Wie LGBTQ-freundlich ist Augsburg?

Wie lebt es sich als LGBTQ-Person in Augsburg? Wir haben einen Aktivisten getroffen und darüber gesprochen.

Wie LGBTQ-freundlich ist Augsburg?

Die Zeiten wandeln sich. Erst 1994 wurde Homosexualität in Deutschland entkriminalisiert - unter der Regierung Adenauer auch noch circa 50.000 homosexuelle Männer verurteilt und noch viele mehr angeklagt. Heute ist die Gesellschaft nicht nur gegenüber Schwulen und Lesben, sondern auch den gesamten LGBTQ* - also auch Trans- und Intersexuellen - offener geworden. Das ist auch gut und richtig so. Gibt es aber noch Handlungsbedarf? Wir haben einen Aktivisten getroffen und befragt.

„Augsburg ist nicht München“, erklärt er, „ich denke, in Augsburg fehlen noch ein paar LGBTQ*-Bars.“ Viele Menschen aus der Community würden sich nämlich freuen, in Augsburg auch in Bars und Kneipen einkehren zu können, in denen man beispielsweise für seinen Partner nicht komisch angeschaut wird, oder zumindest nicht auffällt. Größere Veranstaltungen für ebendiese Zielgruppe wären allein die Lovepop.

Dennoch ist die Situation in der letzten Zeit glücklicherweise in Augsburg - und Deutschland generell - besser geworden. Am 30. Juni 2017 stimmte man im Deutschen Bundestag darüber ab, ob ein Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts entworfen werden sollte. Die Mehrheit stimmte mit einem JA für die Ehe für alle - lediglich größere Teile der CDU/CSU Fraktion stimmten gegen den Vorschlag.

Die bundesweite Stimmung scheint also - zumindest was die Abgeordnetenmeinung angeht - gegenüber Schwulen und Lesben positiv zu sein. Und in Augsburg? Die für Augsburg-Stadt und Augsburg-Land Abgeordneten im Bundestag, Hans-Jörg Durz und Volker Ullrich (beide CSU), stimmten zwar gegen die Ehe für alle, doch eine generelle Blockade der Augsburger Bevölkerung ist das natürlich nicht. In unserer Stadt gibt es tatsächlich einige Vereine, unter anderem das Queerbeet und den CSD-Verein, die sich um Aktionen der LGBTQ*-Szene kümmern. Dort gibt es auch Beratungstermine. Unser Aktivist erklärt: „Mehr Probleme als Schwule und Lesben haben vor allem transsexuelle Menschen. Oft sind Eltern panisch, da sie sich fürchten, ihre Kinder könnten in der Schule diskriminiert werden, oder schlechtere Chancen beim Finden eines Arbeitsplatzes haben.“ Es muss also mehr Aufklärung her - nicht nur an Schulen, sondern auch im öffentlichen Gespräch, sodass kein Bürger der Stadt aufgrund seiner Identität diskriminiert wird. Wie in so Vielem gilt nämlich auch hier Handlungsspielräume nutzen. Denn die meisten Menschen sind nicht ablehnend gegenüber der LGBTQ*-Gemeinde, wenn sie erst einmal einen LGBTQ*-Menschen kennengelernt haben, der sich dann als das herausstellt, was er eigentlich ist: Ein ganz normaler Mensch. Tatsächlich ist diese Ablehnung nämlich oft nur Unsicherheit gegenüber dem Thema, da man selbst eher selten oder nie damit konfrontiert wird, um sich ein eigenes Bild zu machen.

Deswegen die Devise: Diskriminiert nicht und nutzt eure Handlungsspielräume, um Diskriminierung zu unterbinden!

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