SJR plant Neustart, Kulturszene warnt vor Folgen: Die Debatte um das Modular 2027 | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Wie wird es mit dem Modular weitergehen? Nicht mehr so wie bisher, so der SJR. Der Neustart stößt jedoch nicht überall auf Zustimmung. Aus der Kulturszene kommen kritische Stimmen – und die Hoffnung, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

SJR plant Neustart, Kulturszene warnt vor Folgen: Die Debatte um das Modular 2027

Gerade erst ist das Modular vorbei – und der Abschied fällt in diesem Jahr noch etwas schwerer. Denn es gibt kein festes Versprechen mehr auf das nächste Jahr. Das Festival soll in seinem dreitägigen Format vorerst nicht fortgeführt werden, so der Stadtjugendring Augsburg (SJR) als Veranstalter. Eine Entscheidung, die bei vielen auf Unverständnis trifft.

Warum der Stadtjugendring einen Neustart plant

Der Stadtjugendring begründet seine Entscheidung unter anderem mit dem starken Wandel in der Festivalbranche, der sich insbesondere bei den Kosten für Sicherheit, Technik, Infrastruktur sowie Personal bemerkbar mache. „Gleichzeitig sollen Festivals für junge Menschen bezahlbar bleiben“, heißt es auf der Website des SJR. Schon seit Jahren zeigten sich die finanziellen Herausforderungen auch bei der Planung des Modular Festivals. Nun hat das Team die Reißleine gezogen und für 2027 grundlegende Änderungen vorgesehen.

Ein Beteiligungsjahr für die Zukunft des Festivals

Der SJR spricht von einem „Beteiligungsjahr“, in dem die Ausrichtung des Festivals neu gedacht werden könne. Dafür wolle man auf junge Menschen in Augsburg zugehen und ihnen die Frage stellen, wie sie sich ein Jugendkultur-Event beziehungsweise Festival in Zukunft vorstellen.

Im Raum steht derzeit die Idee, das neue Modular zunächst kleiner, urbaner und dezentraler zu gestalten. Denkbar seien beispielsweise Pop-up-Formate, kleinere Bühnen, Modular-Camps, Beteiligungsaktionen oder Veranstaltungen in der Innenstadt und den Stadtteilen.

„Grundsätzlich gehen wir in diesen Beteiligungsprozess absolut offen, weil wir eine echte Beteiligung ermöglichen wollen“, sagt Heidi Hofstetter, Geschäftsführerin des SJR. Sobald sich in diesem Prozess konkrete Formate abzeichnen, würden Gespräche mit allen relevanten Akteuren sowie der Stadtpolitik geführt werden.

Auch die Stadt sieht Handlungsbedarf

Auch seitens der Stadt heißt es, dass auf veränderte Rahmenbedingungen reagiert werden müsse. Dies gelte insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Stadtjugendring mit einem ehrenamtlichen Vorstand an der Spitze nicht mit der Organisation eines Events dieser Größenordnung überfordert werden dürfe.

Die Stadt habe den SJR in den vergangenen Monaten eng begleitet und stehe auch weiterhin für Planungen und Überlegungen zur Verfügung. Im Vordergrund stünden nun zunächst die inhaltlichen Fragen, bevor man sich der konkreten Umsetzung sowie der Finanzierung widmen könne.

Kritik aus Politik und Kulturszene

Doch die Reaktion auf die Pläne fällt keineswegs einheitlich positiv aus. Auch innerhalb der Stadtpolitik sind unterschiedliche Stimmen zu hören. So reichte die grüne Stadtratsfraktion einen Antrag ein, in dem Klarheit über die Zukunft des Modular Festivals sowie eine fortlaufende finanzielle Unterstützung des Neuausrichtungsprozesses und der Jugendkulturarbeit gefordert wird.

Auch die Club- und Kulturkommission Augsburg (CUKK) äußert sich auf Anfrage kritisch zu dem Vorhaben. „Aus unserer Sicht darf es aber kein festivalfreies Jahr geben. Alle Strukturen, Kontakte zu Booking-Agenturen, Sponsoringkontakte und vieles mehr gehen sonst verloren“, so die CUKK. Die Erfahrung zeige: Ist ein Festival einmal verschwunden oder ein Club geschlossen, bleibe es meist dabei.

„Die Abstimmung erfolgte Jahr für Jahr mit den Füßen“ - CUKK

Auch auf die Idee, die jungen Menschen aus Augsburg zu fragen, ob und in welcher Form sie künftig ein Festival wollen, findet der Verein eine deutliche Antwort: „Aus unserer Sicht braucht niemand die Augsburger zu fragen, ob sie ein Festival wollen. Es waren ja auch dieses Jahr wieder über 20.000 Menschen am Gaswerk. Die Abstimmung erfolgte Jahr für Jahr mit den Füßen.“ Betont wird dabei die besondere Bedeutung des Modular als über viele Jahre hinweg einzig großes und relevantes popkulturelles Festival in Augsburg. Ein Wegfall sei daher ein erheblicher Verlust – sowohl für junge Menschen in der Stadt als auch für die Live-Kulturbranche und die lokale Wirtschaft.

„Die Bühne wird in Augsburg fehlen“ - Clemens Wieser

Diesen Verlust sieht auch Clemens Wieser, der bis 2025 der Festivalleitung angehörte und das Booking des Modular verantwortete. „Die Bühne wird in Augsburg fehlen“, sagt er. „Sowohl bei den lokalen Acts, die vielleicht irgendwann selbst zu Headlinern werden, als auch bei den großen etablierten Artists, die Jahr für Jahr gerne aufs Modular gekommen sind.“

Gibt es noch Hoffnung für 2027?

Wie also steht es nun um die Zukunft des Modular Festivals? Aktuell liegt diese Entwicklung in den Händen des Stadtjugendrings, der erklärt: „Grundsätzlich gehen wir in diesen Beteiligungsprozess absolut offen, weil wir eine echte Beteiligung ermöglichen wollen.“

Dennoch scheint sich in Teilen der Augsburger Kulturszene noch die Hoffnung zu halten, dass sich die Entwicklung möglicherweise noch einmal in eine andere Richtung bewegen könnte. So erklärt die CUKK: „Sollte sich aus den funktionierenden, professionellen wie auch den ehrenamtlichen Teilen des Modular Festivals tatsächlich eine Initiative oder ein Verein für ein Festival 2027 entwickeln, unterstützen wir das kulturpolitisch zu 100 Prozent.“

Die CUKK selbst sei als ehrenamtlicher und nicht geförderter Verein ohne hauptamtliche Mitarbeiter nicht geeignet, ein vergleichbares Festival zu organisieren. Doch arbeitet der Verein bereits an neuen Projekten: Gemeinsam mit Clubs und Veranstaltungsstätten soll im Dezember 2026 erstmals das „Loop Clubfestival Augsburg“ stattfinden.