Was ist mit den Mieten los?

Die Mieten steigen in ganz Deutschland. Auch hier in Augsburg spüren wir das. Doch was bedeutet das konkret für uns Bewohner?

Was ist mit den Mieten los?

Anlässlich des „That sucks-Days“ hatten wir gefragt, was euch so richtig an Augsburg nervt. Ganz oben mit dabei waren die steigenden Mieten. Wir können das gut verstehen und in diesem Artikel möchte ich meine ganz persönliche Meinung zum Wohnungsmarkt mit euch teilen. Natürlich könnte ich hier mit endlosen Statistiken um mich werfen oder die genauen Entwicklungen aufschlüsseln. Viel interessanter finde ich aber, wie wir Augsburger selbst die Situation erleben und was das Ganze für uns bedeutet.

Meine persönliche Erfahrung Ich kann mich gut an den Anfang meines Studiums erinnern. Ich startete 2011 mit meinem Bachelor. Auch wenn das keine Ewigkeit in der Vergangenheit liegt, sahen die Mietpreise noch ganz anders aus. Klar früher war ohnehin alles besser. Das Abi frisch in der Tasche, die erste eigene Wohnung mit dem besten Kumpel und zu Füßen eine Stadt voller neuer Möglichkeiten. Trotz Semesterstart hatten wir gute Auswahl in den verschiedenen Stadtvierteln. Natürlich war der Markt auch damals nicht überschwemmt mit Schnäppchen.Der generelle Mittelwert war trotzdem weit unter dem, was da heute teilweise so gefordert wird. Am Ende sind wir dann mit top Uni-Lage nach Hochfeld gezogen. 90 m², 3 Zimmer und knapp 600 Euro kalt. Auch das war viel Geld für uns, ging aber klar.

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Zwischenzeitlich wurde die Unterkunft dann von einem großen Immobilienkonzern aufgekauft. Von da an hat man sehr schnell große Veränderungen gespürt. Plötzlich wurden Modernisierungsmaßnahmen fällig, die zuvor komischerweise Jahrzehnte niemanden interessierten. Die Fassade und die Fenster wurden erneuert. Der Klassiker eben. Wer sich ein wenig mit der Gesetzeslage auskennt, der weiß, dass in Folge dieser Maßnahmen Mieterhöhungen zulässig sind. Klar. Das wurde dann auch in vollem Umfang ausgenutzt.

2016 haben sich meine Lebensumstände geändert und ich suchte eine neue Wohnung. Damals merkte ich schon, dass sich der Markt total gewandelt hat. Bei der Wohnungsabnahme unterhielt ich mich mit einem sehr offenen Mitarbeiter der Immobilienfirma. Sogar er fand die Entwicklungen „unter aller Sau“ (um es in seinen Worten zu sagen). Das Ganze begründete er auch konkret: „Die Wohnung hier wird jetzt locker für 300 Euro mehr ausgeschrieben!“ Das ist ein Aufschlag von rund 50%. Wenn da nicht etwas gewaltig schief läuft, weiß ich auch nicht weiter.

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Augsburg: Die Studentenstadt? Augsburg ist ein Paradies für Studenten. Das möchte ich gar nicht in Frage stellen. Mein Studium hier war eine schöne Zeit. An sich finde ich das Angebot für Studenten sehr ansprechend und abwechslungsreich. Wenn man sich jetzt aber die Mietpreise ansieht, stellt sich schon die Frage, wie sich das Studenten in Zukunft noch leisten sollen.

Klar gab es schon immer die harten Workaholics, die sich ihren Lebensunterhalt neben dem Studium komplett selbst verdienen: Den Nebenjob als Verkäufer gekonnt zwischen die Seminare gestaffelt, bei den Vorlesungen reichen auch die Power Point Folien am Ende des Semesters und als Barkeeper gibt es am Wochenende ordentlich Trinkgeld. Jetzt stellt sich aber die Frage, wann man noch mehr Freiraum für die Arbeit schaffen soll, um den Entwicklungen am Wohnungsmarkt gerecht zu werden? Vielleicht müssen Studenten zukünftig einfach auf ihren Schlaf verzichten?

