Diese Augsburgerin lebt minimalistisch!

Die Bestellung im Internet nach einem Tag schon da, der Kleiderschrank läuft förmlich über. Aber muss der Pullover, der schon lange viel zu klein ist, wirklich im Schrank einstauben? Der Minimalismus sagt: Nein! Aber wie lebt es sich als Minimalist?

Diese Augsburgerin lebt minimalistisch!

Minimalismus als Form des bewussten Lebens und Konsums. Immer öfter liest man in sozialen Netzwerken von verschiedenen Challenges, die den eigenen Besitz reduzieren. Als da wären die 333-Fashion-Challenge, bei der mit 33 Kleidungsstücken drei Monate bestritten werden sollen. Oder es gilt das Credo, man dürfe insgesamt nur 100 Dinge besitzen. Und so kommt schnell der Gedanke auf, dass das Leben als Minimalist anstrengend, fern von Freude und Genuss stattfindet. Dass das bloßes Vorurteil ist, weiß Christine Pehl (45). Die Augsburgerin ist als Unternehmensberaterin und Coach für Nachhaltigkeit unterwegs und lebt seit 10 Jahren selbst minimalistisch:

„Bewusst und minimalistisch zu leben, macht mich zufrieden, baut Stress ab und verschafft mir mehr Zeit für die wichtigen Dinge im Leben. Es geht nicht darum, alles zu entsorgen, sondern sich bei jedem Gegenstand zwei Fragen zu stellen: Hab ich Freude daran? Hat er für mich einen Nutzen?“

Was weder Nutzen hat noch Freude auslöst, kann entsorgt oder gespendet werden. Schnell wird der Kleiderschrank übersichtlich und nur noch die Capsule Wardrobe ist zu finden, also Kleidungsstücke, die dem Besitzer alle gefallen. Heißt: Schrank und Schubladen auf, sich selbst die Nutzen-Freude-Frage stellen, Unliebsames aussortieren. Der Stress beim Waschen und Pflegen wird auch kleiner, weil es schlichtweg weniger gibt.

Augsburg bietet verschiedene Möglichkeiten, den nachhaltigen Lebensstil beim Kleidungskauf in die Tat umzusetzen. In Läden wie Manomama (Willy-Brandt-Platz 1A) wird bei der Herstellung auf die Ökologie geachtet und ein Handicap oder ein fehlender Schulabschluss sind kein Ausschlusskriterium für eine Mitarbeit im Unternehmen - gelebte Inklusion in der Unternehmensphilosophie.

Im Bereich Ernährung setzt Christine Pehl auf regionale Bauern und Bio-Lebensmittel.

„Ich liebe einfaches, wohltuendes Essen. Jede Woche kaufe ich einmal die Basics wie Obst, Gemüse und Kartoffeln und verbrauche diese dann auch. Das Wegwerfen von Lebensmitteln vermeide ich.“

Wer lieber auswärts essen geht, kann sich seine Mahlzeit zum Beispiel in Mom's Table (Maximilianstraße 77) oder bei den Lokalhelden (Bismarckstraße 10) auftischen lassen und unterstützt so lokale Hersteller und Bio-Produktionen. Das Angebot in Augsburg wird immer reichhaltiger und beglückt auch Veganer und Vegetarier.

Wichtig findet Christine Pehl für einen bewussten Lebensstil sich Zeit für sich selbst einzuräumen:

„Durch die Digitalisierung empfangen wir viele Reize und Informationen, die unser System oft nicht verarbeiten kann. Da tut es gut, zur Ruhe zu kommen, in den eigenen Körper zu hören und sich zu fragen: Wie geht es mir eigentlich gerade?“

Kompromisse gibt es in ihrem Lebensstil aber auch. So besitzt sie eine Kaffee-Kapselmaschine, die sie geschenkt bekam sowie liebgewonnene Dekorationselemente. Und das ist auch völlig in Ordnung, denn jeder definiert für sich , was in das eigene Leben gehört und sortiert aus, was keine Bedeutung hat.

Ob sich das minimalistische Bewusstsein durchsetzt oder nur eine Bewegung auf Zeit ist, wird von Experten unterschiedlich bewertet. So meint Bernd Vonhoff, der Bundesvorsitzende vom Berufsverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen:

„Minimalismus ist ein Gegenpool zu gesellschaftlichen Entwicklungen, die in „immer mehr, besser, höher, weiter, schneller“ ihren Ausdruck findet. Diese kurzfristige Bedürfnisbefriedigung, die im Vordergrund bei vielen steht, [...] übt einen Reiz auf viele Menschen aus und ist ein Antrieb für ihr Handeln, das aber nicht immer zur eigenen Zufriedenheit führt. Der Minimalismus hat zwar Zulauf und stößt seit Jahren auf vermehrtes Interesse, wird aber in unserer abendländischen Kultur wahrscheinlich nicht zum Massenphänomen werden.“

Aber: Wer seinen Konsum hinterfragt, auf sich selbst und seine Umwelt achtet und mit seinem Umfeld darüber spricht, kann dazu beitragen, dass der Minimalismus zum Massenphänomen wird!

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