Die Augsburger Kulturszene wird nach Corona eine andere sein

Kaum eine andere Berufsgruppe ist so stark von der Pandemie betroffen, wie die Kulturszene. Wir haben mit Christoph Steinle gesprochen, der selbst Restaurant und Barbesitzer ist und sich mit der Augsburger Club- und Kulturszene bestens auskennt.

Die Augsburger Kulturszene wird nach Corona eine andere sein

Christoph Steinle ist Gesellschafter und Geschäftsführer des Restaurants „Blaue Kappe“, der Bar „Oh Boi“ und des „Yard Coffee“. Außerdem ist er Gesellschafter der „Alten Liebe“ und aktives Mitglied in der Augsburger Club- und Kulturkommission. Auch hinter dem berühmten August Gin steckt er. Wir haben uns mit ihm über seine Arbeit und die Zukunft der Club- und Kulturszene unterhalten.

Mit was bist du gerade beschäftigt?

Ich habe auch jetzt viel zu tun. Immerhin bieten wir sowohl in der Blauen Kappe, als auch in der Alten Liebe Essen to-go an und sogar im Oh Boi samstags und sonntags. Und dann wartet da natürlich auch noch dieses riesige Bürokratiemonster, das wir bändigen müssen. Mit Kurzarbeit, Überbrückungshilfen und so weiter. Das heißt, meine Büroarbeitszeiten sind mit Corona nicht weniger geworden.

Gleichzeitig nehme ich wahr, wie die Stimmung unter meinen Mitarbeitern ist, die gerade nicht arbeiten können. Denen fällt natürlich die Decke auf den Kopf. Und da merke ich schon, dass ihnen die Situation an die Substanz geht. Mir persönlich fehlt der Kontakt zu anderen Leuten und unseren Gästen sehr. Sonst hatte man immer die schöne Bestätigung für das eigene Schaffen, wenn man gesehen hat, wie der Laden am Abend gefüllt war. Das fällt jetzt natürlich weg. Und auch spontane Treffen fehlen mir sehr.

Auf was können wir uns in Sachen Gastro und Event im Sommer freuen?

„Wir hängen in der Luft.“

Wir sind dabei zu planen, aber müssen dabei sehr flexibel sein was die Termine angeht. Wir haben bereits Gespräche mit der Stadt gehabt und hatten auch verschiedene Teams-Sitzungen bezüglich Königsplatz und Sperrung der Ludwigstraße. Das soll auf jeden Fall auch so stattfinden. Ansonsten versuchen wir unsere Bestuhlungsflächen im Sommer zu erweitern. Das Ganze aber ohne festen Termin, wann es losgeht. Grundsätzlich bin ich optimistisch, da uns auch positiv von der Stadt zugearbeitet wird. Allerdings müssen die genauso abwarten, wie die Regelungen sein werden. Ohne festes Datum und noch dazu ohne zu wissen, wie die Auflagen sein werden, zu planen ist gar nicht so leicht. Vor allem dann, wenn man, sobald das Go kommt, auch sofort reagieren möchte und dementsprechend am Start sein will. Das kann mitunter ja auch mal sehr schnell gehen. In der Gastronomie arbeiten wahnsinnig viele Hände ineinander. Wenn dieses System erstmal komplett lahmgelegt war, ist es gar nicht so leicht, das Ganze wieder geordnet ins Laufen zu bringen. Das bedeutet wiederum, dass ich Zeit zur Einarbeitung der MitarbeiterInnen brauche. All diese Dinge machen eine Planung sehr schwer.

Wie versucht die Augsburger Club- und Kulturkommission gerade zu arbeiten?

Wir versuchen so gut es geht Sommerprogramme voranzutreiben. Gerade Projekte, wie die Bespielung von Kulturplätzen und Open-Airs bringen wir gerade ein. Außerdem versuchen wir in die Richtung zu wirken, dass das Musikverbot ab 21.00 Uhr gekippt wird. Das wollen wir auch über die GenerationAux in den Stadtrat mit einbringen. Generell ist es so, dass die Club- und Kulturkommission immer gut zusammengearbeitet hat, aber in der momentanen Situation hilft vielen auch das Zusammenarbeiten nichts. Wir wissen gar nicht welche Mitglieder der Augsburger Club- und Kulturkommission wieder aufsperren oder überhaupt noch da sind. Viele, die in dem Bereich tätig waren, mussten sich über diesen langen Zeitraum natürlich auch andere Jobs suchen.

Live-Streams werden immer weniger genutzt.

Zum ersten Lockdown haben wir versucht Wege zu finden und die Kultur via Live-Streams zu den Leuten zu tragen. Allerdings sind Kultur-Live-Streams in der Vorbereitung wahnsinnig aufwändig. Trotzdem gab es hierfür im ersten Lockdown viele Ehrenamtliche, die solche Projekte möglich gemacht haben. Doch schon im Herbst wurden viel weniger Streams produziert, weil die Ehrenamtlichen auch irgendwo ihr Auskommen haben müssen und nicht weiter pro Bono hunderte von Stunden in diese Arbeit stecken konnten. Und für einen Stream zahlen die Leute auch kein Eintritt. Letztendlich ist ein Stream-Konzert eben nicht dasselbe, wie ein Livekonzert.

Wird die Augsburger Club- und Kulturszene nach Corona nachhaltig verändert sein nach Corona?

Die Vielfalt und die Qualität der Kulturangebote wird geringer sein.

Die Leute, die die Szene ehrenamtlich geprägt haben, werden das natürlich auch weiter tun. Aber Corona wird viele Sachen nachhaltig schädigen. Corona hat finanziellen Löcher gerissen, die erstmal wieder gestopft werden müssen. Das heißt, es wird kein Geld da sein, um groß Programm für diesen Sommer zu finanzieren. Außerdem fällt dieses Jahr der zeitliche Vorlauf weg, den ein Kulturprogramm benötigt. Konzerte oder Festivals werden ja normalerweise mindestens ein Jahr im Voraus geplant. Im ersten Lockdown wurde auf Frühjahr 2021 verschoben und jetzt sind wieder sämtliche Festivals und Konzerte durchweg abgesagt worden. Das heißt, es wird schon schwierig für die Veranstaltungsbranche sich von diesen zwei Jahren zu erholen. Da wird sicher die Vielfalt, die Qualität und der Umfang der Angebote extrem drunter leiden. Wie soll eine offene Bühne oder ein Club ein ganzes Jahr ohne Umsatz überbrücken? Da werden sicher viele wegbrechen.

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