Privilegien für Geimpfte? Eine Debatte, die viel zu früh kommt

Geimpfte dürfen Feiern gehen, während ungeimpfte zu Hause bleiben müssen? Eine Frage, die gerade ernsthaft, jedoch völlig verfrüht diskutiert wird.

Privilegien für Geimpfte? Eine Debatte, die viel zu früh kommt

Je mehr Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden, desto lauter wird die Debatte um „Privilegien“ für Geimpfte. Für große Empörung sorgte die Forderung des Bundesaußenministers Heiko Maas nach Vorrechten für geimpfte Personen. Kein Wunder, dass dieser Vorschlag auf heftige Kritik stieß. Immerhin hatten bisher nur wenig Menschen überhaupt die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Geschweige denn weiß jemand, ob der Impfstoff Übertragungen des Virus‘ auf andere Menschen verhindert.

Eine Diskussion ohne jegliche Grundlage

„Geimpfte sollen wieder ihre Grundrechte ausüben dürfen“, sagte Heiko Maas der „Bild am Sonntag“. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem noch nicht einmal klar ist, ob der Impfstoff überhaupt dafür sorgt, dass Geimpfte keine Überträger mehr sein können. Das sei laut Maas jedoch zu vernachlässigen. Ein Geimpfter nehme niemandem das Beatmungsgerät weg. Somit sei ein zentraler Grund für die Einschränkung der Grundrechte nicht mehr gegeben, so Heiko Maas.

Dabei weist das Robert-Koch-Institut ausdrücklich darauf hin, dass es aufgrund genau dieser Unklarheiten trotz Impfung weiterhin notwendig sei, die AHA-Regeln zu beachten. Darüber hinaus ist ebenso ungeklärt, wie lange der Impfschutz anhält (RKI/Stand 19.01.21). Auf einer solchen Basis Menschen Lockerungen in Aussicht zu stellen, wird im Kampf gegen das Virus wohl kaum zielführend sein. Unter diesen Umständen kann man auch nicht davon sprechen, dass die Einschränkung der Grundrechte, keine Legitimation mehr hätte. Schließlich könnten geimpfte Personen weiterhin zur Verbreitung des Virus beitragen.

Fair ist was anderes

Nehmen wir einmal an, Geimpfte könnten das Virus nicht übertragen. Wäre es in dem Fall okay, geimpften Menschen mehr Freiheiten zu geben, während andere diese nicht haben? Ich bin grundsätzlich kein Mensch, der anderen nichts gönnt, aber wenn ich noch nicht einmal die Möglichkeit hatte mich impfen zu lassen, gucke ich ungern zu, wie andere in den Urlaub fliegen oder die Bars bevölkern, während für mich der Lockdown-Wahnsinn weiter geht. Bisher wurden laut dem Robert-Koch-Institut 1.195.429 Menschen in Deutschland gegen Corona geimpft (Stand 19.1.21). Das sind aufgerundet eineinhalb Prozent der Bevölkerung. Aus meiner Sicht kann die Diskussion über Lockerungen für Geimpfte gerne weitergeführt werden, sobald jeder einen Impftermin hat. Bevor nicht jeder die Möglichkeit hatte, sich impfen zu lassen, wird die veränderte Stellung von Geimpften zu einer Spaltung der Gesellschaft beitragen und die Hirngespinste von Verschwörungstheoretikern weiter befeuern. Diese würden die neuen Rechte der Geimpften sofort als indirekte Impfpflicht ansehen und noch mehr Menschen verunsichern. Nicht unbedingt das, was wir jetzt brauchen.

Das Einzige, was uns die Diskussion über „Privilegien“ und „Sonderrechte“ aktuell bringt, sind erhitzte Gemüter und Unzufriedenheit. Über eine Aufhebung der Corona-Maßnahmen für Geimpfte kann erst sinnvoll gesprochen werden, wenn klar ist, wie genau der Impfstoff wirkt.

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