Lab30 – Kunst, die Spaß macht

Auch dieses Jahr erfreut das Augsburger Medienkunst-Festival „lab30“ im abraxas wieder durch außergewöhnliche Exponate, spannende Performances und zahlreiche Premieren.

Lab30 – Kunst, die Spaß macht

Oft wird mit einem Ausstellungs- oder Museumsbesuch eine sehr trockene Angelegenheit assoziiert: Gemälde hinter Sicherheitsglas, schweigende Statuen und beklemmende Stille. Dass das auch anders geht, zeigt das „lab30“, welches die Zuschauer durch seine Exponate einbindet, fasziniert und begeistert. Wir waren da und haben euch ein paar der zahlreichen Eindrücke festgehalten, die euch dort erwarten.

Die Ausstellung im Überblick

Die Medienkunstausstellung im Kulturhaus abraxas umfasst dieses Jahr 17 Exponate von Künstler:innen aus Deutschland, Europa und Kanada. Kulturreferent Jürgen K. Enninger traf den Kern des Festivals ziemlich gut, als er es mit diesen Worten beschrieb: „Es bietet eine Plattform für Kunst- und Technik-Experimente, die alte und neue Medien spielerisch einsetzen, Blickwinkel erweitern und zum Umdenken und Mitmachen einladen“. Viele der Ausstellungsstücke sind interaktiv und beschäftigen sich mit aktuellen Themen wie künstlicher Intelligenz, Nachhaltigkeit, Klimawandel und Selbstdarstellung. Bei den meisten Exponaten werden die Künstler:innen auch selbst anwesend sein und stehen Rede und Antwort zu ihren Werken.

Eine kleine Tour durch einzelne Werke

Wir möchten euch nun eine kleine Führung durch die Ausstellung geben, wobei wir jedoch nicht nur einen Bruchteil der Exponate, sondern auch nur einen Hauch deren fantastischer Wirkung wiedergeben können.

Entstehung eines bunten Planeten

Unser Rundgang soll im Untergeschoss des abraxas beginnen. In der Mitte des Raumes erwartet euch schon die erste beeindruckende Installation: „RE:PLACES“. Hierbei handelt es sich um einen 1,70 Meter hohen, komplex gebauten Roboter, der sich auf drei Beinen durch den großen Raum bewegt. Dabei transportiert er verschiedenes Granulat, hergestellt aus Plastikmüll, das er in seinem Inneren erhitzt und schließlich als bunte Massen ausscheidet. Das heiße Material wölbt und windet sich, bis es abkühlt und schließlich endgültig in seiner Form erstarrt. So entstehen verschlungene Formen mit glasartigen Oberflächen und faszinierenden Farbübergängen. Diese Auswürfe lässt der Roboter im Raum verteilt auf dem Boden liegen, sodass mit der Zeit eine stetig wachsende bunte Landschaft entsteht. Dieses Projekt soll durch ästhetische Annährung auf den Themenkomplex Kunststoff und die damit einhergehenden Probleme hinweisen, die sich aus dessen Verwendung ergeben. Die während der Ausstellung entstehenden Objekte können dem Roboter erneut als Rohmaterial dienen, sodass sich der Kreislauf schließt.

Strich für Strich

Weiter geht es mit einem Projekt, das im Laufe der Ausstellung auch einer Transformation unterliegt. Bei der Installation „ausschlaggebend“ ist ein alter Thermograph so manipuliert, dass seine Nadel immer ausschlägt, wenn Tweets mit dem Begriff „Augsburg“ veröffentlicht werden oder sich Messwerte im Zusammenhang mit den Umweltdaten der Stadt ändern. Die farbige Kreide an der Thermographennadel hinterlässt dabei jedes Mal eine Spur auf dem Messpapier, sodass ihr im Laufe der Ausstellung der Anzahl an Strichen bei Wachsen zusehen könnt. Die sonst digitalen Spuren hinterlassen hier analoge.

Als Sandsturm in Ägypten

Doch nun genug zugeschaut: jetzt lassen wir den großen Roboter und den Thermographen mal ganz allein ihre Arbeit machen und widmen uns der nächsten Installation. „APOPHIS“ ist eine interaktive Video- und Audioinstallation, die in Echtzeit die Zuschauenden in die Partikelwolke eines Sandsturms verwandelt. Ihr könnt vor der Leinwand wild herumspringen oder langsame, meditative Bewegungen machen – ganz egal was, die kleinen Sandkörner werden euren genauen Bewegungen folgen.

