Start-up: Weidefleisch aus der Region für die Augsburger Supermärkte

Immer mehr Menschen legen beim Fleisch-Kauf Wert auf Regionalität und Tierwohl. Das haben zwei Augsburger erkannt und bringen mit ihrem Start-up das Fleisch vom Bauernhof um die Ecke in die Augsburger Supermärkte.

Start-up: Weidefleisch aus der Region für die Augsburger Supermärkte

Raphael und Markus heißen die beiden ehemaligen Studienkollegen, die innerhalb kürzester Zeit das Start-up „Mein Weidefleisch“ gegründet haben. Ihre Idee: Die Nachfrage der Supermarkt-KundInnen nach regionalem Fleisch aus naturnaher Weidehaltung bedienen, indem sie direkt mit den LandwirtInnen zusammenarbeiten. Wir wollten von den beiden wissen, wie alles angefangen hat und worauf sie bei der Auswahl ihrer Partnerhöfe Wert legen.

„Man kann nicht alle Menschen überzeugen, kein Fleisch mehr zu essen. Aber man kann ihnen eine Alternative zu Billig-Fleisch bieten.“

Eigentlich ist Raphael in der Welt der Film- und Videoproduktion zuhause. Er hat seine eigene Medien-Firma und macht nebenbei noch ein Zweitstudium. Das Thema Fleisch beschäftige ihn privat aber schon sehr lang. „Ich beziehe mein Fleisch seit einigen Jahren von kleinen Höfen. Im Supermarkt kaufe ich gar kein Fleisch mehr ein“, erzählt er. Dabei wird ihm schnell bewusst, dass viele Leute, die gerne gutes, regionales Fleisch kaufen würden, nicht die Möglichkeit oder die Zeit haben, dafür so weit rauszufahren. „Das Fleisch muss seinen Weg in den Supermarkt finden“, dachte er sich und die Idee für „Mein Weidefleisch“ war geboren. Seither sind anderthalb Jahre vergangen, in denen Raphael unter anderem seinen ehemaligen Studienkollegen Markus mit ins Boot holte.

Hier steht „Mein Weidefleisch“ heute

Im Fokus steht eine tiergerechte Haltung.

Aktuell gibt es einen Partnerhof und eine Rewe-Filiale (Rewe-Reinecke) in Augsburg, mit denen die „Mein Weidefleisch“-Jungs zusammenarbeiten. Bei der Wahl des Hofes machten sich Raphael und Markus ein ganz genaues Bild von der dortigen Tierhaltung. Das Tierwohl sei für „Mein Weidefleisch“ das Wichtigste, erzählt er. Bei der Suche nach passenden Höfen seien sie auf viel Interesse seitens der Landwirte gestoßen. Doch nicht bei allen passe es. „Wir wollen, dass all unsere Partnerhöfe unsere Kriterien erfüllen, daher ist die Suche gar nicht so einfach. Der Biohof Silbernagl aus der Ammerseeregion, der erste und derzeit einzige Partnerhof von „Mein Weidefleisch“, erfüllt die Ansprüche der Jungunternehmer:

  • Die Tiere werden auf der Weide, so naturnah wie möglich gehalten.

  • Keine langen Transportwege, am besten Weideschlachtung (die will der Partnerhof umsetzen)

  • Kein importiertes Zusatzfutter, sondern Eigenanbau vom Hof selbst.

  • Die Kühe behalten ihre Hörner.

  • Keine Trennung von Kalb und Mutterkuh.

  • Über 1000 Quadratmeter Platz pro Tier.

Damit stellt „Mein Weidefleisch“ an die Haltungsform der Rinder höhere Anforderungen als es die EG-Öko-Verordnung oder die Verordnungen der Bio-Verbände tun.

Support für kleine Höfe

Mit „Mein Weidefleisch“ wollen die beiden Gründer kleine Höfe unterstützen, die mehr und mehr von großen Betrieben verdrängt werden. Gleichzeitig sollen LandwirtInnen dazu angespornt werden, für eine naturnahe und artgerechte Haltung ihrer Tiere zu sorgen. Labels und Zertifizierungen spielen für Raphael bei der Hofauswahl keine Rolle. „Es gibt Höfe, die arbeiten nach wesentlich höheren Standards, als es eine Bio-Zertifizierung vorschreibt“, erzählt er. „Uns ist einfach wichtig, dass die Betriebe ihre Tiere draußen halten und so natürlich wie möglich.“

„Kann ich mir nicht leisten“, gibt’s nicht

„Wir wollen Leute dazu bewegen, bewusster zu konsumieren und außerdem weniger Fleisch zu essen“, erzählt Raphael. Die Aussage „Gutes Fleisch kann ich mir nicht leisten“, ist für Raphael eine Ausrede. „Fleisch kann sich jeder leisten, wenn er weniger davon kauft.“

Wie geht es mit „Mein Weidefleisch“ weiter?

Derzeit gibt es ausschließlich Rind von „Mein Weidefleisch“, doch die beiden Gründer sind auf der Suche nach passenden Höfen, um in Zukunft auch Schweinefleisch und Geflügel anbieten zu können. „Schweine werden in Deutschland oft unter miserablen Bedingungen gehalten“, erzählt Raphael. Doch auch hier sind die beiden auf der Suche nach Weideschweinen. Derzeit sind weitere Hof- und auch Supermarkt-Kooperationen in Planung. Was ihr Ziel für die nächsten zwei bis drei Jahre ist? „Wir wollen die Leute überzeugt haben, dass Weidefleisch einfach das bessere Fleisch ist und auch viel besser schmeckt“, ist Raphaels Antwort darauf.

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