Verpfeifen während der Corona-Pandemie: Ist das okay?

Der Nachbar eine Etage darüber schmeißt eine Party. Der Lautstärke nach zu urteilen, sind das mehrere Personen, sicherlich nicht nur aus einem oder zwei Haushalten. Jetzt ist die Frage: Verpfeifen oder sein lassen?

Verpfeifen während der Corona-Pandemie: Ist das okay?

Schon seit Beginn der Corona-Pandemie wurde viel diskutiert, was das Denunzieren angeht. Was tun, wenn eine Party geschmissen wird, die klar gegen die Auflagen verstößt? Wenn die Polizei gerufen wird, gilt man als Denunziant. Wenn man aber nichts tut, lässt man auch gleichzeitig ein mögliches Superspreader-Event zu. Das führt dann zu steigenden Fallzahlen und dadurch zu einem längeren Lockdown.

Keiner will der Spielverderber sein

In der Kindheit und Jugend wurde einem immer wieder eingeredet, dass es „uncool“ sei, etwas nicht mitzumachen oder gar zu verpetzen. „Spielverderber“, hieß es dann immer. Die einzigen, die einen in einer solchen Situation unterstützt haben, waren die Erwachsenen – sprich, die Vernünftigen. Genau das findet heutzutage wieder statt, bloß, dass auch Erwachsene unvernünftig sind und sich nicht an die Regeln halten.

Der entscheidende Punkt bei der Sache: Hier geht es um ein Ausmaß, dessen sich viele nicht bewusst sind. Also, wie konnte sich das Virus so stark verbreiten? Wie alle wissen, nahm alles seinen Anfang mit einem Wildtier auf einem Markt in Wuhan. Ein einziger positiver Fall, dann wurde die Stadt infiziert, dann das Land und die Länder drum herum und dann andere Kontinente. Zack, wir befinden uns mitten in einer Pandemie.

So schnell kann es gehen. Dabei ist die Lage nach so langer Zeit nicht wirklich besser geworden. Die Fallzahlen steigen immer wieder an, weswegen der Lockdown in Deutschland erneut verlängert wurde. Die Begründung ist einfach: Es gibt zu viele Leute, die mit den Kontakt- sowie Ausgangsbeschränkungen nicht einverstanden sind. Sie treffen sich mit mehreren Personen mehrerer Haushalte und lassen zu, dass sich das Virus so weiterverbreitet. Ein hohes Risiko zu einem hohen Preis.

Polizei? Ja oder nein?

Wie oft war man vor Corona schon in der Situation, nicht schlafen zu können, weil der Nachbar zu laut ist? Passiert ab und zu. Es wird natürlich nicht die Polizei gerufen, sondern man beschwert sich persönlich. So, Sache erledigt. Jetzt ist es etwas komplizierter: Dass sich der Nachbar dazu entschieden hat, gegen die Corona-Auflagen zu verstoßen, lässt vermuten, dass dieser durch eine Unterredung nicht einsichtig wird.

Warum sollte dieser auch auf einen hören, wenn er schon nicht auf die Regierung hört. Sowohl der Gastgeber, als auch die Feiernden haben sich dazu bereit erklärt, zuwider zu handeln, heißt, an mögliche Konsequenzen denkt augenscheinlich keiner. So kann man also davon ausgehen, dass ein Appell, die Party aufzulösen, kein Gehör findet. Aber die Polizei rufen will man auch nicht, weil sonst die Gemeinschaft in die Brüche geht.

Eine Zwickmühle. Es kommt die Frage auf: „Was wäre, wenn ich so eine Party schmeißen würde?“. Das kommt wohl immer auf das Verhältnis an. In einer solchen Situation gilt es abzuwägen, inwieweit man bereit ist, die Konsequenzen zu tragen. Eines ist sicher: Nach einem Anruf bei der Polizei ist das gute Verhältnis vorbei. Auch liegen die Zeiten, wo sich Freunde gegenseitig beim Staat anschwärzen, glücklicherweise weit hinter uns.

Es bleibt einem selbst überlassen

Ob es jetzt moralisch vertretbar ist, den Nachbarn wegen einer Party zu verpfeifen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Natürlich sollte man solche Fälle normalerweise der Polizei melden, denn immerhin geht es hier um eine Pandemie. Dennoch ist man selber nicht verantwortlich für das Verhalten anderer. Das Beste wäre, sich mit anderen Nachbarn auszutauschen und sie zu fragen, was sie davon halten.

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