Wenn aus Sprache Kunst wird

Jetzt aber Schluss mit dem Tanzen! Eine weitere Attraktion, die ihr auf keinen Fall verpassen solltet, befindet sich nämlich auch noch in dem Kellerraum und trägt den Namen „Speech to Google Images“. Hier steht ein Fernseher auf ein paar Paletten, davor ist ein ein Mikrophon platziert. Was hat das zu bedeuten? Den Google Übersetzer kennen und lieben wir ja alle – doch habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, wie es aussehen würde, den eingesprochenen Satz in Bildern, anstatt einer anderen Sprache rauszubekommen? Luis Faderls Programmierung macht das möglich und übersetzt das Gesagte Wort für Wort in die ersten Bilder der Google Image Suchfunktion. In Sekundenschnelle spielen sich diese dann auf dem Bildschirm ab und haben dabei schon für den ein oder anderen Lacher gesorgt.

Tanz der Spinne

Nun ist es an der Zeit ein Stockwerk höher zu gehen, denn dort wartet die Attraktion „Spider and I“ auf euch. Ein sechsbeiniger Roboter bewegt sich hier auf dem Boden, der abgesehen von zwei fehlenden Beinen äußerlich an das Auftreten einer Spinne erinnert. Schaut man dem Roboter eine Weile zu, scheint es, als würde er eine kleine künstlerische Choreographie aufführen. Mal verharrt er reglos, schon im nächsten führt er einen kleinen Freudentanz auf, der jedoch in einer Haltung des Misstrauens und folgender Aggressivität endet. Womit hängen diese plötzlichen Verhaltensänderungen des Exponats zusammen? Mit dem emotionalen Zustand des Künstlers! Dieser trägt während der Ausstellung durchgehend eine Smartwatch, die seine biometrischen Daten in Echtzeit an den Roboter übermitteln. Verrückt, oder? Ihr könnt ihm ja mal einen Witz erzählen und schauen, was die Spinne dann so macht.

Smart Hans Is Watching You

Eine letzte Attraktion möchten wir euch noch vorstellen. Kennt ihr den klugen Hans, also das „gedankenlesende Pferd“, das Anfang des letzten Jahrhunderts lebte? Der „Smart Hans“ ist eine künstlich intelligente Reinkarnation des Tiers, die mittels Gestenerkennung eure Gedanken lesen kann. Dafür müsst ihr fest an eine beliebige Zahl denken, die das animierte Pferd dann anschließend durch das entsprechend oft wiederholte Scharren mit dem rechten Vorderfuß aufdecken wird. Diese Installation lädt zwar zum Spielen ein, ist gleichzeitig jedoch auch eine Warnung vor der öffentlichen Überwachung.

Während der ganzen Zeit hat der Thermograph noch immer fleißig seine Striche gesetzt und der RE:PLACES-Roboter weiterhin seine Plastikhäufen auf dem Boden verteilt. Wie weit die beiden Kunstwerke wohl gekommen sind, während ihr die anderen Ausstellungsstücke bewundert habt? Da müsst ihr euch selbst überzeugen.

Spannende Erfahrungen bei außergewöhnlichen Shows

Die 17 Exponate der Kunstausstellung werden von einem umfassenden Performance- und Konzertprogramm umrahmt, deren Vorstellungen häufig auditive und visuelle Eindrücke auf außergewöhnliche Weisen miteinander verbinden. Dabei spielen die Künstler mit den Sinnen der Zuschauer, indem sie auf die kuriosesten Arten verschiedene Klänge erzeugen und diese an eine ungewöhnliche Bühnenshow koppeln. Dominik Tremel führt beispielsweise in seiner Show „Material // Strom“ durch eine Fahrradfelge und eine Baustellenstütze, die er mikrophoniert unter Strom setzt, den Klang eines ganzen Orchesters herbei. Kaum vorstellbar, oder? Auch Alex Augier begeistert in seiner Audio-, Video- und Laser-Performance „hex/A\“ die Zuschauer. Wie ein Pinsel aus Licht verstärkt der Laser das Video und damit auch die Wahrnehmung, die wir von ihm haben und schafft dadurch ganz neue Perspektiven. Die Aufführungen finden meistens abends statt, doch genauere Informationen dazu findet ihr auf der Website der Ausstellung.

Wer wird wohl gewinnen?

Auch eure Stimme ist bei dem Festival gefragt: Neben dem von einer Fachjury bestimmten „lab award“, wird es dieses Jahr auch einen Publikumspreis geben. Ihr könnt bis einschließlich Samstagnachmittag für euer Lieblingsexponat abstimmen, bevor die Preisverleihung schließlich am Samstag, den 29. Oktober, um 22:45 Uhr im Theater stattfindet. Kleiner Tipp: Nehmt euch vor der Wahl Zeit, denn oft steckt hinter den Kunstobjekten eine Botschaft oder Geschichte, die euch die Werke nochmal mit ganz anderen Augen sehen lässt.

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