Insolvenz der Gersthofer Backwerke - Wer hat Schuld?

Die Gersthofer Backwerke mussten in diesem Jahr Insolvenz anmelden, was unter anderem die Schließung der Augsburger Lechbäck Filialen zur Folge hatte. Wer die Schuld daran trägt, ist umstritten.

Insolvenz der Gersthofer Backwerke - Wer hat Schuld?

Über 400 Stellen mussten gestrichen werden, als die Gersthofer Backwerke Insolvenz angemeldet haben. Diese Entwicklung sorgte auch dafür, dass auch die zum Unternehmen gehörenden Lechbäck Filialen in Augsburg geschlossen werden mussten. Dadurch saßen weitere 80 Arbeitnehmer von einem Tag auf den anderen ohne Arbeit und ohne Absicherung da. Dementsprechend groß ist auch der Unmut, der von den Ex-Angestellten kundgetan wird - sowohl mit einer groß angelegten Demonstration, die am Donnerstag, den 13.12., durch die Stadt zog, als auch mit selbstverfassten Schildern an den Türen ihrer Bäckerfilialen. Wie es aber immer in Fällen ist, bei denen so viele Parteien wie in diesem Beispiel involviert sind, wird die Schuld immer jemand anderem zugeschoben.

Lechbäck: Konsumenten sind Schuld

Für manche Lechbäck Angestellten ist die Sache klar: Die fehlende Kundschaft in der letzten Zeit ist die Ursache für die Schließungen. So erklärt ein selbstgeschriebenes Schild, dass die Leute lieber zu „minderwertigen Aufbackprodukten aus dem Discounter“ greifen anstatt zu den eigenen angebotenen, „frisch gebackenen Waren“ und schiebt damit den schwarzen Peter auf die Konsumentenseite. Damit machen sie es sich aber ziemlich einfach. Klar greifen mittlerweile viele auf die bequemere Variante zurück und nehmen beim Discounterbesuch dort schnell ihre Backwaren für Daheim mit, als extra zum Bäcker des Vertrauens zu gehen. Aber die komplette Insolvenz mit schwindenden Kundenzahlen zu begründen? Sehr gewagt, vor allem wenn man bedenkt, dass die Gersthofer Backwerke auch Aldi beliefert haben.

Kunden: Qualität von Lechbäck ist Schuld

Diese Anschuldigung ließen sich die Kunden aber nicht auf sich sitzen und meldeten sich unter dem Foto der Presse Augsburg auf Facebook. Sie führen schlicht die mangelnde Qualität der Backwaren an, die dafür gesorgt haben, dass die Verkäufe zurückgegangen sind. „Billig“ und „nicht wirklich anders als beim Discounter“ soll das Angebot von Lechbäck schmecken. Da sei es dann kein Wunder, wenn sich viele den Gang zum Bäcker sparen und für weniger Geld mehr bekommen. Jetzt kann man das natürlich als reine Trotzreaktion der beleidigten Kunden sehen, aber irgendwie muss der Schwund ja erklärbar sein und eine Unzufriedenheit mit der Qualität kann natürlich ein Teil der Ursache sein.

Experten: Gersthofer Backwerke haben zu hoch gepokert

Fassen wir also zusammen: Diese eher simplen Argumente haben möglicherweise zur Insolvenz beigetragen, können aber nicht alleine dafür gesorgt haben. Expertenmeinungen nach gibt es nämlich noch weitere Punkte, die höchstwahrscheinlich plausibler sind. So erklärt laut Stadtzeitung Tim Lubecki von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, der die Demo am 13.12. organisiert hat, dass die Geschäftsleitung „den Marktrend verschlafen und sich bei der Verhandlungen mit Aldi verzockt“ habe. Die Backbetriebe seien in letzter Zeit „kein zuverlässiger Lieferant für Aldi“ mehr gewesen und da sie gleichzeitig in den letzten Wochen „offensiv versucht hätten, dem Discounter höhere Preise und langfristige Zusagen abzuringen“, sei dieser dann vermutlich einfach komplett abgesprungen.

Und nun?

Ehrlich gesagt ist es doch momentan statt der Klärung der Schuldfrage viel wichtiger, sich um all die Menschen zu kümmern, die jetzt vor Weihnachten ohne Job dastehen und nicht wissen, wie es weitergehen soll. Zum Glück hat sich seitdem auch einiges getan: Berichten der Augsburger Allgemeinen zufolge soll die Serafin-Unternehmensgruppe, die vor vier Jahren die Gersthofer Backbetriebe und das Lechbäck-Filialnetz übernommen hatte, den Beschäftigten des Backwerks nicht nur ein Weihnachtsgeld und den offenen Dezember-Lohn auszahlen, es sollen außerdem zusätzliche Gelder für weitere Zahlungen auf ein Treuhandkonto fließen. Für die Lechbäck Arbeitnehmer werde noch eine separate Lösung erarbeitet.

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