Lettl-Museum – ein Raum für surreale Kunst in Augsburg

Die Kunstwerke des Augsburgers Wolfgang Lettl haben endlich einen Platz im Herzen Augsburgs: im ersten Museum für surreale Kunst in Süddeutschland.

Lettl-Museum – ein Raum für surreale Kunst in Augsburg

Erbsen, die zwischen einer zerschlissenen Tapete hindurch aus der Wand kullern, junge Matrosen in blau-weißen Uniformen, die in einem hölzernen Ruderboot schwebend die Baumwipfel einer Allee passieren und kräftige rötlich braune Ochsen, die aus den Arkaden eines im Wasser versunkenen Amphitheaters herausblicken. Wolfgang Lettls Werke in Worte zu fassen ist nur schwer möglich. Wer die Gemälde des Augsburger betrachtet, versinkt in einer übergeordneten Realität, die Träume, Visionen, Unwirkliches und Fantastisches zum Leben erweckt.

Werke aus allen Schaffensphasen

Im vergangenen Dezember haben die faszinierenden und paradoxen Kunstobjekte von Wolfgang Lettl endlich einen beständigen Platz mitten im Herzen Augsburgs gefunden. Auf rund 630 Quadratmetern werden über 130 Werke des autodidaktischen Künstlers aus all seinen Schaffensphasen präsentiert.

Das Lebenswerk einer Künstlerseele

Wolfgang Lettl wird 1919 in Augsburg geboren. Bereits während seines Wehrdienstes in Paris beginnt er zu aquarellieren. Nach viermonatiger Kriegsgefangenschaft kehrt der junge Lettl 1945 zurück in seine Heimatstadt und nähert sich erstmals der surrealen Kunst an. Ein Stil, den er bis zu seinem Lebensende verfolgen wird. Doch zunächst arbeitet er für seinen Lebensunterhalt als Bau- und Lagerarbeiter, widmet sich nur nebenbei der Landschafts- und Porträtmalerei.

Mit Mitte 30 wagt der den Sprung in die Selbstständigkeit als freischaffenden Maler und führt Sgraffiti, Mosaike, Farbfenster und Porträtzeichnungen im Auftrag anderer aus. Parallel dazu entwickelt Lettl seinen surrealen Stil weiter. Im Jahr 1993 gründen BürgerInnen schließlich einen Verein, um in Augsburg Räumlichkeiten für die mittlerweile sehr bekannten Werke zu suchen. Und sie werden fündig: die IHK Augsburg-Schwaben stellt ihr Atrium bis 2013 zur Verfügung.

Neuer Raum für surreale Kunst in Augsburg

Vergangenes Jahr wäre der 2008 verstorbene Wolfgang Lettl 100 Jahre alt geworden. Der perfekte Zeitpunkt für die Eröffnung des Lettl-Museums. Florian Lettl, der Sohn des Künstlers, hat zusammen mit dem Verein zur Förderung surrealer Kunst e.V. und der Stadt Augsburg Raum für die Gemälde des Künstlers geschaffen. Nebenbei bemerkt das erste und einzige Museum für surreale Kunst in Süddeutschland. Hier sollen zukünftig Kunst, Musik und Lesungen kombiniert werden, die nächste Veranstaltung findet am 6. März 2020 statt.

Unter den Gemälden des Museums befinden sich etliche eingelagerte, aber auch verschollene Werke, wie beispielsweise das „Selbstbildnis mit Reichsgründung und grünen Erbsen“. Über 40 Jahre in brasilianischem Privatbesitz kam es auf Umwegen über Italien, Schweden und Frankreich zurück zu Florian Lettl. Neben diesem und unzähligen weiteren surrealen Werken befinden sich impressionistische Bilder, inspiriert durch seine Zeit im süditalienischen Apulien, sowie frühe Aquarellansichten aus Paris und dem zerstörten Augsburg in dem Museum.

Adresse: Zeuggasse 9, 86150 Augsburg
Öffnungszeiten: Di. – Do. 13 – 17 Uhr, Fr. – So. 11 – 17 Uhr

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