Gratis Bus und Strossabo - Zu schön um wahr zu sein?

Im nächsten Jahr können wir in der Augsburger Innenstadt Busse und Straßenbahnen kostenlos nutzen. Einfach genial... oder nur viel Lärm um nichts?

Gratis Bus und Strossabo - Zu schön um wahr zu sein?

In Deutschland haben schon verschiedene Kleinstädte versucht, die Öffentlichen gratis anzubieten. Unser Augsburg möchte jetzt in die Geschichte eingehen als die erste Großstadt, die diesen revolutionären Schritt wagt.

Mobilität oder gefangen in der Innenstadt? Was könnten wir Augsburger uns nur Schöneres vorstellen, als immer gratis von A nach B zu kommen. Von dem Geld des Monatsabos kann man sich in Zukunft ja dann doch so einiges gönnen. Da fühlt man sich doch glatt wieder wie ein Kind, das am Anfang des Monats sein Taschengeld bekommt und sich beim nächsten Kiosk die Taschen mit Kaugummis vollstopft. Ganz begeistert habe ich also diese erfreuliche Nachricht gelesen: „Vom Kö/Moritzplatz können die öffentlichen Verkehrsmittel jeweils eine Haltestelle weit genutzt werden“. Ach wie schö... bitte was? Interessant, wie plötzlich die Innenstadt neu definiert wurde. Wenn man sich nach Wohnungen umschaut, gelten da seltsamerweise andere Regeln für den Innenstadtaufschlag. Ehrlicherweise muss man ja zugeben, dass sich die SWA wenigstens einen neuen und hippen Namen ausgedacht haben: „City-Zone“.

![1f54fecf-c27c-4b7a-85d6-561382716611]

Jetzt will ich hier gar nicht zu sehr auf unseren Stadtwerken rumhacken, immerhin bringen sie uns ja dann doch immer irgendwie heim. Die Frage, wer sich ernsthaft nur in diesem kleinen Bereich fortbewegt, sollte aber legitim sein. Für mich persönlich sind die Strecken in der „City Zone“ ja welche, die ich trotz Abo laufe. Außer, es fährt gerade zufällig sowieso eine Straßenbahn ein. Egal, ob man in Augsburg wohnt oder arbeitet, das Abo wird so gut wie jeder weiterhin benötigen.

![69bcad26-ec07-46a4-8205-484578496610]

Der Wolf im Schafspelz? Jetzt frägt man sich ja doch, was denn dann die Beweggründe der Stadtwerke sind. Als großes Argument wird mit einem Umweltschutz Plakat gewunken. Das finden wir natürlich immer gut. Es stellt sich nur die Frage, wie denn dann in Zukunft CO2 eingespart werden soll. Ich persönlich kenne ja nur sehr wenige, die von ihrer Wohnung in der Maxstraße zur Arbeit am Theater mit dem Auto fahren. Vielleicht kenne ich auch nur die falschen Leute.

Jetzt aber mal den Sarkasmus beiseite. Personen die aktuell mit dem Auto in Augsburg unterwegs sind, pendeln entweder oder haben schlechte Anbindungen. Keine dieser Personengruppen profitiert von der „City-Zone“ und wird auch zukünftig nicht den Fuß vom Pedal nehmen.

Nachdem die Tarifreform der SMA Anfang des Jahres nicht ganz optimal angekommen ist, weil manche Augsburger teils doppelt so viel für ihre gewohnten Fahrten bezahlen sollten, wirkt die Einführung der „City-Zone“ ja schon ein bisschen wie eine Marketing-Kampagne finanziert by „Dieseltopf“.

![b32de429-013e-42cb-9897-a076e91e9e58]

Fazit Zu jammern ist natürlich immer leicht. Erstmal ist jeder Schritt zum gratis Nahverkehr ein Guter. Das gilt besonders, wenn wir an die Umwelt denken. Insofern können wir ja eigentlich froh sein, dass sich Augsburg in die richtige Richtung bewegt. So, wie das aktuell geplant ist, wird sich an den Emissionen aber nichts ändern. Vielleicht kann unsere Stadt ja als Trendsetter andere Großstädte zu Veränderungen bewegen. Im Gegensatz zu vielen von ihnen überschreitet Augsburg die Stickstoffdioxid Grenzen nur an 10 von 300 untersuchten Straßen. Bleibt zu hoffen, dass die heimischen Initiatoren und vor allem auch die zahlreichen anderen Städte ein ernsthaftes Interesse an der Umwelt entwickeln. Ganz ohne Hintergedanken. Ganz ohne Image-Kampagne.

Logo