Rosa Rahmen: Kunst von Augsburger Künstlerinnen

Das neu gegründete feministische Kulturkollektiv „Mehrfrau“ stellt seine erste Ausstellung vor. Im Interview erzählen die Gründerinnen, wie die Idee geboren wurde und was sie erreichen wollen.

Rosa Rahmen: Kunst von Augsburger Künstlerinnen

Bist du schon an den rosa Rahmen mit Gemälden in der Augsburger Altstadt vorbei gelaufen? Und hast du auch genauer hingesehen? Ich habe vier Mitglieder des Kulturkollektivs beim Aufbau der Ausstellung getroffen.

Wer steckt hinter den rosa Rahmen?

Am 01.08. fahre ich mit Kamera ausgestattet in die Altstadt, genauer gesagt an den Holbeinplatz. Hier bin ich mit den Mädels von „Mehrfrau“ verabredet. Als ich ankomme, werden schon die ersten Bilderrahmen an den Geländern der Lech-Kanäle befestigt.

Schnell lerne ich Janna, Franzi, Veronika und Tanja kennen und erfahre, was es mit dem Kulturkollektiv „Mehrfrau“ auf sich hat und wie es zur Ausstellung kam.

Übrigens: Janna und Veronika kennst du vielleicht schon als Teil der Band „Mississippi Isabel“. Vor zwei Jahren sorgten sie für ein unvergessliches Hallo Augsburg-Wohnzimmerkonzert.

Was ist das Anliegen des Vereins „Mehrfrau“?

„Wir sind alle Frauen aus der Augsburger Kulturszene und versuchen mit „Mehrfrau“, andere Frauen aus der Kulturszene zu vernetzen“, erklärt Veronika.

„Gleichzeitig wollen wir die Kunst von Frauen sichtbarer machen, indem wir Veranstaltung organisieren, Konzerte oder Ausstellungen wie diese. Außerdem planen wir Workshops zu feministischen Themen in Verbindung mit Musik und bildender Kunst.“

Frauen sind vor und hinter der Bühne unterrepräsentiert. Das wollen wir ändern.

Männer der Kulturszene sind gut vernetzt und haben es daher generell leichter, erzählen sie mir weiter. Mit „Mehrfrau“ wollen sie diesen Nachteil ausgleichen. „Unser Ziel ist es, Künstlerinnen länderübergreifend zu vernetzen“, erklärt Veronika. Ein Netzwerk ermögliche es, sich auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen.

„Mehrfrau“ wurde Anfang des Jahres gegründet. Die Ausstellung mit den rosa Rahmen ist die erste Aktion des Kulturkollektivs.

Wie entstand die Ausstellung „Rosa Rahmen“?

„Ursprünglich war die Idee, Künstlerinnen für das Projekt „Play me I’m Yours“ zu gewinnen und ein Klavier zu gestalten. Leider haben wir kein Klavier bekommen. Weil wir aber bereits so viele tolle Rückmeldungen von Seiten der Künstlerinnen bekommen haben, wollten wir unbedingt ein Alternativprojekt starten“, erzählt Janna.

„Wir haben versucht, sowohl was die Art der Kunst angeht, als auch was die Künstlerinnen betrifft, eine große Vielfalt zu erreichen, um das Thema aus möglichst vielen Blickwinkeln zu betrachten“, erklärt Tanja. „Die Augsburger Kulturszene besteht aus Frauen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft, daher war uns wichtig, entsprechend Künstlerinnen für das Projekt zu gewinnen.“

Die Werke von zwanzig Künstlerinnen unterschiedlichen Alters und Herkunft sind zu sehen

Zwanzig Künstlerinnen, Musikerinnen, Illustratorinnen und Fotografinnen schickten schließlich ihr Werk zum Thema „Sichtbarkeit der Frau in der Kultur- und Kunstszene“ an die Mehrfrau-Mädels. Außerdem stellten sie Fragen zum Thema Feminismus an die Künstlerinnen. Ausschnitte aus ihren Antworten findet ihr in der Ausstellung direkt neben dem jeweiligen Werk der Künstlerin. Die vollständigen Antworten könnt ihr auf der Homepage von Mehrfrau nachlesen.

Die Bilderrahmen sind übrigens rosa, um Gender-Klischees zu hinterfragen und zu dekonstruieren.

Franzi von „Mehrfrau“ hat auch ein eigenes Werk in der Ausstellung. Sie ist Grafikdesignerin und macht nebenberuflich Fotografie und Illustration.

Die Collage stellt ein Blumenmädchen dar. Das Bild soll zeigen, dass man auch mal hinter die Fassade der „schönen Frau“ blicken soll, um sie als Person wahrzunehmen, erklärt sie mir.

Mit dem Smartphone durch die Ausstellung

Wenn du magst, kannst du die Ausstellung mit deinem Handy erweitern und ergänzen. Neben jedem Zitat einer Künstlerin findest du einen QR-Code. Wenn du diesen einscannst, erfährst du mehr über das Kunstwerk und die Künstlerin. Hinter jedem Werk versteckt sich eine spannende Persönlichkeit mit einer eigenen Sichtweise auf das Thema Feminismus und Kultur.

Außerdem findest du weitere Werke der Künstlerinnen auf der Homepage, darunter ein Text und Videos.

Die rosa Rahmen werden noch bis Mitte September hängen bleiben.

Wenn du „Mehrfrau“ bei der Vernetzung von Frauen der Kunst- und Kulturszene helfen möchtest, ein eigenes Projekt hast und dir eine Kooperation vorstellen kannst oder einfach nur Hallo sagen möchtest, melde dich gerne bei den Mädels von „Mehrfrau“.

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