glimmer Bar oder seinem Schaffen als DJ in Augsburg kennt. Da er aber auch das Modular in den frühen Jahren mitorganisiert hat, konnte er einiges zum Festival und seinen naiv-hoffnungsvollen Anfängen erzählen. Bauzäune und Absperrungen? Hat man damals nicht daran gedacht. Und dass ein Festival mit freiem Eintritt, auf dem die damaligen Senkrechtstarter Kraftklub auftraten, vielleicht ein wenig zu viel Andrang auslösen könnte, hatte man auch nicht so auf dem Schirm. Da sei es schon wirklich beeindruckend, was mittlerweile aus dem Modular geworden ist!

Stefan Sieber hatte aber nicht nur alte Modular-Anekdoten im Gepäck, sondern auch anspruchsvolle Lektüre im Jutebeutel. So stellte er “Verschwende Deine Jugend“ von Jürgen Theipel vor, das die Geschichte der deutschen Punk-Szene beleuchtet und „Mehr Als Laut“ vom gleichen Autor, in dem DJs von ihrem Berufsalltag erzählen. Sehr spannend!

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Enten-Experte Patrick Jung und der Spaten in der Dusche

Dann gab es mit Patrick Jung ein aktuelles Mitglied des Modular-Teams auf dem Sofa, das sich außerdem als großer Enten-Experte herausstellte und von seinem Besuch bei den bereits erwähnten Promi-Vögeln aus dem Wittelsbacher Park berichtete. Demnach gehe es den 12 von ursprünglich 14 Küken gut, jedoch sei ein Abwärtstrend erkennbar und bis zum Festival mit einer deutlich reduzierteren Anzahl der Entenfamilie zu rechnen, wenn die natürliche Auslese weiter greift. Oh No!

Um nach dieser schockierenden Nachricht die Stimmung zu heben, hatte Patrick ein altes, von ihm verfasstes Werk mitgebracht, das sich um einen Gesprächsverlauf im Whatsapp-Chat seiner WG dreht. Viele von uns dürften ja selber schon mit dem ganz normalen Wahnsinn eines WG-Alltags in Berührung gekommen sein, aber wer hatte schon mal mit nicht abgewaschenem Geschirr in der Mikrowelle, einem Spaten in der Dusche und einem wandernden Frostschutzkanister zu tun? Die Geschichte einer liebenswerten Chaos-Wohngemeinschaft sorgte für einige herzliche Lacher im Publikum.

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Kerstin Woinowski auf der Suche, wer dem Maulwurf auf den Kopf gemacht hat

Als einzige Dame unter den Gästen und weiteres Modular-Crewmitglied erzählte Kerstin Woinowski a.k.a. DJ KAYWOY von der Arbeit in der Zentrale, bei der sie als Teamleiterin den metaphorischen Hut auf- bzw. die Hosen anhat.

Literarisch hatte sie ein ganz besonderes Schmankerl mitgebracht, das die wirklich wichtigen Fragen des Lebens behandelt: „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“. Ein Bilderbuch, dessen Titel die komplette Handlung schon wunderbar zusammenfasst und erstaunliche Eindrücke von den Hinterlassenschaften der Tierwelt gibt. Die Lesung wurde gleichzeitig zum Plädoyer für das Kinderbuch, dass auch Erwachsenen kurzweilige Unterhaltung und neue Erkenntnisse bieten kann.

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Philip Röltgen über intelligenten Hiphop und Fatoni's Vorurteile

Den Abschluss machte Philip Röltgen, der vor allem für sein großes Engagement im Rap- und Hiphop-Bereich in Augsburg bekannt ist. Mit seiner Musikcommunity Dailyrap.de versucht er, das Image vom Sprechgesang zu retten - was in Zeiten, wo Vertreter wie Kollegah und Farid Bang mit negativen Schlagzeilen für Shitstorms sorgen, nicht wirklich leicht ist.

Um zu zeigen, dass Hiphop als poetischste Musikform durchaus intelligent und kreativ sein kann, trug Philip dann die Lyrics von Fatoni's und Juse Ju's Klassiker „Vorurteile“ vor. Aber nicht gerappt, sondern im Poetry-Slammer-Style! Das klang nicht nur verdammt cool, sondern ließ auch schön die Message des Songs besser wirken: Ein Spiel mit den Klischees, die allgegenwärtig sind, und zu denen man selbst immer wieder gerne greift, auch man es nicht zugeben will. „Was, das sind nur Vorurteile? Ich habe keine Vorurteile! Nur Nazis haben Vorurteile!“

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Alles in Allem war die improvisierte Talk-Show eine spaßige, lehrreiche Latenight-Extravaganza, die auch gerne im nächsten Jahr wieder mit einem Hauch vom Neo Magazin illustre Gäste in der Festival-Zentrale versammeln darf. Ein gelungener Einstand!

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