Einmal 9 Fragen an einen Krankenpfleger

Tag und Nacht sind Pflegekräfte für uns da – wird das auch ausreichend wertgeschätzt?

Einmal 9 Fragen an einen Krankenpfleger

Egal ob am frühen Morgen, mitten in der Nacht, am Wochenende oder an Weihnachten – Krankenpfleger und Krankenschwester sind immer für uns da und tun ihr Möglichstes, um uns wieder auf die Beine zu bringen. Wir haben mit einem Fachkrankenpfleger einer Intensivstation gesprochen. Auf einer Intensivstation werden Patieneten mit schweren bis lebensbedrohlichen Verletzungen oder Krankheiten intensivmedizinisch behandelt. Vor welchen Herausforderungen steht er und was der krasseste Unfall, den er je miterlebt hat?

Vor welcher Aufgabe würdest du dich manchmal am liebsten drücken?

Das ist bei mir ganz klar die Betreuung von Angehörigen nach einem Sterbefall. Die Überbringung der schlechten Nachricht fällt mir nach all den Jahren trotzdem noch schwer. Niemand überbringt gerne solche Nachrichten und sieht gerne Menschen, die um ein geliebtes Familienmitglied oder engen Freund trauern.

Was war der krasseste Unfall, den du mitbekommen hast?

In meinen über 20 Jahren als Krankenpfleger habe ich schon einiges mitbekommen. Das beeindruckendste war als eine Frau von einem LKW überrollt wurde und mit lebensbedrohlichen Verletzungen zu uns gebracht wurde. Doch dank der technischen Möglichkeiten, unserer Hilfe und dem Kampfgeist der Frau schaffte sie es trotz dieses schweren Unfalls zu überleben und konnte nach drei Monaten unsere Station wieder verlassen.

Wenn du selbst ins Krankenhaus musst: Gehst du dann in deines?

Ja, ich würde in das Krankenhaus gehen, in dem ich arbeite. Es hat jedoch seine Vor- und Nachteile. Natürlich ist es dann nicht mehr so anonym, da ich viele Pflegekräfte und Ärzte kenne. Jedoch kann man daraus auch Vorteile ziehen und das Vertrauen ist schon ganz anders gegeben als bei fremden Ärzten.

Was war die lustigste Geschichte mit einem Patienten?

Eine ältere Patientin erzählte uns mehrfach an einem Tag, dass sie die ganze Zeit Männer an der Fensterscheibe sehen würde und fragte, was diese dort machen würden. Die Pflegekräfte waren alle verwirrt, da sich unsere Station in einem der höheren Stockwerke befindet und es eigentlich gar nicht sein kann, dass Personen am Fenster vorbeilaufen. Wir dachten die Frau wäre einfach ein bisschen durcheinander und versuchten ihr zu erklären, dass ihre Beobachtung überhaupt nicht möglich sei. Später fanden wir heraus, dass die Fensterputzer an diesem Tag unterwegs waren und sie die ganze Zeit Recht hatte. Fand ich eigentlich ganz witzig.

Wie oft hast du es miterlebt, dass ein Patient stirbt?

Ja, das habe ich schon ganz oft miterlebt. Ich habe Patienten auch schon oft begleitet. Nach all den Jahren ist das für mich aber schon normal geworden, dass jemand gehen darf. Vor allem nach einer langen und schmerzhaften Krankheit.

Wie oft konntest du Leben retten?

Wir haben schon unzählige Male Leben gerettet aber natürlich immer in Zusammenarbeit mit den ärztlichen und pflegerischen Kollegen. Wir haben hier auch unser Reanimationsteam, welches gerufen wird, wenn ein Patient einen Herzkreislaufstillstand hat. Wir sind aber dann natürlich auch vor Ort und leiten lebensrettende Sofortmaßnahmen ein.

Thema Gehalt – zufrieden oder zu wenig für die Arbeit, die du leistest?

Das Gehalt könnte schon ein bisschen mehr sein, auch die Wertschätzung gegenüber dem Beruf könnte besser sein. Den Drei-Schicht-Betrieb darf man echt nicht unterschätzen. Auch nachts, feiertags und am Wochenende müssen wir arbeiten, da die medizinische Versorgung immer gegeben sein muss. Dies könnte auf jeden Fall besser vergütet werden, vor allem wenn man unsere Bezahlung mit der Vergütung in anderen Branchen vergleicht.

Kommt es oft vor, dass dir Freunde oder Familienmitglieder all ihre Wehwehchen zeigen und nach deiner Diagnose fragen?

Auf jeden Fall. Sobald man Leuten, die man neu kennenlernt, sagt, was für einen Beruf man ausübt, werden oftmals die Wehwehchen geschildert. Aber natürlich helfe ich dann gerne weiter.

Was findest du am faszinierendsten an deinem Beruf?

Mich faszinieren unter anderem die technischen Möglichkeiten, die die Medizin mittlerweile zur Verfügung hat. Beispielsweise Beatmungsgeräte oder die Dialyse. Einfach beeindruckend, welche Möglichkeiten den Patienten gegeben werden, selbst nach langer und schwerer Krankheit, zu genesen. Was ich an meinem Job liebe ist, dass man dem Patienten bei seinem Heilungsprozess unterstützen kann. Dass er nach einer schweren OP bei uns genesen und dann wieder auf die Normalstation verlegt werden kann. Was auch ganz toll ist, wenn manchen Patienten uns nach der Reha noch einmal besuchen kommen und sich für die Hilfe bedanken und unsere Leistung und unser Engagement wertschätzen.

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