Sexuelle Belästigung: Warum Catcalling strafbar sein sollte

Einige Länder in Europa fordern ein hohes Bußgeld für verbale Belästigung – nicht aber hier in Deutschland. Das muss schleunigst geändert werden.

Sexuelle Belästigung: Warum Catcalling strafbar sein sollte

Es scheint die Sonne, du schlenderst durch die Stadt und fühlst dich wohl. Auf einmal kommen dir drei Männer entgegen. Du weißt ganz genau, was jetzt passieren wird. Du senkst den Blick, hoffst keine Aufmerksamkeit auf dich zu ziehen. „Hey Schnecke, hast du heute schon was vor?“, ruft der eine. Der andere hinterher: „Ach komm, sei doch nicht so verklemmt.“ *Gelächter*

Dir schnürt es die Kehle zu. Du bist wütend, kannst aber gar nichts tun, außer es zu ignorieren und weiterzugehen. Das wohlige Gefühl, als du das Haus verlassen hast, ist jetzt weg. Eigentlich willst du auch gar nicht mehr draußen sein. Deine Schritte beschleunigen sich, dein Kopf bleibt gesenkt. Ein altbekanntes Szenario, das viele Tag für Tag erleben müssen.

Was ist Catcalling?

Immer wieder taucht in den Medien der neuartige Begriff „Catcalling“ auf. Gemeint ist die verbale sexuelle Belästigung, die vor allem Frauen auf öffentlicher Straße erleben müssen. Sprüche wie „Soll ich’s dir mal richtig besorgen?“ oder „Hey Süße, geiler Arsch“ sind keine Seltenheit. Auch das Hinterherpfeifen wird nun als Catcalling bezeichnet.

Europäische Länder wie Frankreich, Belgien und Portugal verhängen ein hohes Bußgeld für anzügliche Kommentare und desgleichen. In unserem schönen Deutschland ist es erst strafbar, wenn Schimpfwörter, Berührungen oder sogar Gewalt im Spiel sind. Genau deswegen starteten AktivistInnen eine Petition, bei der schon 65.000 unterschrieben haben.

Macht und Dominanz werden ausgenutzt

Seit Anbeginn unserer Zeit dominierten die Männer über die Frauen. Sie hatten das Sagen und eine übergeordnete Stellung in der Gesellschaft. Heutzutage ist das anders. Weltweit kämpfen Frauen um Gleichberechtigung – im öffentlichen Leben, als auch im privaten. Sexuelle Belästigung, egal in welcher Form, darf so nicht mehr hingenommen werden.

Die Statistik zeigt, dass 70 Prozent derer, die die Petition unterschrieben haben, selbst schon Erfahrung mit Catcalling gemacht haben. Das sind 45.500 Personen. Eine Studie der George Washington University wiederum befragte 811 Frauen. Nur drei von ihnen konnten bestätigen, noch nie Opfer von sexueller Belästigung auf offener Straße geworden zu sein.

In unserm Nachbarsland, Österreich, ist die Lage ähnlich: 2011 gaben rund 74 Prozent aller Frauen hierzulande an, schon von einmal belästigt worden zu sein. Tatsächlich ergab die Untersuchung des Instituts für Familienforschung auch, dass ein Viertel der befragten Männer schon einmal sexuell belästigt wurden, davon aber nur 2,7 Prozent in der Öffentlichkeit.

Catcalling ist kein Kompliment

Gesagt zu bekommen, man sei wunderschön oder man hätte ein tolles Outfit an, ist ja noch im Rahmen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber Kommentare, die sich beispielsweise auf die „geile“ Figur beziehen, sind nichts anderes als abwertend. Man wird auf sein Äußeres reduziert, auf die Größe der Oberweite oder des Hinterns. Und das ist überhaupt nicht okay.

Vor allem die Frauen haben oftmals ein Problem mit ihrem Körper. Sie fühlen sich nicht wohl, stehen zu lange vor dem Spiegel und denken, sie wären nicht gut genug. Auf der Straße so etwas zu hören, macht es aber nicht besser. Ganz im Gegenteil. Sie fangen an, sich zu schämen. Sie tragen weniger freizügige Klamotten, nur, um ja keine Blicke auf sich zu ziehen.

Da kommen wir auch schon zum nächsten Problem: Frauen, aber auch Männer, sollten tragen dürfen, was sie wollen. Nur, weil jemand weniger trägt und es genießt, sich freizügig zu kleiden, heißt das noch lange nicht, sie wollen angebaggert werden oder „Komplimente“ dazu bekommen. Hinter einem einzelnen Menschen steckt mehr als nur ein Stück Fleisch.

Diejenigen, die sich gegen die Petition und ein Verbot stellen, haben die Sachlage nicht verstanden. Ja, solche Kommentare oder das Hinterherpfeifen sind Ansichtssache. Aber unter Catcalling fällt auch, dass man aufgefordert wird, mit jemanden zu schlafen oder wenn sich jemand vor den eigenen Augen in den Schritt fasst. Wer will sowas schon gerne erleben?

Ein Verbot schadet nicht

So oder so wäre es nur sinnvoll, wenn sich ein bundesweites Verbot in Deutschland durchsetzen würde. Frauen, die es stört, so angebaggert zu werden, melden es der Polizei. Frauen, die es nicht stört, lassen es einfach bleiben. Die einzigen, die daraus einen „Nachteil“ ziehen, sind die Catcaller, die dann lernen müssen, sich zurückzuhalten, wenn sie keine Strafe wollen.

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