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Jetzt sind das natürlich die Härtefälle. Erfahrungsgemäß werden die meisten Studierenden ja glücklicherweise von ihren Eltern unterstützt. Auch ich gebe ehrlich zu, dass für mich die finanzielle Stütze meiner Eltern notwendig war, um wirklich sinnvoll studieren zu können. Klar habe ich auch gejobbt, aber am Ende des Tages sollte man sich ja doch noch vorrangig auf die Uni konzentrieren. Ich frage mich wie das in Zukunft aussehen soll? Einerseits gibt es Eltern, die ohnehin wenig verdienen und andererseits wird es angesichts der steigenden Mietpreise auch für Normalverdiener alles andere als einfach dem Kind unter die Arme zu greifen. Bedeutet das vielleicht auf lange Sicht, dass nur noch Kinder wohlhabender Familien studieren können? Leben wir nicht in einem Land, in dem jeder den gleichen Zugang zu Bildung haben sollte?

Schere zwischen arm und reich? Auch fernab der Studenten haben viele Augsburger mit den Veränderungen schwer zu kämpfen. Um das Ganze für mich selbst ein wenig spürbarer zu machen, habe ich meinen ehemaligen Hochfelder Nachbar befragt. Er lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in einer Dreizimmer Wohnung. Von damals weiß ich, dass er als Lagerarbeiter nicht gerade mit Reichtum gesegnet ist. Beim Gespräch bestätigt er meinen kritischen Eindruck schnell. Seine Mietkosten sind bis heute laufend gestiegen. Dadurch, dass er noch seinen alten Vertrag hat, sind die Möglichkeiten der Immobilienfirma zum Glück beschränkt. Die gesetzlich möglichen Erhöhungen werden aber voll und ganz ausgeschöpft. Was das auf lange Sicht bedeutet, ist alles andere als schön:

„Ich weiß beim besten Willen nicht was wir in ein paar Jahren machen sollen, wenn sich nichts an der Situation ändert. Noch kann ich die jährlichen Erhöhungen stemmen, aber irgendwann müssen wir uns etwas Neues suchen. Ich weiß nicht wo. Vielleicht auf dem Land. Aber auch da steigen die Mieten, wenn man eine einigermaßen gute Anbindung möchte und die brauche ich allein wegen meinem Job.“

Ich sehe die Gefahr, dass sich auf lange Sicht in Augsburg, aber auch generell in Deutschland, eine noch stärkere Schere zwischen arm und reich herausbilden könnte. Es könnte ähnlich wie in vielen Städten der USA dazu kommen, dass in Randgebieten verstärkt sozial schwächere Vororte und gleichzeitig innerorts wohlhabende Bezirke entstehen. Ich persönlich finde, dass das unserer alternativen und vielseitigen Kultur in Augsburg widersprechen würde.

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Alles eine Frage der Perspektive Natürlich ist das jetzt erstmal eine sehr subjektive Sichtweise. Wenn man das Ganze dann mal aus den Augen eines Münchners betrachtet, sieht die Lage schon wieder ganz anders aus. Viele Bewohner der bayerischen Landeshauptstadt sehen Augsburg inzwischen als günstigen (und übrigens auch hippen!) Vorort. Das liegt einfach daran, dass die Preise in München nochmal eine ganz andere Hausnummer sind. Verglichen dazu ähneln die Kosten in Augsburg gerade mal dem Münchner Umland. Kein Wunder also, dass Augsburg für München-Pendler ein attraktiver Wohnort ist. Mehr geboten ist hier eben doch als auf dem Münchner Land. Aber auch hier merken Interessenten schnell, dass gerade bei Nähe zum Hauptbahnhof tief in die Taschen gegriffen werden muss. Die Makler wissen genau vom Augsburger Reiz als Pendler-Heimat. Während der Student und der einfache Arbeiter also generell kaum noch bezahlbare Wohnungen finden, ist es auch für Besserverdiener schwer, eine Unterkunft mit attraktiver Lage zu bekommen. Wohnungen am Lechhausener oder Oberhausener Stadtrand sind da in der Regel keine wirkliche Option.

Insgesamt ist alles wie immer eine Frage der Perspektive. Ich bekomme das Gefühl nicht los, dass sich unsere Stadt langsam an den Münchner Wahnsinn angleicht. Wollen wir hoffen, dass das alles nur mein persönlicher Eindruck ist und dass die Wohnungen bald wieder bezahlbarer werden. Es wäre doch schade, wenn unsere Studentenstadt für junge Leute zu teuer wird, sich unsere Heimat bald nur noch die Elite leisten kann und die Mieten ganze Familien in die Armut treiben.

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