Aus für Luca-App: Warum Bayern sich dagegen entschieden hat

Bayern hat sich entschieden, die Luca-App zur Rückverfolgung von Corona-Kontakten nicht mehr zu nutzen. Der Vertrag läuft zum 5. April 2022 aus.

Aus für Luca-App: Warum Bayern sich dagegen entschieden hat

Bayern will Luca-App nicht mehr nutzen, wie das Gesundheits- und Digitalministerium mitteilte. Die App diente zur Rückverfolgung von Kontakten in Bezug auf Corona.

Kontaktnachverfolgung durch Omikron erschwert

Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) erklärte: „Auf der Grundlage einer genauen Nutzenbewertung haben wir uns entschlossen, nach Auslaufen des Nutzungsvertrags der Luca-App diesen nicht zu verlängern.“ Stattdessen setzt Bayern auf eine anonymisierte Kontaktverfolgung und die Weiterentwicklung der Corona-Warn-App. Nach Holetschek soll diese zukünftig den Platz der Luca-App einnehmen.

Zuletzt scheiterte die Luca-App an der neuen Omikron-Variante. Durch die rasante Verbreitung sei eine individualisierte Nachverfolgung von Kontaktpersonen nicht mehr möglich, wie die Gesundheitsämter berichten. Hinzu kommt, dass sich der Einsatzbereich der App deutlich reduziert hat, unter anderem, weil die Pflicht zur Kontaktdatenerfassung in Bayern, wie etwa in Restaurants, deutlich zurückgefahren wurde.

Im April 2021 hatte Bayern eine Lizenz über zwölf Monate für die landesweite Nutzung der Luca-App erworben. Im Falle einer Infektion konnten die zuständigen Gesundheitsämter die in der App erfassten Kontaktdaten der infizierten Person abfragen und Kontaktpersonen, die beispielsweise im selben Restaurant gegessen haben, über den positiven Corona-Fall verständigen. Die Nutzung kostet den Freistaat monatlich rund 450.000 Euro.

Nutzen umstritten

Ein weiterer Grund, warum Bayern die Luca-App nicht mehr nutzen will, ist, dass sie seltener zur Kontaktnachverfolgung genutzt wurde. Laut Umfrage des „Spiegel“ griffen die deutschen Gesundheitsämter kaum darauf zurück. Die 54 Ämter, die mit der App hätten arbeiten können, haben bisher nie Daten angefordert. Knapp zwei Drittel aller Ämter konnten noch nie eine Infektionskette mithilfe der Luca-App nachverfolgen.

Datenschutz ungenügend

Seit Veröffentlichung der App blieb auch der Datenschutz umstritten. Laut Recherchen des ZDF-Nachrichtenportals „heute.de“ wurden die Daten in mindestens fünf Fällen unerlaubt verwendet. Polizei und Staatsanwaltschaften haben bundesweit in mehr als 100 Ermittlungsverfahren auf persönliche Daten zur Kontaktnachverfolgung zugegriffen, unter anderem, um einen versuchten Tötungsdelikt aufzuklären.

Bremen und Schleswig-Holstein ziehen mit

Auch andere Bundesländer wollen die Luca-App in Zukunft nicht mehr nutzen und lassen daher den Vertrag auslaufen, darunter Bremen und Schleswig-Holstein. Das Gesundheitsministerium in Brandenburg empfahl ebenfalls auszusteigen. Weitere Länder prüfen derzeit, ob sie dem Beispiel folgen. Die Bundesländer Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen hatten nie eine Lizenz zur Nutzung der Luca-App erworben.

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